Das kann (grüne) Stadtplanung

So stehen sie hundertfach in der Stadt (und am Land) herum.

Enorm platzvergeudend und hässlich.

Und so wird ein neuer Lidl in Wien 22 aussehen, nachdem wir viele Gespräche geführt haben:


Architekt: Much Untertrifaller

Ebenerdig Einkaufen und Parken, darüber: ca 65 geförderte (deswegen günstige) Mietwohnungen in Holzbau.
Baubeginn 2016.

So wirds dann am Dach aussehen:

Baubeginn: 2016

Hier weitere Ansichten

Am Auhofcenter
ist dieses Prinzip des verdichteten urbanen Handels kombiniert mit Wohnen bereits realisiert.
Viele weiter Projekte sind in Vorbereitung.
Denn die wachsende Stadt brraucht dringend günstige Grundstücke für den Wohnbau.
Die platzvergeudenden Schachteln müssen der Vergangenheit angehören.
Eine energische Stadtplanung kann das verändern.

Mein Lastenrad-mein Wien

Ich weiss, es gibt Wichtigeres. Trotzdem:
Seit drei Jahren verwende ich mein Lastenrad. Es ist wunderbar und hat gemeinsam mit Wien eine Hommage verdient.

Dank an Sebastian Kubelka, Lukas Pichler und Esme Chan

Flüchtlinge.Wie weiter? Eine Diskussion am 24. Sept

Flüchtlinge in Österreich: Wie geht es jetzt weiter?
Wie soll Österreich mit dem Ansturm an syrischen Flüchtlingen umgehen? Wie integrieren wir zehntausende Syrer? Welche Ängste sind berechtigt? Wie helfen wir am besten vor Ort?

Es diskutieren:
Christoph Chorherr, Gemeinderat, die Grünen
Florian Klenk, Chefredakteur Falter
Caroline Niknafs, Orientalistin und Expertin für Minderheitenfragen
Klaus Woltron, Industriemanager und Unternehmer a.D., Autor

Moderation: Nina Horaczek, Falter
Ort: Co-Space, Gumpendorferstraße 65, 1060 Wien
Zeit: ​Donnerstag, 24. September 2015, ​
19:00 Uhr

Zur Genese dieser Veranstaltung.
Ein Artikel von Florian Klenk.
Einige Vorschläge von mir. Hier, hier und hier.
Eine ausführliche Erwiderung von Klaus Woltron.
Zeit für ein Gespräch face to face.
Ich freu mich

Alle nur unfähig?

Zeitungskommentare, aber auch soziale Netzwerke überbieten sich in heftigster Kritik: über die unfähige EU, die ebenso unfähige Bundesregierung, schiere Inkompetenz, wohin man blickt.
Man kann die derzeitige Krisensituation aber auch anders, positiv sehen. Ich tue das.

1.) Beginnen wir mit “der EU”.
Am Dienstag, so die kritische Meinung, seien die Innenminister gescheitert, sich einstimmig auf einen verbindlichen Verteilschlüssel für 160 000 Flüchtlinge zu einigen. Andere (meine) Lesart: Offensichtlich gab es erstmals eine klare Mehrheit genau dafür. Einige wenige Staaten (die ost-mitteleurpäischen sowie die baltischen) haben einen EINSTIMMIGEN Beschluss verhindert. Dass es jedoch jetzt eine klare Mehrheit von Staaten gibt, die eben das wollen, ist ein großer Fortschritt. darauf gilt es aufzubauen.

2.) Seit Deutschland die Grenzen am Sonntag verstärkt kontrolliert, und kaum mehr Züge mit Flüchtlingen aus Österreich übernimmt, sind Zehntausende über die ungarische Grenze gekommen. Was bisher unmöglich war, gelang plötzlich mit größten Anstrengungen leidlich gut. Binnen Stunden wurden in enger Kooperation von Bürger/innen, NGOs und lokalen Behörden Unterbringungsmöglichkeiten, Kleidung, ärztliche Erstversorgung und Essen bereitgestellt.
Wirklich gut kenne ich die Situation in Wien. Über 5000 zusätzliche Schlafmöglichkeiten wurden binnen Stunden bzw zwei Tagen bereitgestellt. Dank vieler Angebote von Bevölkerung, Bauträgern, Unternehmen und Glaubensgemeinschaften (christlichen ebenso wie muslimischen) sowie dem extrem kompetenten, unbürokratischen und raschen Handeln der Behörden (z.B. Baupolizei, Feuerwehr) war das möglich. Und der Plafond ist noch nicht erreicht. Allein in Wien gibt’s ca 700 000 m2 leerstehende Büroflächen. Diese werden, wenn sie Angebote werden (das geschieht) blitzschnell überprüft und Hilfsorganisationen übergeben.

3.) Beispiel Hauptbahnhof: Dort arbeiten seit vielen Tagen ehrenamtlich Menschen verschiedenster sozialen Milieus und Glaubensrichtungen miteinander, und leisten Unglaubliches. Hier wird ein starker Gemeinsinn spürbar, ohne den kein demokratisches Staatswesen existieren kann. Die Stadt Wien mit ihre verschiedensten Abteilungen unterstützt, soweit es geht.
Überall im Land fragen sich Menschen, was sie ganz persönlich beitragen können. Viele stellen Wohnraum zur Verfügung, melden sich zu freiwilliger Hilfe.

4.) Diese Hilfe erstreckt sich nicht nur auf Österreich. Viele sind in den letzten Wochen nach Ungarn gefahren. Haben dorthin Hilfsgüter gebracht, oder Transportdienste angeboten. Hier wird eine konkretes, neues solidarisches Europa spürbar.

Und morgen?

Jetzt scheint es an der serbischen Grenze zu Ungarn sehr sehr schwierig zu werden. Die serbische Regierung hat eine gänzlich andere Haltung als jene von Orban.
Dort Hilfestellung zu leisten ist eine gesamteuropäische Aufgabe. Ich bin sicher, die ersten sind aus Österreich schon dorthin unterwegs.

Ermöglicht diese grosse Krise die Geburt eines neuen Europas?
Eines, das nicht nur von Diplomaten, Politikern und Beamten sondern auch ganz stark von engagierten Bürger/innen getragen wird?
Entsteht jetzt erstmals ein Gefühl: Das ist unser Europa!

PS:
ad Wien: Lesenswertes Interview mit Peter Hacker, der als Asylkoordinator u.a. für die Unterbringung zuständig ist

heute Studentenheim-morgen für Flüchtlinge?

Das erste mobile Studentenheim ist fertig, und besiedelt. Alle 40 Plätze sind vergeben.

Worum es beim mobilen Studentenheim geht

Für viele Studenten und Studentinnen wird es in Wien immer schwieriger, kostengünstige Wohnmöglichkeiten zu finden. Eine zentrale Ursache: erschwingliche Grundstücke für den Bau von Studentenheimen werden immer knapper. Aus diesem Dilemma entstand der Gedanke, auf Grundstücken im Nahbereich der öffentlichen Hand, die erst in einigen Jahren bebaut werden, in der Zwischenzeit temporäre und damit kostengünstige Wohnangebote zu errichten – das Studentenwohnheim auf Zeit. Soll dann das Grundstück langfristig genutzt werden, muss das Heim abgebaut und auf einem anderen Grundstück wieder errichtet werden – als „umstellbares Studentenwohnheim“.

Die Projekte müssen daher modular auf- und abbaubar und so flexibel entwickelt sein, dass sie von Größe und Anordnung her an unterschiedliche Grundstücke angepasst werden können. Auch soll vom Baumaterial bis zum Energiekonzept ein möglichst hoher ökologischer Standard erreicht werden. Es sollen sowohl Einzelgarconnieren mit Bad/WC als auch verschiedene Formen von Wohngemeinschaften realisierbar sein.

Ein erstes Projekt für 80 StudentInnen soll nun in der Seestadt Aspern auf einem 3.500 m² großen Bauplatz entstehen.
Architekten: F2 Architekten
Bauträger: Wohnbauvereinigung für Privatangestellte Gemeinnützige GmbH (WBV-GPA ) gemeinsam mit der Österr. Austauschdienst Wohnraumverwaltungs GmbH (OeAD-WV), home4students – Österreichische Studentenförderungsstiftung.
Die Wien 3420 Aspern Development AG hat das Grundstück zur Verfügung gestellt.

Die Kosten für einen Platz (inc. Energie, Reinigung, wlan etc.) betragen 350 Euro/Monat.

Das abgebildete Studentenheim ist ein Passivhaus aus Holz wurde in wenigen Tagen errichtet.
Hier das Video:

hier noch mehr infos via Standard

und hier viele Details (Baukosten, Fläche, etc.) via ökonews

Was heute als Studentenheim funktioniert, kann morgen als qualitätsvolle und doch günstige Unterkunft für Flüchtlinge dienen.
Grundstücke für temporäre Nutzung gibts in Wien mehr als genug.

Grossartig, aber was dann?

Gestern war ein grosser Tag.
Nicht nur die New-York-Times würdigt, was viele Österreicher/innen gestern gezeigt und geleistet haben.
An den Bahnhöfen, aber auch in Ungarn.
Österreich – und v.a. Deutschland, das beinahe alle Flüchtlinge aufnimmt – zeigt der Welt, was Humaniät, Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft ist.
Heute wird es hoffentlich so weitergehen, vielleicht noch morgen.
Aber dann?
Merkel und Faymann, denen ich für ihr Verhalten ausdrücklich Respekt zollen möchte ,haben aber auch damit recht:
Das ist eine kurzfristige Massnahme. Zwei Länder (in Wirklichkeit eines, Deutschland) können all die, die noch auf der Balkanroute unterwegs sind nicht alleine schultern.
Ausserdem: Die Bilder von gestern werden ihre Wirkung entfalten.Noch mehr werden sich auf den Weg “nach Germany” machen.
Ich verhehle es nicht. Bei aller grossen und schönen Gefühlen, die nicht nur mich gestern berührt haben: Ich mache mir vor den nächsten Tagen und Wochen sehr grosse Sorgen.
Und deswegen nochmals in Kürze, was m.M. nach unbedingt notwendig ist (ausführlich habe ich es hier beschrieben) :
1.) Asylantragsstellen in sicheren Gebieten rund um die Krisenregionen (also in der Osttürkei, dem kurdisch verwalteten Nordirak, in Jordanien und im kleinen, armen überlasteten Libanon.
Die starken Bilder aus Wien, Nickelsdorf oder München, die gestern um die ganze Welt gegangen sind, diese Bilder brauchen wir aus dem Libanon oder aus Jordanien: Menschen, die DORT Asyl bekommen haben, und sich mit begleiteten Bussen, Schiffen , Zügen oder auch Flugzeugen in die europäischen Zielländer aufmachen.
Das und nur das kann Schleppern das Handwerk legen. Und Menschen davon abhalten, sich auf eine unendlich strapaziöse und gefährliche mehrmonatige Reise aufzumachen.
Es ist sonnenklar: Entweder es gibt die Chance auf Asyl vor Ort, oder hunderttausenden Verzweifelte machen sich auf den Weg. Welche Alternative bliebe ihnen denn sonst? Ich würde nicht anders handeln.
2.) massive finanzielle, organisatorische und wirtschaftliche Unterstützung jener Flüchtlingslager in der Region, denen jetzt das Geld ausgeht. Dass Österreich das UNHCR dafür mit beschämenden 2,5 Mio EU (!!) abspeist (ich habe die Zahl erst nicht glauben können) ist ein Skandal!
3.) Schliesslich wird sich die EU auch dazu durchringen müssen, der Ursache dieser Fluchtbewegung etwas entgegenzusetzen. Dem barbarischen Terror der IS, sowie den Gräueltaten der Assad-Schergen und anderer Milizen in Syrien.
Was das sein könnte?
(Auch) von der EU militärisch gesicherte Schutzzonen, um den Menschen nahe ihrer Heimat Sicherheit zu geben.
Diese Schutzzonen, ob Städte oder Regionen, könnten Keimzellen des Wiederaufbaus sein.
Wenn sie auf einem UNO-Mandat beruhen, könnte sich sogar das neutrale Österreich daran beteiligen.
Alles Utopie?
Seit gestern, seit der mächtigste europäische Staat, Deutschland seine Grenzen geöffnet hat, ist vieles möglich.
Es wurden Voraussetzungen für Möglichkeiten geschaffen.
Dieser Tage wird europäische Geschichte geschrieben.

Die europäische Flüchlingskrise. Ein konkreter Vorschlag

Vor knapp einem Jahr habe ich hier auf diesem Blog ausführlich eine Vision skizziert: Flüchtlinge, Europa und eine Idee

Heute möchte ich eine konkrete politische Strategie vorschlagen. Das geht, ich ersuche um Verständnis, nicht in einigen wenigen Zeilen.

Dazu einige mir notwendige Vorbemerkungen:
Die Flüchtlingsströme, die Zustände in Traiskirchen, die Tragödien im Mittelmeer, die unhaltbaren Zustände auf griechischen Inseln, all das stellt die europäischen Staaten und seine Bevölkerung vor wirklich gewaltige Herausforderungen.
Es wird zunehmend klar, dass dies Europa noch sehr lange beschäftigen wird, Europa verändern wird, und vor allem: die politischen Verwerfungen in Syrien, Afghanistan oder dem Irak , aber ebenso in einigen afrikanischen Staaten gehen uns unmittelbar etwas an.
Wenn in zerfallenden Gesellschaften Krieg, Zerstörung, Armut und Elend herrschen, haben sich in in der gesamten Menschheitsgeschichte Männer, Frauen und Kinder auf den Weg dorthin gemacht, wo sie Frieden, Arbeit und Sicherheit vermuten.
“Globalisierung” heisst eben nicht nur Waren- und Geldverkehr über Grenzen hinweg, sondern auch Bewegungen der Menschen.
Die aktuellen Flüchtlingsströme in unsere vergleichsweisen reichen Länder wird also noch lange weitergehen.
Was also tun?
Bewusst möchte ich diese Gedanken hier nicht bebildern. Ich bin einer von ganz vielen, die von den Bildern aus Traiskirchen, derzeit von wartenden, verzweifelten Menschen am Budapester Bahnhof, von Menschen, die ihre weinenden Kinder unter Stacheldrähten durchschieben empört, entsetzt und wütend sind.
Diese Emotion soll, muss Motivation sein, aber eine politische Strategie bedarf, will sie erfolgreich sein, auch einer nüchternen Betrachtung der Umsetzung.

Die grosse Illusion: Die europäische Lösung

Theoretisch wärs doch ganz einfach.
Würden alle europäischen Länder auch nur halb soviele Menschen Asyl gewähren, wie Österreich, Deutschland oder Ungarn, gäbe es also eine grosse europäische Einigung, wäre die schrecklichen Bilder rasch Geschichte.
Das kann und muss man fordern, jedoch:
Hätti-Wari

Wie schwer so eine europäische Quotenlösung ist zeigt sich im Kleinen in Österreich. Weit mehr als die Hälfte der österr. Gemeinden hat bis heute keinen einzigen Flüchtling. Es bedurfte einer Änderung der Bundesverfassung, um ein Durchgriffsrecht zu schaffen.Wie es funktioniert, werden wir erst sehen.
Jedoch: Österreich ist ein Staat, der so etwas durchsetzen kann. Vergleichbares ist derzeit in der EU rechtlich nicht möglich, und freiwillig (leider) kaum zu erwarten.
Kluge Politik weiß das, und findet trotzdem einen Weg.

Um diesen Weg zu skizzieren, möchte ich in ein anderes Politikfeld wechseln, das ebenso gewichtig, drängend und schwer lösbar scheint.
Der Klimaschutz. Wenn jüngst Präsident Obama eine (von der Kohlewirtschaft wie den Republikanern heftig bekämpfte) für US-Standards mutige Politik vorgestellt hat, dann v.a. deswegen, weil etliche Bundesstaaten vorausgegangen sind und diese Politik längst umsetzen.
Einigungen auf höchster Ebene sind dann und nur dann möglich, wenn einzelne vorpreschen, zeigen, daß diese Wege erfolgreich sind. Diese ermutigen, schaffen Öffentlichkeit und vor allem: schaffen Voraussetzungen für neue Möglichkeiten.
Genau darum geht es in meinem Vorschlag:
Eröffnung von Möglichkeiten.
Nur eine europäische Lösung zu verlangen, heisst: Genau diese zu verhindern.
Kluge Politik fordert in einer verfahrenen, aussichtslos erscheinenden Situation nicht das Unmögliche, sondern einen vielleicht kleinen Hebel, der umsetzbar ist, der aber ganz neue Wege aufzeigt, andere zum Nachahmen bringt, und so das Tor aufmacht für neue Möglichkeiten.

Jetzt zum Kern des Vorschlags.

Dieser beinhaltet drei konkrete Massnahmen.

1.) Ich bin mit vielen, und sogar mit unserer Innenministerin einer Meinung, daß nur eine Maßnahme dem teils tödlichen Geschäft der Schlepper ihre Grundlage entzieht: Eine legale Möglichkeit, in einem EU-Land Asyl zu beantragen.
Kein Zaun, keine Grenzsicherung (bitte wie, bei hunderten griechischen Inseln, um nur ein Beispiel zu nennen?) wird verzweifelte Menschen aus Kriegsgebieten abhalten, sich auf eine gefährliche, schwierige, tausende Kilomater lange Reise zu machen.
Ausser: Es gibt einen anderen Weg.

Deswegen müssen wir nicht über Grenzzäune in der EU sprechen, sondern darüber, wie ein machbarere, von breiten Bevölkerungsgruppen bei uns akzeptierter Weg der legalen Asylantragsstellung aussieht.
Nach langem Nachdenken so:
Nicht in eigenen “Auffanglagern” in Griechenland oder Italien, sondern möglichst nahe an den Krisengebieten, sollten einzelne Länder Konsulate eröffnen.
Dort, wo heute Hunderttausende Flüchtlinge bereits sind:
Im kurdischen Nordirak, in Jordanien, im Libanon, in der Türkei.
Österreich könnte, sollte das tun.
Ich höre schon den (verständlichen) Einwand: “Aber dort sind ja Hunderttausende”
Das stimmt, und darauf muß eine Antwort gegeben werden, siehe oben meine Ausführungen zu “machbarer Politik”
Zu Beginn sollte die Anzahl der vor Ort gegebenen Asylanträge klar mengenmässig begrenzt werden, und auch öffentlich kommuniziert werden.
Um eine konkrete Zahl zu nennen: 5000 im ersten Jahr. ( Das wären deutlich weniger als 10% der Asylwerber, die auch Mikl Leitner als “integrierbar ” bezeichnet)
Denn irgendeine breiter Akzeptanz ist in Österreich, wie in vielen Ländern nur erzielbar, wenn eine berechtigte Frage beantwortet wird: Wieviele können wir aufnehmen?
Weitere Einwand gegen diese Konsulatlösung: Wie soll dort ausgewählt werden? Viel, viel mehr als 5000 Menschen würden das versuchen wollen.
Hier gibt’s keine leichte Antwort, aber es gibt einige: In Zusammenarbeit mit den Verwaltungen der Flüchtlingslager oder der lokalen Stadtverwaltungen könnten erste kurze Registrierungen erfolgen, und selbst eine darauffolgende Verlosung (wie bei der US-greencard) ist hier denkbar. Nein, das ist keine optimale, gerechte Lösung, aber die gibt es auch nicht!
Es geht um einen Hebel für eine neue Weg.
Denn wenn Österreich 5000 Menschen vor Ort Asyl gewährte und andere Länder folgen würden, wären das (umgelegt auf die Bevölkerung) bei Deutschland 50 000, bei Frankreich 40 000 Menschen, also durchaus relevante Zahlen.
Und dann würden sich viele Flüchtlinge, so meine These, die Frage stellen: In Jordanien, in der Türkei, im Libanon, im Nordirak, in Städten oder Lagern, wo man zumindest sicher ist auf eine derartige Chance zu warten, vielleicht ein paar Monate, oder auch Jahre, oder eine lebensgefährliche Flucht mit unsicherem Ausgang beginnen.
Und jetzt kommen wieder die Bilder und ihre nicht zu unterschätzende Macht ins Spiel:
Hunderte Busse/Züge/Fähren/Flugzeuge bringen Menschen direkt aus der Region in Sicherheit: Diese Bilder in Zeitungen, im Fernsehn, via Internet schaffen Stimmungen.
Diese Maßnahme, so bescheiden sie auch beginnt, könnte den Schleppern wirklich ihr brutales Geschäft entziehen.
Manche meiner grünen Freund/innen mögen einwenden, 5000 für Österreich sei ja viel zuwenig.
Ich halte dem entgegen, daß damit eine große Veränderung ermöglicht wird, womit ich zu einem weiteren Schritt komme.
Wenn erste Länder (Deutschland, Österreich, Frankreich) diesen Weg gehen, hat die EU vielleicht die Chance, andere Anreize zu setzen.
Flüchtlinge sind, betreibt man eine kluge Integrationspolitik, mittelfristig eine wirtschaftliche und kulturelle Bereicherung eines Landes. Kurzfristig jedoch nicht: Zusätzlicher Wohnraum, Druck auf Schulen, Vermitteln von Sprachkenntnissen, das kostet öffentliche Mittel. Und das in Zeiten knapper Budgets und steigender Arbeitslosenzahlen.
Es ist recht und billig, dafür jenen Ländern (und Gemeinden!), finanzielle Unterstützung zu gewähren. Ein neuer innereuropäischer Finanzausgleich. Länder, die vergleichsweise mehr Flüchtlinge aufnehmen, erhalten Unterstützung, jene, die es aus einer Reihe von Gründen nicht tun, leisten dafür zumindest Zahlungen. Hierfür liessen sich, auch wenn es schwer ist, vielleicht Mehrheiten schaffen.

2.) Nahezu alle, selbst die FPÖ, sprechen davon, dass vor Ort geholfen werden soll. Vor Ort, das heisst vor allem: Hunderttausenden Flüchtlinge in Jordanien, im Libanon, im kurdisch verwalteten Nordirak, in der Türkei.
Es geschieht aber genau das Gegenteil: Die ohnehin geringen Hilfsmittel für diese Flüchtlinge werden (v.a. in Jordanien) gekürzt. Hier ist die europäische Politik, auch Österreich grausam und zynisch. Ich bin mir sicher, es gibt breite Unterstützung dafür, Menschen in den regionalen Flüchtlingslagern angemessen zu helfen. Der Zusammenhang liegt ja auf der Hand: Je schlechter die Lebenssituation dort, desto höher der Antrieb sich Richtung EU in Bewegung zu setzen.
Der obige “Konsulatsvorschlag” hätte auch noch eine hilfreiche Konsequenz: Es würde auch bei uns mehr über die Lebensbedingungen in diesen Flüchtlingsregionen berichtet werden. Es könnte bei uns das Gefühl verstärken, dass es dort eine europäische Verantwortung gibt. Und ja, im eigenen Interesse. Unsere Zukunft hängt mit dieser Region untrennbar zusammen.

3.) Menschen fliehen dorthin, wo sie für sich und ihre Kinder Sicherheit, Arbeit und Bildung finden. Hier habe ich mit meinem letzen Beitrag angesetzt. Ein Großteil der neuen Flüchtlingslager sind Keimzellen für Stadtgründungen. Als solche sollten sie auch betrachtet werden. Auch politisch. Solange (z.B. im Libanon) Flüchtlingen, auch wenn sie dort schon viele Jahre leben, keine Arbeitsbewilligung erhalten, werden sie nicht Wurzeln schlagen können. Das ist eine große mittel-bis langfristige Aufgabe der EU, und ich präzisiere, auch europäischer Städte. Letztere wissen, wie man eine effiziente Müllversorgung aufbaut (siehe jüngste Krise in Beirut).
Diese Länder brauchen Konzepte für Wohnungs- und Schulbau, Kanal- und Wasserversorgung, Müllentsorgung und und. Irgendwie ist die Situation mit unseren kerneuropäischen Ländern in den 50er bis 70er Jahren vergleichbar: Aufbauzeit!
Städte wie Wien können hier eine Schlüsselrolle spielen, einen geeigneten politischen Rahmen vorausgesetzt. Dieser soll anknüpfen an eine alte, niemals realisierte Idee des von mir sonst nicht sehr geschätzten Ex Präsidenten Frankreichs Sarkozy, die Mittelmeerunion. Nein, es geht natürlich nicht um den EU-Beitritt dieser Länder. Aber eine enge wirtschaftliche, politische und kulturelle Zusammenarbeit, und auch beträchtliche finanzielle Transfers in diese Länder.
Eines muss uns Europäern klar sein: Eine sichere, stabile Zukunft innerhalb unserer EU kann es nur geben, wenn es mittel- bis langfristig zu einer gedeihlichen Entwicklung in unseren südöstlichen Nachbarländern kommt.
Entweder der Reichtum kommt zu den Armen, oder die Armen kommen zu Reichtum.
Eine gewaltige, anspruchsvolle Aufgabe. Aber braucht die EU nicht gerade das?