Radfahren am Getreidemarkt

Wir haben den Vorschlag gemacht, den 2er-Linienradstreifen am Getreidemarkt weiterzuführen.
Daraufhin gab und gibt es sehr viel Kritik.
z.B. hier auf unsere Wiener Grünen Facebookpage
Oder hier im Standard-Forum.
Ich gestehe: Die Heftigkeit der Kritik hat mich überrascht.
Drum jetzt ein bisschen ausführlicher das Problem und wie diese Lösung entstand.
Die 2er-Linie ist eine wichtige Tangentialverbindung, die auch von Radfahrer/innen stark und immer stärker benutzt wird.
An normalen Tagen sind es Tausende.
Über weite Strecken ist der Radweg ausgebaut:


auf vielen Fotos ist wenig bis kein (Rad-) Verkehr zu sehen. Grund: Fotos wurden von mir sehr zeitig Sonntag Früh gemacht.

Fährt man Richtung Karlsplatz-TU, so endet der Radstreifen:

Das bedeutet jetzt für sehr viele Radfahrer/innen, die geradeaus Richtung Operngasse, Karlsplatz, TU oder weiter wollen: Ungeschützt zwei Spuren nach links kreuzen, da es zwei Abbiegespuren nach rechts in die Wienzeile gibt.

Deswegen wurde als Vorschlag eine Lösung gewählt, die es sicher und weitgehend akzeptiert an verschiedenen Stellen der Stadt gibt.
z.B. hier am anderen Ende des 2er-Linienradwegs:

Hier wird man über eine Spur in die Mitte geführt, um geradeaus weiterfahren zu können, und nicht von den rechts abbiegenden Autos gefährdet zu werden.

Genau diese Lösung sollte, so der Plan, auch am Getreidemarkt realisiert werden, und zwar so:


vergrößern? anklicken!

Was ist (aus unserer Sicht) der Vorteil dieser Maßname?
Derzeit ist die ungeschützte Querung von zwei Spuren, no sagen wir einmal: Nicht ganz fahrradfreundlich.
Durch diese rot markierten 1,5 m breiten Streifen ist klar signalisiert: Geradeausfahrende Radfahrer/innen haben dort Vorrang, Autofahrende müssen mit ihnen rechnen.
Hunderte Male bin ich über diese “Querung” beim Landesgericht gefahren, immer passen Autofahrer/innen sehr auf.
Weil sie mit Radfahrenden rechnen.
Zugegeben: Beim Getreidemarkt geht es bergab, auch Radfahrer/innen fahren dort schneller.
Wir glaubten: Das wäre eine Verbesserung.
Natürlich gäbe es aus Sicht von Radfahrenden deutlich bessere Maßnahmen: Eine Spur weniger für Autos, eine ganze fürs Rad z.B.
Aber in diese Richtung ist die gesamte 2er-Linie dreispurig, Veränderungen müssen politisch zwischen den Koalitionspartnern, den betroffenen Bezirken etc. verhandelt werden, ich schätze einmal: Für eine Verengung auf zwei Spuren am Getreidemarkt gibt es nicht so leicht eine politische Unterstützung.

Wie jetzt weiter?
Wird dieser unser Vorschlag jetzt einfach durchgezogen?
Natürlich nicht.
Natürlich gibt uns die teilweise sehr heftige Kritik zu denken.
Die Maßnahme soll die Situation der Radfahrer/innen verbessern. Wenn eine große Gruppe von Radfahrenden das offensichtlich nicht will, gilt es zumindest nochmals gründlich nachzudenken und den Dialog u.a. mit Radfahr-Organisationen suchen, um zu einer Verbesserung zu kommen, die auch als solche gesehen wird.
Insofern freuen wir uns über konkrete Vorschläge, wie dort (eine politisch durchsetzbare) Lösung aussehen kann.
Abschliessend noch eine kurze Anmerkung zum Stil (nicht nur) dieser Kritik.
Es ist legitim und verständlich, wenn man einen technischen Vorschlag zum Ausbau der Radinfrastruktur kritisiert oder ablehnt.
Was ich aber nicht verstehe: Warum muss mit Beschimpfung, Unterstellung und Beleidigung passieren?
Bin ich noch immer ein naiver Träumer, der glaubt, man könne von Sachargumenten getragen, die jeweils bestmögliche Lösung finden?
Hat das auch mit der Geschwindigkeit von “social-media” zu tun, das ohne Empörung wenig läuft?
Kein Missverständnis: Ich halte diesen Ton schon aus. Gehört heute offensichtlich dazu. Wundern möchte ich mich aber darüber noch immer, und zumindest meinen Blog nutzen, um diese Beobachtung zu teilen.
PS:
Noch eine Beobachtung.
Bei der Pressekonferenz wurde ich gefragt, was diese Maßnahme kostet.
Ich wollte und konnte diese Frage nicht genau beantworten, da die Kosten einerseits sehr gering sind (wahrscheinlich 5-stellig). Es müssen “nur” alle bestehenden Bodenmarkierungen entfernt, neue Bodenmarkierungen samt Radstreifen neu aufgetragen werden, und einige Schilder (Siehe Bild oben) neu aufgestellt werden.
Je geringer eine Summe, desto höher die mögliche prozentuelle Abweichung bei Realisierung.
Da auch die konkrete Ortsverhandlung noch nicht abgehalten wurde, die möglicherweise noch ergänzende (Sicherheits-) Maßnahmen vorschreibt wollte ich nach vielen Nachfragen bloß einen Rahmen angeben. So sagte ich: Wahrscheinlich unter 100 000 Euro, aber maximal (man weiss je nie) 200 000.
In einem Boulvardblatt stand dann glatt: “Luxusradweg um 200 000 Euro.
Soviel zum Thema mediale Kommunikation.
Und jetzt auf zur bestmöglichen Lösung des Getreidemarktes!

Wichtige Grafik!

Wer das nächste Mal Prognosen der viel zitierten IEA (International Energy Agency) liest, sollte sich an diese Grafik erinnern.
Hier die IEA Ölpreisprognosen und deren Überprüfung an der wirkliche Entwicklung.


vergrössern? anklicken?

Eigentlich unglaublich: Sie haben fast immer angenommen, daß der Ölpreis in etwa dort bleiben wird, wo er gerade ist.
Als würde man das Wetter der nächsten Tage so vorhersagen, wie es im Moment gerade ist.

Conclusio:
1.) Zukunft ist immer unsicher. Wirtschaftsprognosen über längere Zeiträume sind unmöglch.
2.) Deswegen sollten alle Wirtschafts- Energie-Aktien-etc. preisprognosen mit allergrößter Skepsis gelesen werden.
3.) “Prognostiker” sollten immer ihre eigenen Vorhersagen vorgelegt bekommen. Das wäre ein lohnendes Feld u.a. für Wirtschaftsjournalist/innen

Vom Ende des Naturschutzes

Das ist ein wichtiger Artikel in der FAZ.
Mit dem Grundgedanken sollten (nicht nur) wir Grüne uns befassen. Auch wenn es schwerfallen mag.
Einige kurze Zitate daraus:

Wir haben als Weltgärtner die Natur für immer verändert: Die Bewegung der Novel Ecology plädiert daher für den Abschied vom rein konservierenden Naturschutz.

Die Vision einer unberührten Wildnis prägt bis heute unser Verständnis der Natur – und des Naturschutzes, der darauf gerichtet ist, sie zu bewahren. Doch wir sollten aufhören, uns etwas vorzumachen, so die „Nature“-Journalistin Emma Marris, unberührte Natur gibt es nicht mehr. Ohne es zu wollen und vor allem ohne zu übersehen, was das bedeutet, sind wir längst zu Gärtnern der ganzen Welt geworden.

Auch wenn die unberührte Natur eine Illusion geworden sei, könne die historische Natur noch immer eine wertvolle Orientierungsmarke sein, um neu auftretende Prozesse zu erkennen und zu verstehen. Letzte Grenzen dessen, was ein Ökosystem ertragen kann, müssten formuliert und dürften nicht überschritten werden. Erhaltungsbemühungen sollten sich an der Resilienz eines Systems orientieren, daran, wie seine Fähigkeit, mit aktuellen und zukünftigen Veränderungen und Störungen zurechtzukommen, am besten erhalten werden kann. Und das Management eines Ökosystems sollte von den Werten bestimmt werden, die es für die Betroffenen hat: die materiellen Werte genutzter Rohstoffe, Leistungen wie das Filtern des Wassers, das Festhalten des Bodens, das Bestäuben der Obstbäume, aber auch die kulturellen oder religiösen Werte, die ein Ökosystem für eine Gesellschaft oder Gruppe haben mag.


den ganzen Artikel lesen lohnt!

Wie wollen wir unseren Lebensraum, die “Landschaft”, in der wir und unsere Nachkommen ein gutes Leben verbringen können gestalten?
Das ist die zentrale schwierige Frage, die sich der Mensch, die Menschheit, die Politik stellen muß.
Die verantwortungsvolle Gestaltung von Natur im Zeitalter des Anthropozäns in wesentlicher Erweiterung eines bloß konservierenden Naturschutzes, nicht weniger ist zu leisten!
Wir müssen uns dem stellen, auch wenn es schwerfällt.