Die Stadt, der Platz und das Auto

Dies ist ein sehr eindrückliches Bild.
Es stammt aus Münster.
Und ist auch schon ein bisschen in die Jahre gekommen

Es hat mich motiviert, dieses so wichtige Thema einmal anders, mit Wiener Hintergrund zu illustrieren.
So:



vergössern? anklicken!

Zur Erklärung
Stellen wir uns vor, alle jene Fahrgäste der U-Bahn, die am Stephansplatz aus/umsteigen wollen, steigen aufs Auto um.
Wie gross müsste ein Autobahnknoten sein, um das zu bewältigen?
Am Foto sieht man es: Er würde grosse Teile des ersten Bezirks abdecken.

Deswegen:
Dass Wien heute noch so aussieht, wie es aussieht, und nicht wie z.B. Los Angeles, liegt daran, dass es den so platzsparenden öffentlichen Verkehr gibt, und ihn auch soviele benützen.
Ein grosses Dankeschön an dieser Stelle.

Zur Anregung der Phantasie:
Die Umsteigerelationen am Karlsplatz,beim Westbahnhof bzw beim Schwedenplatz sind ähnlich.
Legte man über alle vier Stationen vier “ausreichend grosse” Autobahnkleeblätter, würde sie einander berühren!
Die Fläche würde tief vom 15. Bezirk, über 7.8., den ersten und bis weit in den 2. hineinreichen.
Die Stadt, wie wir sie kennen wäre zerstört.

Für Zahlentüftler:
Eine Spur des Kleeblatts, um von einer Autobahn auf die andere zu wechseln (Umsteiger) hat eine Kapazität von rd 1800 Fahrzeugen/Stunde.
Die Spitzenstunde entspricht 10% bis max 15% der Tagesfrequenz
Durchschnittlicher Besetzungsgrad des Autos in Wien: 1,2

Ergo: Der hier abgebildete Knoten Prater wäre deutlich unterdimensoniert, und könnte die “Fahrgäste” gar nicht bewältigen.
Täglicher Megastau wäre die Folge.
Drum ein mal mehr: Vorrag für den öffentlichen Verkehr, den Rad-und Fussgängerverkehr, eindeutig zulasten des Autoverkehrs.

PS: Dank an Jutta Reichenpfader für die grafische Ausarbeitung

Budgetsanierung? Ich hätte da noch einen Vorschlag

Wem gehören die (Boden-)schätze der Welt?
Eine grosse, eine wichtige Frage.
Den Menschen der Länder in denen sie liegen?
Den Regierungen?
Den Unternehmen, die sie fördern?

Auch in Österreich lohnt es sich, diese Frage aktuell nochmals zu stellen.
Gerade jetzt, wo Milliarden zur Budgetsanierung gesucht werden.
Einen Vorschlag hab ich schon gemacht:
Die Beendigung der Steuerbegünstigung für Dienstwägen.

Hier jetzt ein zweiter.

Kurzfassung für schnelle Leser/innen.

Österreich hat, was viele vergessen, eine zwar kleine, aber nicht unbedeutende eigene Gas- und Ölförderung.
Immerhin ca 10% des Öl, und 15% des Gasverbrauchs wird (v.a. im Weinviertel) gefördert.
Die oben gestellte Frage, wem dieser Schatz gehört regelt ein Bundesgesetz, welches die Höhe des sog. “Förderzinses” festlegt.
Diesen muss die OMV, das fördernde Unternehmen an die Republik abliefern.
Und dieser ist mit maximal 14% des Produktionswert deutlich geringer als z.B. in Deutschland bzw v.a. in Norwegen.
Der grösste Teil der Erlöse bleibt beim börsennotierten Unternehmen OMV.
Ausserdem:
In den letzten Jahren hat sich der Ölpreis vervielfacht. Und damit auch der Marktwert der Ölkonzerne bzw deren Gewinn.
Es ist also längst an der Zeit den Förderzins deutlich anzuheben.
Wir sprechen hier über Beträge in dreistelliger Millionenhöhe.
Um es zugespitzt zu formulieren:
Der “Schätze” der Erde gehören mindestens so sehr der österreischischen Bevölkerung, wie den Aktionären der OMV (die nur weniger als 1/3 die Republik ist)
Diese Forderung wird breit getragen, von den Landwirtschaftskammern über Umweltverbänden bis hin zur FPÖ.
Zeit darüber auch eine öffentliche Debatte zu führen, um eine Umverteilung von Aktionären hin zur öffentlichen Hand durchzuführen und das Lobbying der OMV zu beenden, die sich klarerweise gegen eine Erhöhung des Förderzinses gewaltig sperrt.
Wichtig ist diese Umverteilung sowohl aus aktuellen budgetären Gründen aber auch langfristig, angesichts der Schiefergasfunde im Weinviertel.

Und ab hier ein bisschen ausfühlicher:

Die Förderzinsdebatte ist nicht neu, sind aber in einer breiten Öffentlichkeit kaum diskutiert worden.

Hier ein paar Fakten:

1. Die Republik Österreich ist Eigentümer der inländischen Öl- und Gasvorräte. Sie vergibt zu ihrer Nutzung Förderrechte an Firmen und hebt dafür einen Förderzins ein.
2. Die inländische Jahresproduktion an Öl und Gas  beläuft sich auf etwa 870.000 Tonnen Rohöl und 1,8 Milliarden Kubikmeter Gas. Das ergibt in Energieeinheiten 101 PJ und deckt etwa 10% des Inlandsverbrauchs an Öl und Gas.
3. Bewertet man die Inlandsproduktion zu Importpreisen für  Öl und Gas so erhält man den Produktionswert der inländischen Förderung.  Dieser lag in den Jahren 2003, 2004 zwischen 430 und 450 Millionen Euro. Damals lagen die Ölpreise zwischen 29 und 39 Dollar/Fass. Der Produktionswert für die Jahre 2010, 2011  liegt im Bereich von 750 bis 950 Millionen Euro als Folge der gestiegenen Öl- und Gaspreise. Im Jahre 2011 bewegen sich die Ölpreise zwischen 90 und 120 Dollar je Fass..
4. Der jährliche Produktionswert der inländischen Öl- und Gasförderung erhöhte sich demnach  in sieben  Jahren um etwa 400 Millionen Euro.
5. Dieser Wertanstieg um rund 400 Millionen Euro wird aufgeteilt zwischen der Republik und den  Firmen, die fördern. Aus den Budgetunterlagen geht hervor, dass die Einnahmen aus dem Förderzins in sieben Jahren um  etwa 85 Millionen Euro stiegen und daher rund  315 Millionen des Wertanstieges bei den Firmen verbleiben. Die begünstigten  Firmen sind vor allem die ÖMV und die RAG (Rohölaufschließungsgesellschaft)
6. Diese Aufteilung ist eine Folge der Bestimmungen des Mineralrohstoffgesetzes, die besagen, dass bei Erdöl höchstens 14% des Produktionswertes an die Republik abzuführen sind; eine ähnliche Regelung gilt für Erdgas.

INTERPRETATION:
Durch die gestiegenen Öl- und Gaspreise entsteht für die Republik als Eigentümer der heimischen Kohlenwasserstoffe  in sieben Jahren ein Mehrwert von 400 Millionen Euro jährlich, den die Republik jedoch nicht für das eigene Budget verwendet sondern zum überwiegenden Teil an einige Firmen verschenkt. Der Mehrwert entsteht, weil Haushalte, Familien, alle Konsumenten das preisgünstig im Inland erzeugt Öl und Gas zu den hohen Weltmarktpreisen kaufen müssen. Überspitzt formuliert, gilt:
„Konzerne kassieren, Familien verlieren“.
Durch dieses  System wird der Ausbau der fossilen Strukturen auf indirekte Weise massiv gefördert und  der Ausbau der erneuerbaren Energien behindert
Dieses System ist  ungerecht und sollte umgehend geändert werden!

ÄNDERUNGSVORSCHLAG:
Es wird vorgeschlagen, dass der  Bund durch eine einfache Novelle des Mineralrohstoffgesetzes von diesem Wertanstieg  mindesten zwei Drittel  zurückbehält. und mit diesem zusätzlichen Geld ein Programm „erneuerbare Wärme im privaten Bereich“  finanziert, sodass jährlich zehntausenden Haushalten  geholfen wird ihr Heizsystem von Öl oder Gas auf erneuerbare Wärme oder Fernwärme umzustellen.

(zitiert aus: energypeace)

interessant ist, dass diese Forderung bereits 2008 vom ÖVP Abgeordneten Schultes formuliert wurde:
“Die Abgaben an die Republik, die durch das Förderzinssystem
festgeschrieben sind, orientieren sich an der geförderten
Energiemenge und den durchschnittlichen Importpreisen. Diese Abgaben
sind im internationalen Vergleich sehr niedrig. Deutschland hebt
beispielsweise 36 Prozent Förderabgabe ein, und in Norwegen wird im
Bereich der Erdöl- und Erdgasförderung eine Gewinnsteuer in der Höhe
von 78 Prozent fällig. Dennoch freut sich die OMV über eine weitere
Förderlizenz in Norwegen. Dagegen ist der österreichische Förderzins
mit 15 Prozent – wovon noch der Rabatt abgezogen wird – eine echte
Okkasion.”
Recht hat er, der Schultes!
Jetzt ist Zeit, das zu ändern.
Oder spricht etwas dagegen, hier rasch einen dreistelligen Millionenbetrag zu holen?

Der Mensch hinterm Lenkrad: eine eigene Spezies

Der Mensch wird hinter dem Lenkrad zu einer eigenen Spezies.
Dazu hab ich bereits 2009 einen meiner meist kommentierten
Artikel geschrieben.

Zwei Spezies in einer Person reagieren völlig unterschiedlich. Gebückt, im Auto eingeschlossen, die Kommunikation auf insektenhaftes Blinken heruntergefahren, quasi als spezies “Homo autofahriensis” fügt man sich in technisch gesteuerte Lenksignale…

Hier der ganze Artikel “Radfahrer und rote Ampeln”

Ausführlich hab ich mich mit diesen Gedanken auch in meinem Buch beschäftigt.

Umso mehr finde ich es interessant, dass dies bereits 1950(!) ausgerechnet in den USA folgendermassen dargestellt wird:

Dank an einen Leser meines Buches, der mir diesen link gemailt hat.

Das Positive am “Fall Pelinka”

Nein, das wird keine verspätete, zynisch-halblustige Abhandlung.
Ich meine das im Titel Gemeinte ernst.

Vorspann:
Erst hielt ich die Übersiedlung des Leiters des SPÖ Freundeskreises im ORF Niko Pelinka in ebendiesen ORF für gänzlich unmöglich.
So dumm könne doch die SPÖ gar nicht sein, so meinte ich.
Wrabetz könne doch die Polit-Abhängigkeit des ORF nicht derart zur Schau stellen.
Auch die heftigen Dementis wirkten irgendwie glaubwürdig.
So kann man sich irren.
Und dann, am 23. Dezember nachmittags wurde es bekanntgegeben: Also doch!
Als ich davon (am schnellsten wiedereinmal via twitter) erfuhr,hab ich mich maßlos geärgert, und diesem Ärger dergestalt Ausdruck verliehen:

Ich war einer von vielen.
Via twitter & facebook schwoll ein Proteststurm an, glaubhaft getragen von etlichen ORF-Mitarbeiter/innen.
In der Folge stiegen auch die traditionellen Medien in das Thema ein, alle durchwegs extrem kritisch.
Nahezu unglaublich dilettantische Details kamen ans Licht:
Erst Tage nachdem diese Besetzung bekanntgegeben (und im Windschatten auch weitere rot/schwarz/blaue Postenschachereien) wurde, kam es zur Ausschreibung in der Wiener Zeitung.
Und heute (3.1.2012) ist es durchaus im Bereich des Möglichen, dass Pelinka wegen des Protests diesen Posten nicht antreten wird.

Hier sei nun nicht die ganze Causa dargestellt, das haben viele andere sehr glaubwürdig und sehr ausführlich geleistet.

Heute sehe ich das Ganze wirklich in einem positive Licht.
Das hat zwei Gründe:
1.) Rotschwarze Postenbesetzungen im staatsnahen Bereich gehört zum “genetischen Code” der Zeit nach 1945. Erst war sie eine akzeptierte Selbstverständlichkeit, dann wuchs Unbehagen, aber irgendwann, ich glaube gerade jetzt ist ein Rubikon überschritten.
Es wird schlicht und einfach nicht mehr akzeptiert. Und wirksam Protest organisiert.
Zur Erinnerung am Beispiel ORF:
Es ist gar nicht lange her, da wechselte ein Nationalratsabgeordenter der ÖVP direkt auf den Posten des ORF Generalsekretärs (Kurt Bergmann).
Oder in der anderen Farbe. Ein Pressesprecher eines SPÖ Ministers (Andreas Rudas) wird ebenso Generalsekretär des ORF, und danach Generalsekräter der SPÖ.
Auch damals gabs unfreundliches Gemurmel und Kritik, aber es war einfach so.
Heute ist es anders: Es ist nicht mehr einfach so.
Es geht nicht mehr, der politische Preis ist zu hoch.
Es wird ganz allgemein als inakzeptabel und skandalös empfunden.
Kritik, die im Unternehmen bisher nur hinter vorgehaltener Hand geäussert wurde, wird jetzt laut und öffentlich geäussert.
Und wirksam.
Das ist, sofern es den ORF betrifft auch ein Verdienst von Alexander Wrabetz (wieder ganz ernst und ohne Zynismus gemeint). Seit er den ORF führt konnte sich eine, gemessen an bisherigen Standards, relativ freie und politisch weitgehend unbeeinflusste (nochmals: gemesen am bisherigen) Berichterstattung entwickeln.
Selbstbewußtsein ist gewachsen, das sich, wenn notwendig jetzt klar öffentlich äussert.
Egal, ob jetzt Niko Pelinka Büroleiter wird oder nicht, die Debatte markiert für mich eine Zäsur: Die rot/schwarze Selbstverständlichkeit der letzten Jahrezehnte, “wir teilen uns das Land auf” ist unweigerlich an ihrem Ende.

2.) Ganz wesentlich hat diese Entwicklung, wie auch die lawinenhafte Verbreitung der Kritik an Niko Pelinkas Bestellung mit der Veränderung der Medienlandschaft zu tun.
Nur dank “social media” war es möglich so rasch zu informieren und festzustellen, dass “man” mit seiner Kritik und Empörung nicht alleine ist.
Wer hätte noch vor wenigen Jahren eine kritische “ots” (Original-text-service der APA) des Redakteursrat zur Kenntnis bekommen.
Damals (wenige Jahre ists erst her) einige Medienjournalisten und Partei-Pressesprecher.
Heute, dank twitter und facebook Zehntausende innerhalb weniger Stunden.
Ausserdem:
Auf twitter “spürt” man Menschen.
Die Empörung, welche die ORF Mitarbeiter/innen unmittelbar äusserten, war mehr als glaubhaft und ansteckend.(z.B. bei Dieter Bornemann und Armin Wolf).
Dutzende Kommentare ( z.B. dieser hervorragende) und Blogs ( hier ein Beispiel unter dutzenden) wurden verfasst, und wen es interessierte (das waren und sind viele), konnte einfach nachschauen, nachlesen und selbst kommentieren.
Niemand musste auf den Filter der traditionellen Medien warten.
Wenn etwas auf “social media” hochkocht, dann springen die traditionellen Medien ( hier ein Beispiel) rasch auf. Spätestens jetzt kapieren es die Parteisekretariate.
Social media wird bleiben. Es wird sich weiter verbreiten und wirksamer werden. Informationen bleiben immer seltener unter der Decke. Ein so wichtiges demokratisches Gefühl wird sich ausbreiten: “Meine Stimme wird gehört”

hier ein beachtenswerter Kurzvortrag, der in kurzen 3:33 Minuten zusammenfasst, was sich Grundsätzliches durch “social media” verändert hat, und weiter verändern wird:

Sollte es jetzt sogar gelingen, diesen vergleichsweise geringen Anlassfall (SPÖ Funktionär wird Büroleiter bei Wrabetz) zu verhindern, dann ist wirklich Grosses für die demokratische Kultur in Österreich geleistet.
Und das ist sehr, sehr positiv.