Reden wir über Reichtum

“Wer reich stirbt,
stirbt in Schande”

Andrew Carnegie

Zurecht wird viel über Armut gesprochen. Sie nimmt nachweislich zu. Man vergleiche bloß die Preisentwicklung von Lebensmittel, Mieten und Energie, Produkte, die von armen Menschen überproportional gekauft werden(müssen) z.B. seit dem Jahr 2000 mit der Entwicklung von Transferleistungen, wie Sozial- oder Notstandshilfe. Letztere sind kaum gestiegen.
Oder man erkundigt sich bei den Mitarbeitern der Caritas bzw ähnlichen Organisationen, und wird ein einhelliges Bild erhalten: Die Armut in Österreich nimmt zu.
Sprechen wir heute trotzdem über Reichtum, und über jene Menschen, die darüber verfügen, denn das passiert viel zu wenig. Anlaß sei nicht ein Anfall von Neid, sondern eine lobenswertes Engagement. Samstag Abend verlieh Baumax Eigentümer Martin Essl zum dritten Mal seinen Essl Sozialpreis, immerhin mit 1 Mio Euro dotiert.
Martin Essl gehört zu einer Minderheit. Denn von den 3300 Privatstiftungen in Österreich, welche ein geschätztes Vermögen von 100 Mrd Euro beherbergen, sind bloße 220 gemeinnützig. Und nur eine kleine Zahl verwendet ihre Erträge wie Martin Essl dazu, auch gemeinnütziges Engagement zu finanzieren.
Gänzlich anders ist die Situation in Deutschland: Hier gibt es beachtliche 16000 gemeinnützige Stiftungen, die von Bildung über Kultur bis in den sozialen Bereich signifikante Leitungen erbringen.
Jetzt wäre ein ausgezeichneter Zeitpunkt eine große Weisenstellung einzuleiten. Gefordert ist der Gesetzgeber. Denn es ist überhaupt nicht einzusehen, daß Stiftungen, welche ausschließlich den rein eigennützigen Zwecken der Stifter dienen, also bloß deren Vermögen mehren sollen, steuerlich genauso behandelt werden wie jene, welche Erträge auch oder gar ausschließlich für gemeinnützige Zwecke verwenden.
Zumindest die Frage darf gestellt werden, warum gerade Sozialdemokraten (das österreichische Privatstiftungsrecht wurde unter Finanzminister Lacina eingesetzt) offensichtlich so große Schwierigkeiten mit einem autonomen gemeinnützigen Sektor haben, da sie anders als in der Schweiz, Deutschland oder den USA den Stiftungen keinerlei Anreize für gesellschaftliches Engagement abverlangt haben.
“Wer reicht stirbt, stirbt in Schande”stellte lapidar der amerikanische Milliardär und große Stifter Andrew Carnegie fest.
Würden Österreichs Privatstiftungen bloß zwei Prozent jährlich für gemeinnützige Tätigkeit verwenden, wäre das mehr als zwei Milliarden Euro. Heute sind es beschämende 40 Millionen. Gesetzgeber aufgewacht!

(meine aktuelle Pressekolumne)

Es ist soweit: Baubeginn Wientalradweg

Und noch ein “Spatenstich”.
Jetzt ist es soweit.
Alle Genehmigungen sind eingeholt:
Baubeginn.
Bald wirds hier nicht so aussehen:

sondern so. Heuer noch!

eine genaue Projektbeschreibung findet ihr in diesem blogpost

Die vielen Kommentaren, Vorschläge und auch die Kritiken habe ich aufmerksam gelesen.
Einige Verbesserungen konnten wir noch einbringen.
Insbesondere gibts jetzt eine durchgängige fugenfreie Oberfläche.

Was nicht möglich war:
Die bauliche Trennung von Fußgängern und Radfahrern.
Warum?
Rechtlich ist dies kein Radweg, sondern eine “Begleitstraße”
Ein vollwertiger Radweg nach Straßenverkehrsordnung hätte u.a. völlig andere (flachere) Rampenneigungen erfordert, so wäre das Projekt signifikant teurer geworden.
Die Kosten sind auch jetzt schon nicht ohne.
Ich halte die jetzige Ausführung mit 4 Metern Breite für einen guten Kompromiss.
Menschen, die ihre Hunde spazierenführen, finden auch im Wienflußbett daneben ausreichend Platz.
Jedenfalls freue ich mich sehr.
Zu Beginn, als wir dieses Projekt ventiliert haben, gabs viel Skepsis und Ablehnung.
Bald wird es befahrbar sein.
Es geht ja doch einiges.

PS:
Wieviel wäre erst möglich, wenn wir aus einer Regierungsposition breit und ja mächtig gestalten könnten?

Europas grösste Passivhaussiedlung

Die Idee und der politische Druck kam von uns.
Jetzt endlich beginnen die Bauarbeiten.
Ein weiteres “rot-grünes Projekt” in Wien.
Europas größte Passivhaussiedlung.
Mehr als 700 geförderte Wohnungen, mitten im 3 Bezirk.
Die Inszenierung mit Spatenstich muß halt sein, auch wenn das keine rasend innovative Bildgestaltung ist.



(Wohnbaustadtrat Ludwig, die Bauträger und ich)

Aber das Projekt kann ein Durchbruch sein.
Den Passivhausstandard zur Normaität in Wien zu erheben.
Und wenn das nächste Mal jemand fragt, was wir als Wr Grüne so tun, ist das eine von Dutzenden Antworten:
Wegen unseres Engagements ist Wien heute jene Stadt, in der weltweit die meisten Häuser und Wohnungen in Passivhausstandard gebaut sind.
Kaum Energieverbrauch, Öl- und Gasperse sind deren Bewohnern egal.
Im Vergleich zur Wiener Normalität: Minus 90% Energieverbrauch.
Dieses Projekt (ich saß 2007 in der Jury) ist ein Grund, warum ich meinen Beruf “Kommunalpolitiker” sehr gerne mache.
Details im “Sprech” der Rathauskorrespondenz hier

Brompton oder Birdy?

Vor genau einem Jahr geschah es: Liebe auf den ersten Blick. Das Londoner Faltrad Brompton für den falter gestestet und sofort: “Will haben”.
Seitdem fahre ich damit, beinahe täglich, mit noch wachsender Begeisterung.
Ich versuche also kurz meine eindeutige Parteilichkeit pro Brompton zu verdrängen und schwinge mich auf das Birdy von Riese und Müller.
Auch in Darmstadt stehen technisch versierte Unternehmerpersönlichkeiten hinter dem Faltrad.
Ausgangspunkt ihrer Garagenfirma waren augerechnet “Ohrenwärmer”, den vom jungen Markus Riese entwickelten Hot Ears, um im Winter unter dem Fahrradhelm nicht zu frieren.
Gemeinsam mit Heiko Müller entwickelte er zunächst in einer Diplomarbeit das birdy. Dann war irgendwie Pause, denn ähnlich wie beim Brompton verweigerten die Banken jegliche Finanzierung; (was einmal mehr die unglaublich innovationsfeindliche Finanzierungskultur Europas zeigt)
Den Durchbruch brachte die Globalisierung: George Lin, ein Taiwanese stand bei einer Ausstellung vor dem Birdy und war begeistert. Er übernahm Finanzierung und Rahmenfertigung, und die Darmstädter-taiwanesische Erfolgsgeschichte begann.
Was kann das birdy (und was kann es sogar besser als das Brompton)?
Wer auf beiden gesessen ist muß neidlos anerkennen: Mit dem Birdy fährt man eindeutig stabiler; dafür sorgt sein steifer Rahmenbau, aber auch die etwas grösseren Laufräder, sowie die doppelte Federung. Sowohl hinten wie auch vorne, ähnlich der legendären “geschobenen Schwinge” von BMW-Motorrädern in den 50er Jahren federt auch das Vorderrad Unebenheiten ab und erhöht deutlich die Fahrqualität. Ein weiterer Vorteil: Die Bremsen. Beim Brompton eher allzu “klassisch” bietet das Birdy serienmäßig die bewährten V-Bremsen, oder auch Wunsch sowie mit Aufpreis auch Scheibenbremsen. Die ziehen immer zuverlässig. Auch bei strömendem Regen.
Nicht bloß die Sattel-(wie beim Brompton) sondern auch die Lenkstange ist in der Höhe verstellbar.
Auch das Zubehör besticht: z.B.der kompakte Birdy-Koffer, indem das gesamte Faltrad platz findet. Zusätzlich kann dieser zum Anhänger umfunktioniert werden, das Fahrrad wird so zur Zug”Maschine” für den Koffer.
Preislich beginnt das Birdy bei 1170 Euro.
Wer das Besondere schätzt, wird zur 14 gängigen Innen-Nabenschaltung Marke “Rohloff” (noch so ein “hidden champion”) tendieren.
Diese allein kostet zwar schlanke 900 Euro Aufpreis, dafür hat sie verglichen mit den üblichen Gangschaltungen kaum Verschleiss, da sie sprichwörtlich in ein Ölbad gebettet ist.
Für technische Feinschmecker eben.
Packtaschen für hinten wie vorne machen das Birdy zu einem vollwertigen Erstrad, welches auch für längere Touren bestens geeignet ist.
Egal ob Birdy oder Brompton. Falträder haben zwei unglaubliche Vorteile.
Sie sind in weniger als einer Minute ein – und wieder ausgefaltet und können so problemlos auch wähernd der Stoßzeiten in U-Bahn oder auch Bim (z.B. wenn es zu regnen beginnt) mitgenommen werden.
Oder: Fährt man an Wochenenden Freunde am Land besuchen, muß man sich weder erkundigen ob der Zur Fahrräder mitnimmt, noch dafür ein extra Ticket lösen.
Oder auch (ich gebs gern zu): wenn der Abend länger wird, und jemand ist mit dem Auto da, das Faltrad passt auch in den kleinsten Kofferraum.
Der zweite damit zusammenhängende Vorteil: Falträder können nicht gestohlen werden. Denn sie sind immer dabei.Bei Besprechungen, im Kaffeehaus, ja auch im Kino oder Theater.
Nach einem Jahr intensivem Gebrauch versteh ich nicht, warum nicht weitaus mehr Menschen diese unglaublich urbane und Freiheiten eröffnende Form der Mobilität nutzen.
Zum Abschluß höre ich jetzt schon die drängende Frage: “Also was jetzt, Birdy oder Brompton?”
Der größte Vorteil beim Brompton: Es ist einfacher und schneller zu falten, sowie im gefalteten Zustand eindeutig kleiner, und passt wirklich unter jeden Schreibtisch, verschwindet in jeder Ecke. Demgegenüber sieht das Birdy im gefalteten Zustand wie nach einem Unfall aus.
Wer also täglich die Kombination Faltrad-Öffis wählt, wird eindeutig zum Brompton tendieren.
Technisch ist das Birdy eindeutig anspruchsvoller, moderner und aufgrund seine Steifigkeit sowie der vielen Gänge (bis zu 24) auch besser für Überlandfahrten geeignet.
Bleibt als Auswahlkriterium die Ästhetik. Hier muß wohl jeder seine eigenen Vorlieben entdecken.
Die Begeisterung wird sich beim Radeln bei beiden einstellen. Garantiert.
(meine Mobilitätskolumne für den falter)

Günther-Gedanken über das Handwerk

Günther ist Pensionist. Er ist gelernter KFZ-Mechaniker, Schlosser und Schmied. Metallbearbeitung und junge Menschen, das war, das ist sein Leben.Fast 30 Jahre hat er in einer HTL in Kärnten Metallfertigkeiten gelehrt.
Jetzt war Günter in Südafrika, in einer Townshipschule. Sechs Wochen lang hat er Schülern Grundfertigkeiten der Metallbearbeitung vermittelt, eine Metallwerkstatt eingerichtet, den Tisch selber gebaut und eine Ahnung jenes Schatzes in diese Schule gebracht, die in unserer heimisichen Bildungsdiskussion viel zuwenig beachtet wird: Handwerk.
Dessen Wert erschliesst sich erst dann, wenn es fehlt. Denn nicht nur in Afrika, sondern in weiten Teilen der Welt, auch in den USA sind selbständige, gut ausgebildete Handwerker Mangelware. Es gibt sie kaum. Man leidet täglich darunter.
Eine These sei hier aufgestellt,sie zu überprüfen, wäre eine lohnende Aufgabe für Ökonomen: Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der zwar erodierenden, aber immer noch soliden handwerklichen Ausbildung in Österreich und Deutschland, und deren hohen Exportquoten. Die Löhne in diesen Ländern sind hoch, trotzdem setzen sie sich am Weltmarkt durch. Selbst jetzt, in der Krise. Denn in disen Ländern gibt es eine Jahrhunderte alte Kultur des Handwerks, der kleinen Betriebe sowie der dualen Ausbildung. Lernen im Betrieb. Lehrling-Geselle-Meister. Davon profitiert auch die Industrie.
Diese Tradition, dieser Schatz ist schon seit längerem bedroht. Handwerk gilt als minderwertig.
Beschleunigt wird diese Erosion durch unser Kaufverhalten. Billige,industriell gefertigte und importierte Möbel aus dem Einrichtungshaus werden handwerklich hergestellten aus der Region vorgezogen. Bei Kleidung ist es ähnlich.
Zu teuer? Bei Autos, man sehe sich nur auf den Strassen um, fahren auch nicht vorwiegend billige Gebrauchtwagen. Warum leistet man sich zwar ein teures Auto, bei Tischen oder Schuhen jedoch kauft man auf billige seelenlose Importware?
Es gibt zum Glück auch eine gegenläufige Tendenz. In Vorarlberg oder der Oststeiermark zum Beispiel.
Die Politik sollte diese Initiativen unterstützen. Steuerlich, aber auch mit neuen Ausbildungswegen. Matura und Lehre wird noch immer viel zu selten angeboten.
“Solides Handwerk” vermittelt auch Ethos. Günther hat sein Unterrichten in Afrika aus seiner eigenen Tasche bezahlt. Es war und ist ihm wichtig. Denn er ist sehr stolz auf seinen Beruf, der eigentlich eine Berufung ist.Wir sollten stolz auf ihn und Seinesgleichen sein.
(meine aktuelle Pressekolumne)