something went wrong, terribly wrong

Gestern hat es mich “aus den Socken gehaut”.
Niemals hätte ich gedacht, daß in der wohlhabenden, friedlichen und weitgehend toleranten Schweiz eine klare Mehrheit für das Minarettverbot stimmt.
Nahezu alle Parteien, Kirchen, Medien waren dagegen.
Klar: Es wäre verfassungswidrig, menschenrechtswidrig (Religionsfreiheit), politisch total vertrottelt (da es die Fundis auf der Seite Nahrung gibt), einen sinnlosen Religionskonflikt schürt, ja und letztlich:
Total gegen die wirtschaftliche Interessen der Schweiz gerichtet ist, da viel Geld aus arabischen Ländern auf schweizer Bankkonten liegt.
Und da die Schweizer jedenfalls eins sind, nämlich geschäftstüchtig, kann dieses Minarettverbot doch nur abgelehnt werden.
Und jetzt das: Hohe Wahlbeteiligung und ein klares JA.
Selten lag ich mit einer Einschätzung so daneben.

Die Auswirkungen dieser Entscheidung in ganz Europa sowie in der arabischen Welt können gar nicht groß genug eingeschätzt werden.

Viele Fragen sind zu diskutieren.
Natürlich auch jene über die Grenzen direkter Demokratie, jedenfalls dort, wo es Minderheitsrechte betrifft.

Heute gehts mir aber v.a. um eins:
Darüber nachzudenken, was wir falsch machen.
Offensichtlich total falsch machen.

Mit “wir” meine ich jenen Menschenschlag, der für ein weitgehend konfliktarmes Mit-und Nebeneinander verschiedener Kulturen eintritt, der Einwanderung als bereichernd und unausweichlich betrachtet, und Xenophobie bekämpft, wo sie nur auftritt.

Offensichtlich gibt es eine tiefsitzende ANGST vor DEM Islam.
Da können wir tausendmal erklären, das es DEN Islam gar nicht gibt, dass dieser ebenso vielschichtig ist, wie andere Religonen, dass viele Islamgläubige auch bei uns für eine Trennung von Kirche und Staat eintreten, überzeugt gegen die Scharia sind, bla, bla, bla…

Das machen wir seit Jahren, und was ist das Ergebnis:
Siehe gestern.

Angst sitzt tief, sehr tief
Angst wovor, müssen wir uns fragen?
Vor Verlust der Identität?
Verlust dessen, was man als “Heimat” versteht?

Wenn rationale Argumente nicht reichen, was dann?
Streiten mit den Ängstlichen?
Empathie?

Jedenfalls: So einfach zur Tagesordnung übergehen wäre grundfalsch.
Gestern waren es “nur” die Minarette.
Morgen kann es alles Mögliche sein.
Apartheid hatte auch lange die Mehrheit unter der weißen Bevölkerung.

“Something went wrong, terribly wrong”
Die Schuld bei den anderen suchen ist immer leicht.
v.a.: Demagogen wird es immer geben.

Was haben “wir” falsch gemacht?
Und deswegen: Was müssen “wir” anders machen?
Heute v.a. Fragen.
Wagt jemand erste Antworten?

#unibrennt und die Demokratie

Datum hat Erhard Busek und mich eingeladen, zu den Studentenprotesten jeweils einen Kommentar zu schreiben.

hier der meinige:

In Umbruchszeiten haben Universitäten immer eine führende Rolle gespielt. Deren Bedeutung, die von Studenten initiierten kulturellen und politischen Umbrüche, wurde oft erst viel später erkannt. Wer hätte im Mai 1968 erahnen können, daß noch fünfzig Jahre später höchst kontroversiell über “die 68er”, und deren tiefgreifende Umwälzungen diskutiert werden würde.
Rückt die Frage, “Was ist eigentlich die Aufgabe, die Rolle der Universität” ins Zentrum der politischen Debatte, dann wird automatisch und unvermeidbar über die Gesellschaft als Ganzes debattiert.
Insofern ist den protestierenden Studenten bereits Wichtiges gelungen: Unis sind leidenschaftlicher öffentlicher Streitpunkt geworden.
Herrlich: Wir werden deswegen z.B. davon verschont, vom “traditionellen polit-journalistischen Komplex” tagelang mit Erörterungen belästigt zu werden, wer denn jetzt gegen Heinz Fischer schon oder auch nicht antritt.
Neben der wichtigen Frage, nein, dem empörten Aufschrei, wie erbärmlich die finanzielle Dotierung, die Wertschätzung für unsere Universitäten aussieht, schiebt sich ein weiteres fundamentales Thema ins Zentrum. Jenes, nach dem Zustand und den Möglichkeiten der Demokratie in Österreich.
Eins fällt bei den Studenten sofort auf: Ihre Ablehnung gegen alles, was nach Institutionen, Parteien, ja grundsätzlch Vertretungskörpern aussieht.
Statt dessen, ihr gelebter Slogan: “Wir machen es selbst”.
Und hier beginnen sich die Geister der Öffentlichkeit zu scheiden. Denn Menschen, welche noch nie ein Werkzeug der digitalen sozialen Medien, ob facebook, twitter oä genutzt haben, muß deren Organisations- und Kommunikationsstil völlig unverständlich sein.
Hier gibt es weder Redaktionsschluß, noch können “die anderen” von der Kommunikation ausgeschlossen werden. “Zurückreden” , sowie eigene Ideen und Initiativen einbringen, völlige Transparenz einfordern, und sich in Sekundenschnelle über das Wesentliche informieren, das ist jetzt plötzlich Prinzip. Jeder, der dabei sein will, ist sofort mittendrin. Weil es keine zentral steuernde Mitte gibt.
Das kann man nicht erklären, da muß man dabeisein, um dieses gewaltige Potential zu erahnen.
Eigentlich lautet die implizite Botschaft der Studenten, lautstark und kraftvoll vorgetragen und vorgelebt: “Wir brauchen Eure verknöcherte, lahme, klüngelzentrierte repräsentative Demokratie nicht mehr! Denn wir haben kaum etwas von ihr, aber auch sonst bringt sie kaum etwas zustande.”
Sie haben recht: Unsere Demokratie liegt auf der Intensivstation. Man frage irgendwen im “traditionellen polit-journalistischen Komplex”: “Glaubst Du, diese Demokratie mit dieses Akteuren kann die überall geforderte Bildungsreform, eine notwendige Umgestaltung unseres Gesundheitswesens, ein wirksames Klimaschutzprogramm oder eine wirkliche Erneuerung des ORF ausarbeiten?” wird ein zynisches Lächeln sowie ein klares “Nein” erhalten.
Das Establishment hat sich selbst längst aufgegeben.
Die Studenten sind vom Gift des Zynismus noch nicht angesteckt.
Aber anstatt “das System” bloß zu kritisieren, schaffen sie sich höchst effizient und in kürzester Zeit ein eigenes.
Und sie agieren transnational. Der Protest ist längst auf dutzende deutsche Universitäten übergesprungen, interaktive Karten (z.B. am wunderbaren blog von Tom Schaffer ) werden stündlich aktualisiert, und es wird gelernt.
Daß Denken vom Handeln nicht zu trennen ist, dass erst neue Wirklichkeiten neue Gedanken ermöglichen, das erproben tausende jeden Tag im Audimax verschiedenster Hochschulen.
Wenn sich kopfschüttelnd nicht nur ältere Semester darüber alterieren, dass zu viel gefeiert wird, dann zeigen sie damit nur, dass sie nichts kapiert haben.
Jede Kultur hat auch ihre Feste, ihre Musik und Filme, das Laute und Wilde.
Sonst wäre es blutleer.
Auf den europäischen Unis werden derzeit die Grundlagen einer neuen Demokratie gelegt.
Denn die alte ist müde und ausgelaugt, sie hat immer weniger Anhänger, löst kaum mehr Probleme, ist mehr erstarrtes Ritual als lebendige Auseinandersetzung.
“Postdemokratie” nannte es vor Jahren Colin Crouch, und verwies v.a. auf die Entwicklung in Italien unter Berlusconi, wo sich hinter einer scheindemokratische Fassade, dank perfekter “Belustigung” durch gesteuerte Medien, die ökonomisch Mächtigen ihre alten Strippen ziehen.
Es fällt nicht schwer, sich diesen beängstigenden Prozeß auch in Österreich vorzustellen.
Und dann, ganz plötzlich, scheinbar aus dem Nichts, geht ausgerechnet von Wien diese internationale Demokratiebewegung aus.
Während “old politics” sündteure Spindoktoren dingt, um irgendwelche Botschaften via “old media” unters Volk zu bringen versucht, bzw Millionen an Steuergelden ausgibt, um Inseratenseiten zu buchen, damit “wohlwollende” Berichterstattung abfällt, entwickeln die Studenten ein unglaublich feines Gespür, wie man Öffentlichkeit herstellt.
Überall sonst auf der Welt hätten sie eine große Bank, ein Ministerium oder eine Zeitungsredaktion besetzt.
Und in Wien? Das Burgtheater! Da klatscht und buht das Publikum, hier ist die wirklich große Bühne. Das hatte schon weiland Peymann gewußt.Am Tag danach waren alle Medien voll damit. Und es wäre nicht Wien, wo man jemanden kennt, der jemanden kennt, und so hatten die Studenten, wozu auch unnötiger Wick´l, den publikumswirksamen Auftritt mit den Hausherren der Burg abgesprochen.
So macht man das.
Aber wie weiter?
Wenn dieser (einmal noch!) “traditionell polit-journalistische Komplex” noch einen Funken Verstand hat, dann nutzt er die Chance, die ihm die Studenten geben.
Er greift die Frage auf, welche die Studenten so nachdrücklich stellen: Hinter der Forderung “Bildung statt Ausbildung!” muß endlich grundsätzlich die Aufgabe, Rolle und Finanzierung (in dieser Reihenfolge) öffentlich und breit diskutiert werden.
Eine parlamentarische Enquetekommission, die dies ein Jahr lang unter Einbeziehung der Studierenden sowie Angehörigen des Hochschulwesens diskutiert, und dann auch zu konkreten Ergebnissen kommt, könnte ein Weg sein.
Am Ende käme man wahrscheinlich drauf, daß es einen Unterschied zwischen Fachhochschulen und Universitäten gibt, der anders ist als derzeit, wo man sich auf der FH bewirbt und nur dann, wenn man nicht genommen wird, auf die Uni geht.
Und man wird sogar einen Konsens darüber erzielen können, deutlich mehr Mittel in die “Infrastruktur” Universität, statt in weitere Straßentunnel zu stecken, die ebenso “deutsche” Touristen benutzen.
Schließlich werden viele Wege neu zu gehen, Demokratie neu zu erfinden, zu erproben sein.
Daß es anders geht, zeigt sich grad an unseren Universitäten.
Denn derzeit haben wir uns weit davon entfernt zu empfinden, daß Demokratie so verstanden wird: ”… that government of the people, by the people, for the people, shall not perish from the earth”.

Ein aussergewöhnliches Interview

Er ist ein ganz ganz Großer, der über gelungene Erziehung nicht nur spricht, sondern sie vorzeigt.
Über Tanz!
Sein Projekt “rythm is it” gehört zum Besten, was je als Film auf die Leinwand gebracht wurde.

In der Sonntagsausgabe der Presse
war nachfolgendes Interview zu lesen.
Dieses sei hier vollständig wiedergegeben, und allen wärmstens ans Herz gelegt, die sich für Erziehung & Bildung interessieren.

Ohne Disziplin überlebt man nicht

Royston Maldoom ist Choreograf. Seit er 250 Berliner Jugendliche zum Tanzen gebracht hat, ist er auch Erziehungsexperte. Denn sein System hat sie Disziplin gelehrt und ihren Selbstwert gesteigert.
von Doris Kraus

Sie waren an einem ganz berühmten Projekt beteiligt: an der Aufführung von Igor Strawinskis Ballett “Le sacre du printemps” mit Sir Simon Rattle und 250 Berliner Kindern und Jugendlichen. Zu diesem Projekt gab es auch einen preisgekrönten Dokumentarfilm, “Rhythm is it”. In diesem Film sagen Sie einmal: “Ihr könnt euer Leben in einer Tanzstunde ändern.” Ist das geschehen?

Royston Maldoom: Was ich versucht habe, den Jugendlichen zu sagen, war: “Nicht nur in einer Tanzstunde, sondern in jedem Augenblick, in dem ihr an euch glaubt, könnt ihr euer Leben ändern.” Das gilt nicht nur fürs Tanzen. Ich wollte ihnen sagen: “Seid wachsam, genau in dieser Tanzstunde könnte es auch für euch den einen Augenblick der Transformation geben.”

Und ich kenne einige, für die sich anschließend sehr viel geändert hat. Der eine hatte plötzlich das Selbstvertrauen zu studieren; ein anderer, der davor schrecklich unter seiner Schüchternheit gelitten hatte, konnte Beziehungen zu anderen Menschen eingehen. Ein junges Mädchen schaffte es, von zu Hause wegzugehen, Kinder zu bekommen – und sich mit ihren Eltern auszusöhnen. Andere junge Leute sind beim Tanz geblieben.

Brauchen junge Menschen heute mehr Ermutigung? Sie haben zwar mehr Möglichkeiten denn je, scheinen aber gleichzeitig auch viel verunsicherter und planloser.

Junge Leute verlassen sich heutzutage immer mehr auf externe Stimuli. Sie haben keine Zeit für sich selbst, um sich mit ihrer inneren Landschaft zu beschäftigen und zu erkennen, wer sie eigentlich sind: emotional, spirituell, physisch. Die Fähigkeit, sich auf sich selbst zu konzentrieren, ohne 24 Stunden am Tag Außenreize zu erleben, geht zunehmend verloren. Die vielen Vorteile moderner Kommunikationstechnologien haben einen Nachteil: Sie haben junge Menschen von ihrem inneren Kern entfernt. Die haben sehr wenig Zeit, still zu sein, sehr wenig Zeit, gelangweilt zu sein, und sehr wenig Zeit, über ihre Erfahrungen nachzudenken. Das wird vor allem im urbanen Umfeld immer schlimmer. Dazu kommt, dass das persönliche Image zunehmend vom Besitz bestimmt wird. Das versuche ich umzudrehen: “Was wirklich zählt, ist, wer ihr seid. Ihr habt die Wahl, was ihr wollt und was nicht. Werdet kein passives Konsumopfer!”

Sie betonen immer die Bedeutung von “Fokus”. Viele haben das als “Disziplin” übersetzt – und als solches hat es auch für einige Aufregung gesorgt. Was genau ist “Fokus”? Konzentration? Selbstdisziplin?

Es ist Fokus in dem Sinn, wie man eine Kamera auf ein bestimmtes Bild richtet. Diese Kamera ist nur auf sich selbst und nur auf diesen einen Moment konzentriert, in dem man sich gerade befindet. Das ist echte Disziplin. Viele Leute haben sich über diesen Begriff sehr aufgeregt. Lehrer, Eltern oder Beobachter finden das teilweise richtig besorgniserregend.

Und was haben die jungen Leute gesagt?

Die haben gesagt: “Aber nein, so ist Royston eben, besonders wenn er in Fahrt kommt.” Die jungen Menschen selbst bleiben da gelassen – vor allem, wenn sie sich an mich gewöhnt haben. Nach der Filmpremiere in Berlin wurden Jugendliche gefragt: “Was ist der Unterschied zwischen der Schule und der Arbeit mit Royston?” Da sagten sie: “In der Schule dient Disziplin der Bestrafung; Royston aber bringt uns damit dazu, Dinge für uns selbst zu tun.” Bei mir gibt es nicht einfach Disziplin um der Disziplin willen. Ich erkläre hundert Mal, was ich will und warum, bis sich die Kinder diese Einstellung zu eigen machen. Und dann wird Disziplin zur Selbstdisziplin.

Von dieser “guten Disziplin” gibt es aber nicht genug, weil sie offenbar ziemlich zeitaufwendig und anstrengend ist.

Ich finde, dass wir es uns in der Erziehung und im Bildungssystem oft zu leicht machen. Wir erfinden Entschuldigungen und ermutigen die Kinder nicht, diese Idee der Disziplin zu verstehen. Also gehen sie von der Schule ab, finden einen Job – und sind ihn eine Woche später wieder los. Weil sie in der Früh nicht aufstehen oder sich nicht an Regeln halten können. Disziplin ist kein Angriff auf die Individualität, es ist eine Fähigkeit, ohne die man nicht überlebt.

Dennoch ist der Mangel an “Disziplin” zum Angelpunkt der gesamten Erziehungsdebatte in Deutschland und Österreich geworden. Viele Leute denken wie Sie, dass es an Disziplin mangelt.

Was fehlt, sind Regeln. Junge Leute treiben einfach so dahin. Die Familie funktioniert nicht mehr so wie früher; Burschen, vor allem mit Migrationshintergrund, haben keine Vorbilder. Wer keine Regeln hat, kann sich ja nicht einmal dafür entscheiden, sie zu brechen. Das gehört aber zum Erwachsenwerden dazu. Kinder wollen diese Regeln und Grenzen. Und wenn sie sie einmal verstanden haben, lieben sie sie richtiggehend.

Sollte es mehr Disziplin in Schulen geben?

Oh, das kann man so schwer sagen. Es kommt doch immer drauf an, wer sie ausübt, wie und warum. Disziplin sollte nichts mit Kontrolle zu tun haben. Sonst landen wir schnell wieder bei Zeiten, in denen die Kinder auf ihren Händen sitzen müssen. Die Disziplin, die ich will, ist die, bei der der Sinn vom Kind verstanden wird. Damit wandelt sie sich in Selbstdisziplin und hilft den Kindern, ihr Leben selbst zu kontrollieren. Als Erwachsener hat man aber die Pflicht, diese Art der Disziplin zu lehren. Man muss es erklären, immer und immer wieder. Und die Kinder akzeptieren es letzten Endes. Sie sagen oft: “Royston ist der erste Mensch, der mich ernst nimmt.” Und deshalb machen sie bei meiner Form der Disziplin mit: weil sie erkennen, dass das ein Ausdruck meines Glaubens an sie und ihre Fähigkeiten ist.

Sie reden auch viel über den Selbstwert der Jugendlichen. Dafür ist die Disziplin ja wohl auch essenziell?

Jawohl. Genauso wie die Fähigkeit, Risiken einzugehen. Deshalb wähle ich für meine Tanzprojekte auch immer Musik aus, die die Kinder überhaupt nicht kennen: Tanzschritte, die ihnen nichts sagen; Themen, mit denen sie sich wahrscheinlich nie beschäftigt haben. Ich will ihnen damit sagen: “Ihr könnt ein Risiko eingehen. Ihr könnt das. Ihr könnt alles, was ihr wirklich wollt. Vielleicht gefällt es euch am Schluss nicht, aber ihr wisst immerhin: Dennoch kann ich das.” Ich kann diese herablassende Art nicht leiden, mit denen oft mit Kindern, und auch noch mit Jugendlichen, umgegangen wird. Wir grenzen sie oft ein mit unseren beschränkten Erwartungen. Wenn wir aber die Latte hochlegen, werden sie dem auch entsprechen.

Sehen Sie eine Krise im Selbstbewusstsein der heutigen Jugendlichen?

Ja, vor allem im Zusammenhang mit Migration und Integration. Traditionelle Werte gehen verloren, was sowohl gut als auch schlecht ist. Es gibt heute zwar sicher keine Probleme, die wir nicht vor 50 Jahren auch schon in der einen oder anderen Form hatten. Aber sie sind verschärft. Und wir haben nicht die Schulen und Institutionen, die sie lösen könnten.

politische Prostitution

anders kann ich es nicht bezeichnen.
Kurzfassung des Stücks:
(Langfassung hier)
ORF wünscht sich mehr Geld (Gebührenrefundierung)
VP dagegen.
Also folgt Geld gegen Person.
Erwin Pröll wünscht sich Grasl.
Dessen Qualifikation: Journalist im legendären Landesstudio NÖ
Jetzt wird er Finanzdirektor(!) des ORF.
Mit Sprungbrett auf den Chefsessel.
Dafür stimmt VP plötzlich 160 Mio zu.
So läufts in Österreich.
Und ich will und werde mich weiter dafür einsetzen, dass wir uns an derart skandalöse Vorgänge nicht gewöhnen.

PS:
Alle Universitäten zusammen erhalten 34 Mio
damit ein Pröllmann Chef werden darf, gibts ratzfatz 160.
ORF Zentrale besetzen?

Resume & ein Lob der Unbescheidenheit

Am Sonntag bei der Landesversammlung wurde ich von meinen Grünen überrascht, ja überrumpelt.
Damit hatte ich nie gerechnet.
Bei meinem ersten Antreten im ersten Wahlgang gegen rund 20 Mitstreiter/innen die meisten (!) Stimmen zu bekommen, damit hatte ich nie und nimmer gerechnet.
Ein tief empfundenes großes DANKESCHÖN an die sehr vielen Grünen, die mich gewählt haben.
In meiner Rede habe ich ein Lob auf die Unbescheidenheit gesungen.
Ich fand im Vorfeld das Buch”Die 10 Gebote eines Schriftstellers” von Stephen Vizinczey, mir gefiel sein 5. Gebot und ich mußte nur das Wort Schriftsteller gegen Politiker tauschen:
Du sollst nicht bescheiden sein
“Bescheidenheit ist eine Ausrede für Nachlässigkeit, Faulheit und Selbstmitleid.
Bescheidener Ehrgeiz bewirkt bescheidene Anstrengungen. Ich habe keinen guten Politiker erlebt, der nicht versucht hätte, ein großer Politiker zu sein.”

Also war ich auch in meiner Rede völlig unbescheiden, beschrieb, nein pries meine vielen Projekte an, und versuchte meine Lust in Worte zu kleiden, noch sehr viele grüne Spuren in Wien hinterlassen zu wollen.
Mein Schlußsatz lautete:
“Zahme Vögel singen von der Freiheit
Wilde Vögel fliegen”

Wirt haben dann in einem spannenden, aber auch disziplinierten Prozeß ein sehr gutes Team gewählt. (Klar wünscht sich jede/r irgendetwas bisschen anders, aber wir Grüne sind inzwischen so groß und vielfältig, daß völlige Zufriedenheit geradezu beängstigend wäre).
Auf den ersten 16 Plätzen (soviele haben wir derzeit im Rathaus) finden sich 10 “alte Hasen” und sechs Neueinsteiger/innen.
Eine sehr gute Mischung aus Erfahrung und Erneuerung.
Neben ca 470 Parteimitgliedern wählten auch rund 120 “Unterstützerinnen” .
Deren Reaktion war durchwegs positiv, sie waren angetan von diesem offenen Prozeß der Demokratie, und haben sich, so jedenfalls die Vorwählerin Susanne Zöhrer,(die stundenlang live gebloggt hat, danke!!) die Grünen “vertraut gemacht”.

So möchte ich hier nur ein ganz kurzes Resume der Grünen Vorwahlen ziehen.
Wie so vieles in der Politik gab es dabei großes Auf und Ab.
Sie haben bei uns Grünen eine wichtige, heftige und auch kontroverse Diskussion angestoßen, wie wir uns öffnen und verbreitern könnten und sollten.
Daran müssen wir weiterarbeiten, wenn wir, ganz unbescheiden weiter wachsen möchten
Und jetzt, wo eine so wichtige Wahl im Oktober nächsten Jahres bevorsteht, sollten wir einen mutigen Schritt auch auf die abgelehnten Vorwähler/innen zugehen. Ich durfte einige davon kennenlernen und weiß: Wir können ihre Unterstützung, ihr Engagement und ihre Expertise sehr gut brauchen.

Lesenswert sind u.a. auch diese zwei Nachbetrachtungen ( 1, 2)

Landesversammlung-bin sehr gespannt

sitze im Austriacenter.
Wir wählen in aller Transparenz und Öffentlichkeit unsere Gemeinderatsliste für 2010.
Werde, da ich selbst zur Wahl stehe, nicht selber berichten.

Schnelle infos, quasi in Echtzeit gibts über die twitterwall.
Auch für jene, die keine Ahnung von twitter haben (wollen)!!
(also gleich eine kleine Einführung, wie praktisch das ist):
einfach hier anklicken:
http://twitter.com/#search?q=%23grueneLV

Empfehle auch die “Grüne Vorwählerin” Susanne Zoehrer, die hinter mir sitzt und bloggt:

http://thesandworm.wordpress.com

Algen, die total unterschätzte Energiequelle

Ja, ich glaube auch, dass “peak oil” bald kommt, oder gar bereits überschritten ist.
Siehe auch dieser sehr interessante Artikel.
Im Unterschied zu vielen, die dadurch eine weltweite Verknappung der Energieversorgung und daraus resultierende Mega-Wirtschaftskrise vorhersehen, ist meine (umstrittene) These:
Es gibt genug erneuerbare Energieträger.
Neben der direkten Sonnenenergienutzung (ob durch PV oder thermische Kraftwerke) und die boomende Windenergie wird völlig zuunrecht kaum über Algen gesprochen.
Schon eine kleine “Serviettenrechnung” zeigt, wie groß deren Potential sein könnte.
Dem hab ich meinen Vortrag bei VET gewidmet:

feedback (v.a. inhaltlich) sehr erwünscht (ja,das nächste Mal gibts auch bessere Beleuchtung)

14 min mustsee!

Für alle, die sich für Energie-und Ressourcenpolitik interessieren, die wissen wollen, wie sich der Ölpreis in den nächsten Jahren entwickeln könnte, seien diese ca 14 Minuten (auf 2 Teile) von Michael Cerveny, bei unserer ersten VET (Vienna Energy talks) nachdrücklich ans Herz gelegt.

edit:
Michael Cerveny bezieht sich hier auf einen früheren Vortrag:
Steuern wir auf eine Energiekrise zu.