VET: die bisschen andere Energiekonferenz

Am kommenden Sonntag probieren wir, ein paar “Freunde der Energiewende”etwas Neues aus.
Weil man sich grosse Ziele setzen muss: von TED zu VET.
Die TED-Vorträge kann ich nur jedem empfehlen.
Hier wird gezeigt, wie man hochinteressante Themen mit meist aussergewöhnlicher Rhetorik präsentieren kann.
Das wichtigste: Alle sind via Internet zu “konsumieren”.
Wir fangen jetzt ganz klein an.
VET steht für Vienna Energy Talks.
Energieexperten (vorerst eine kleine Gruppe) treffen sich am kommenden Sonntag; mit dem Ziel, jeweils max 10 minütige Vorträge zu selbstgewählten möglichst interessanten Energiethemen zu halten.
Wir haben eine Videokamera dabei, werden alles aufnehmen und dann auf youtube anbieten.
Auf dem VET Wiki steht, wer kommt, und worüber referiert wird.
Und wer Interesse hat, kommt einfach vorbei, und kann sich dieses Experiment life anschaun.
Sonntag 1. Nov17.00 in der walz
Wenn`s funktioniert, möchten wir das unbedingt ausbauen.
Auch Ideen&Vorschläge sind erwünscht.

Arbeiten Sie noch?

Zur aktuellen “Pensionsdebatte” meine heutige Presse-Kolumne:

Frühpension, also ohne Aufgabe zu sein, ist kein Privileg – im Gegenteil.

Hannes Androsch wurde jüngst gefragt, warum er in seinem Alter – er ist über 70 – und seinem Einkommen – er ist jedenfalls Millionär – noch immer arbeite. „Ich arbeite nicht, ich bin tätig“, war die bedenkenswerte Antwort. Es ist an der Zeit, die Pensionsdebatte endlich aus ihrer Begrenztheit herauszuführen.

Ist es wirklich eine soziale Errungenschaft, Menschen zwischen 50 und 60 so lange zu mobben, bis sie gegen ihren Willen, weiter „tätig sein“ zu wollen, in die Pension geschickt werden? Heute erwartet diese Menschen – statistisch – noch rund drei Jahrzehnte gesundes Leben, und unsere Gesellschaft signalisiert ihnen: „Wir brauchen dich nicht mehr, schleich dich aufs Altenteil.“

Im völligen Gegensatz zur öffentlich verbreiteten Meinung, Frühpension sei ein Privileg, verspüren sehr viele, dass genau das Gegenteil stimmt. Der Mensch ist ein schöpferisches Wesen, möchte wirken, gestalten, etwas mit anderen tun. Ohne Aufgabe zu sein ist das Gegenteil eines Privilegs. Das tatsächliche Pensionsantrittsalter liegt für Männer in Österreich bei 59 Jahren; und es sinkt weiter, im Gegensatz zu fast allen anderen OECD-Ländern.

Wohin die „Hackler-Debatte“ endlich führen müsste: Warum sind in unserem Land so viele Berufe so unattraktiv, die Arbeitsbedingungen so fremdbestimmt, dass die Flucht daraus so erstrebenswert ist? Obwohl wir, als Gesellschaft, materiell ziemlich reich geworden sind, wurde offensichtlich total verabsäumt, die vielfältigen Ausgestaltungen von „Arbeit“ zu entwickeln. Länger als bis 59 zu arbeiten, länger „tätig zu sein“ darf doch nicht als Bedrohung empfunden werden. Was wäre das für eine entsetzliche Gesellschaft? Das, was das Zentrum des Lebens oder doch zumindest ein ganz wesentlicher Teil davon ist, das, was man tut, schafft, gestaltet, wäre bloß eine Belastung, aus der man so früh wie möglich entfliehen will?

Zugespitzt gefragt: Verstößt der ORF, der dieser Tage hoch qualifizierte Journalisten in die Pension schickt, von denen manche erst in der Mitte ihrer 50er sind, alle jedenfalls weit unter dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter, nicht fundamental gegen den Artikel 23 der Menschenrechte, jenem über das Recht auf Arbeit? In diesem Artikel 23 steht auch das „Recht auf befriedigende Arbeitsbedingungen“. Hannah Arendt hat bereits in den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts eines ihrer bahnbrechenden Werke verfasst: „Vita activa oder vom tätigen Leben“. Die Herren Khol und Blecha sollten es einmal durchblättern.

social media ein “Massenmedium”?

Armin Thurnher hat gewagt, sich kritisch über “das Internet” zu äussern, von der Netzcommunity als Hetzkommunity zu sprechen, und vom “Blöken” in den Blogs zu schreiben.
Vielfache Kritik schlug ihm in digitalen Medien (siehe dazu Helges Beitrag samt der dort dokumentierten Beiträge) entgegen, und im aktuellen falter wurden einige, darunter auch ich, gebeten, zum Thema social media und seine gesellschaftlichen Folgen zu schreiben.
Hier mein (verlängerter) Beitrag:

Freie Medien sind die Grundvoraussetzung der Demokratie, das Internet hat einen revolutionären Umbruch eingeleitet.

Ich will diesen an mir selbst beschreiben. Ich betreibe seit mehr als vier Jahren ein Blog, „bin“ bei Facebook und twittere. Ich kann mich ohne Umweg über Journalisten direkt an jene wachsende Zahl von Menschen wenden, die auf diesen Onlineplattformen aktiv sind. Sie schreiben zurück, ich lerne enorm viel von ihnen, bekomme Tipps und Kritik. Keine Frage, ich profitiere in höchstem Maße am Web, und verstehe nicht, warum nicht deutlich mehr Politiker/innen dieses direkte mittel des „digitalen Gesprächs“ nutzen.

Gleichzeitig stellen sich mir doch eine Reihe von Fragen:

Erstens: Wird „das Internet“ als Massenmedium nicht total überschätzt? Oder anders gefragt: Warum verstecken alle Medien ihre Zugriffszahlen hinter Verschleierungen? Die ÖWA (österreichische Webanalyse) misst akribisch genau, wie oft Webseiten besucht werden, listet die Ergebnisse aber in völlig irrelevanten Zahlen auf. Da wird zum Beispiel von zigmillionen “Unique Clients” pro Monat gesprochen. Ich alleine bin da schon drei davon: Laptop, PC und iPhone sind je ein Client?

Wenn man so wie bei “richtigen” Medien rechnet, nämlich Tagesreichweite bei Einzelmenschen, dann zeichnet sich ein anderes Bild ab. ORF.at, der mediale Platzhirschen Nummer 1, kommt gerade einmal auf 0,2 bis maximal 0,3 Millionen Menschen pro Tag, beim Online-Standard sind es laut Google Adplanner weit weniger als die Hälfte davon. Auf Angebote wie Wolfgang Fellners OE24.at verirren sich nur noch ein paar Zehntausend Menschen pro Tag. Sind das Massenmedien? Zum Vergleich: Die ORF-Sendung „Bundesland heute“ sehen täglich 1,2 Millionen. Nicht verteilt auf 24 Stunden, sondern gleichzeitig.

Zweitens: Natürlich ist Facebook ein Massenphänomen, aber ist es auch ein Massenmedium? Eines, das Öffentlichkeit schafft? Ich beobachte mich selbst: wer sind „meine Freunde“ auf Facebook? Wem „folge“ ich auf Twitter? Meinen Online-Bekanntenkreis verbindet ein ähnliches Milieu, ähnliche Interessen. Was passiert, wenn eher Gleichgesinnte miteinander sprechen? Der bulgarische Politikwissenschafter Ivan Krastev hat es jüngst auf den Punkt gebracht: Homogene Gruppen tendieren dazu, ihre Vorstellungen zu radikalisieren, weil das Abschleifen „am anderen“ nicht mehr passiert.

Öffentlichkeit dient dazu gemeinsame Regeln in der Stadt und im Staat zu schaffen, sich als Gesellschaft wahrzunehmen. Das funktioniert aber nur, wenn wir gemeinsam über etwas sprechen, das irgendwie alle, oder zumindest sehr viele angeht. Schaffen das Facebook und Twitter?

Oder – und das ist meine dritte Frage – leisten sie nicht vielmehr einem neuen Tribalismus Vorschub? Unser Staat baut auf einem gemeinsamem Verständnis von Demokratie auf. Dafür braucht es auch Massenmedien, die unser Interesse auf Gemeinsames lenken. Wenn Twitter und Facebook zu einer Fragmentierung führen, was wird diese in der Gesellschaft bewirken?

Jüngst meinte die Jugendforscherin Beate Großegger im Falter: „Im Interview mit einer 18-Jährigen hatte ich ein Aha-Erlebnis. Wir sprachen über Gesellschaftspolitik, und sie wusste nicht so recht, worauf ich hinaus will. Ich fragte: ‘Was verstehst du unter Gesellschaft?’ Sie meinte: ‘Na ja, meine Familie, meine Freunde, das ist meine Gesellschaft-‘

Jetzt zwickt der Platz. Es gäbe noch weiteres Wichtiges, auch zur Ökonomie, zu hinterfragen. Auf meinem Blog geht’s weiter. Bitte kurz umschalten: chorherr.twoday.net

soweit im falter. jetzt bitte weiterlesen

Zwei weitere mir wichtige Themenkomplexe:
Da ist einmal die Ökonomie. Wiederum zugespitzt:
Jene Zeitungen, die sich auf ihr Kerngeschäft, die qualitätsvolle Gestaltung eines Massenmediums konzentriert haben, können, entgegen anderslautenden Anschauungen sogar deutlich Reichweite gewinnen sowie profitabel wirtschaften.
Die deutsche Wochnzeitung „die Zeit“ (deren Webauftritt ist bescheiden und kaum besucht) ist ebenso ein Beispiel wie der Wiener „Falter“.
Zeitungen, die irrigerweise glaubten, ihre primäre Aufgabe v.a. im Netz suchen zu müssen (wo klassisch massenmediale Verbreitung die Ausnahme und nicht die Regel ist) und dazu auch Unsummen an Geld verbraten haben, die stecken heute in Schwierigkeiten.
Ein Beispiel: Die New York Times. Allein für den Ankauf des läppschen Portals about.com wurden rund 500 Mio Dollar investiert. Die fehlen heute. Oder andersherum: Wie könnte heute das Blatt aussehen, wären sie ins Kerngeschäft geflossen?
Weiteres Beispiel, der economist; Ich halte ihn für eine der besten (wenn nicht „die“ beste) Wirtschaftszeitung der Welt.
Dieser Tage wurde ein mail an alle Abonnenten versandt, mit der Botschaft, dass man demnächst den „freien Onlinezugang” bloss denen anbiete, die (ein Abo) bezahlen.
Ist das nicht verständlich? Wie soll langfristig eine teure Redaktion, Korrespondenten, v.a. auch Zeit für sorgfältige Journalisten bezahlt werden, wenn das Ergebnis gratis im Netz zu konsumieren ist.
Das kann kein Geschäftsmodell sein.
(Ich hab viel economist gelesen, ihn mir kaum gekauft. Ebensowenig wie die New York Times, die Sueddeutsche oder andere Qualitäts“blätter“.Ich konsumiere sie gratis im Netz.
Demnächst, wenn der economist online nicht mehr verfügbar ist, werd ich wieder ein Abo bestellen.)
Das Ergebnis des wirtschaftlichen Abstiegs von Zeitungen kann uns nicht egal sein.Ihre Qualität sank und wird weiter sinken, wenn ihre Erlöse zurückgehen.
Also ewig Papier?
Nein und Ja.
Ähnlich wie Steve Jobs und die Musikindustrie wird es bald kundenfreundliche kostenpflichtige digitale Angebote geben.
Mit dem „Kindle“ oder ähnlichen Endgeräten, die weitaus lesefreundlicher als ein flimmernder Computerscreen sind, gibt es auch schon die Richtung.
Aber Print wird bleiben, wie es heute noch und wieder Vinylplatten gibt, trotz Fernsehn und DVD noch immer das Kino, ja sogar noch das Theater gibt.
Print wird mehr ein „Kunstprodulkt“ werden, und sich auch entsprechend umpositionieren müssen.
Einfach zu verlangen, „schenkt`s alles her“ ist sicher keine Basis.
Mein letzter „kritischer“ Punkt zu „social media“.
Man muß nicht paranoid sein, um sich vorzustellen, was heute alles über Individuen gespeichert wird. Nicht weil sie überwacht werden, sondern weil , meist völlig unkritisch nahezu alles freiwillig ins Netz gestellt wird. Hobbies und Vorlieben, Intimstes und Berufliches, Aufenthaltsorte zu fast jeder Zeit, nichts wird nicht berichtet.
George Orwell würde vor Entsetzen umfallen, wenn er wüßte, was an lückenlosester Überwachung heute möglich ist, weil freiwillig alles preisgegeben wird.
Gerald Reischl ist kein Maschinenstürmer, im Gegenteil, er ist Experte für digitale Medien, schreibt für den Kurier und hat die Googlefalle geschrieben. Es ist unbeschreiblich, was dieser Konzern über uns alles weiss.
Und wehe, wenn sie losgelassen.
Und abschliesend nur zum Nachdenken: Unsere Privatheit, die eben nicht alle angeht, mit der wir nicht alle belästigen müssen, auch die ist längst abgeschafft.Das liegt auch im Wesen dessen, was web 2.0 letztlich ist.

Wir stehen am Anfang einer Revolution unserer Kommunikation.
Ich muß mich wiederholen. Ich erlebe social media für meinen Beruf, für meine Interessen als enorm bereichernd. Web 2.0 hat mein Leben auf vielfache Weise verändert, bereichert, mir Ideen und Menschen nähergebracht, mich in Gespräche verwickelt, die ich nur lobpreisen kann.
Aber es wäre töricht, sie nur aus meiner Sicht zu betrachten.
Eine fundierte, kontroverse Debatte, wie diese Medien unser Leben, unsere Demokratie, unsere Freizeit, unsere Art miteinander zu verkehren verändert muß geführt werden.
freu mich darauf

Pensionisten als 5.Sozialpartner? Gründe für mein NEIN

Die koalitionären Pensionistenvertreter Khol und Blecha wollen vieles für ihre Klientel.
V.a. sie als 5 Sozialpartner etablieren.
Das hat mich ziemlich aufgeregt, und ich hab auf mich twittermäßig auf 140 Zeichen darüber alteriert.
Zu meinem großen Erstaunen haben einige zurückgezwitschert sinngemäß mit der Botschaft:No hallo, ist doch ganz OK diese Forderung, wollen halt auch mitreden, die Pensionietn, wie es denn um mein Demokratieverständnis bestellt sei.

Gut, auf 140 Zeichen kann man schlecht argumentieren, dafür gibts einen blog.

Deswegen halte ich es für absurd und schädlich, “die Pensionisten” zum 5. Sozialpartner zu befördern:

1.) Interessen junger Menschen werden immer mehr vernachlässigt.
Klar: denn bereits 50% aller Wahlberechtigten ist 50 plus.
2.)Bildung wird politisch vernachlässigt, Jungendliche werden immer stärker in präkere Beschäftigungsverhältnisse abgedrängt, weitgehend ohne soziale Absicherung, und oft zu “Hungerlöhnen”.
Da es sich um geburtenschwache Jahrgänge handelt, sind diese Fragen für SP/VP, die stark bei Pensionisten punkten, und extrem starke Pensionistenvereinigungen haben kaum ein Thema. Auch nicht für die Sozialpartner, weil diese ja jene vertreten, die “drinnen” sind im System.Sozialpartner verteidigen auch I deren Privilegien, zulasten derer die “draussen” sind. Gutes Beispiel: Journalisten mit KV versus junger als “freier” Mitarbeiter.
3.) Wozu sind Sozialpartner da/entstanden? es sind die Beteiligten des Produktionsprozesses, und sollen Konflikte lösen (Lohn, Arbeitszeit etc.), die unmittelbar in diesem Prozeß entstehen.
Tatsächlich leisten sie der Entdemokratisierung Vorschub, indem sie Entscheidungen arrogieren (Energie/Umwelt/allgem. Steuerfragen) die eigentlich ins Parlament (DAS ist die Vertretung “des Volkes”) gehören. Übrigens: Vollsvertreter sind gewählt. Sozialpartner wenn, dann nur sehr mittelbar.
4.)Schon jetzt werden über immense Staatsschulden die heute Jungen über Gebühr belastet. Denn sie werden zurückzuzahlen haben, was heute ausgegeben wird. Z.B. steigende Zuschüsse zu heutigen Pensionen. Denn: das tatsächliche Pensionsantrittsalter liegt bei 59 (bei Männern,58 bei Frauen) obwohl die Lebenserwartung steigt und steigt (was für sich genommen ja wunderbar ist).
Diese laufend steigenden Pensionsausgaben auch des Staates finanzieren heute schon die Jungen, obwohl sie wissen, dass sie “diese” Leistungen niemals erhalten werden
5.) Pensionsvertreter als 5. Sozialpartner ist doppelt fatal: Es fördert die weitere Entdemokartisierung: Entscheidungen werden aus dem öffentlichen Parlament hinter die verschlossenen Türen nicht unmittelbar gewählter “Sozialpartner” verlagert.
Ausserdem zementiert es weiter die Umverteilung zulasten der Jungen.Ein rasches Auslaufen der extrem ungerechten “Hacklerregelung” und das unvermeidliche und auch wünschenswerte Ansteigen des tatsächlichen Pensionsantrittsalters wird so noch mehr blockiert.
6.) Oder sollen in Zukunft auch Vertreter der “Jugend” Sozialpartner werden? Und dder Arbeitslosen? Und der Auto bzw Radfahrer? Das ist doch verrückt?
7.) Oder sind wir längst verrückt?

Südafrika & Österreich, bisschen anders

wunderbar:

denn so sieht Südafrika aus:

und so Österreich

wenn die Bevölkerungsdichten grafisch dargestellt werden

hier sind alle Länder zu finden

bereits 2006 hab ich über diese herrlichen Grafiken hier berichtet.
Jetzt haben sie es weiterentwickelt.
Gratulation!

Der Anfang vom Ende der Feschisten?

Dieser Presse-kommentar ist mir ein besonderes Anliegen, vielleicht geht manchen jetzt ein Lichterl auf.

Am Anfang war das Taferl. Jenes über die Gehälter und Pensionen von AK Funktionären, das 1994 Jörg Haider im Fernsehn Franz Vranitzky entgegenhielt.
Große Empörung über “die da oben” war die Folge, die SPÖ verlor die Wahl, und die Partei der “Fleissigen und Tüchtigen” gewann.Mehr als fünfzehn Jahre versuchten Medien, SPÖ und Grüne mit einer völlig falschen Strategie,dem Vorwurf des Neofaschismus gegen die FPÖ anzukämpfen. Vergeblich.Statt sie als das zu bezeichnen, was ihr innerster Kern ist, und was Falter Chefredakteur Thurnher so trefflich auf den Punkt gebracht hat:
Feschisten; die österreichische Ausgabe von wendigen, teuer gekeideten, mit losem Mundwerk ausgestatteten und einem gewissen Schmäh versehenen Korruptionisten, die bar jeder Skrupel nehmen, was sie in die Finger kriegen können. Vorzugsweise Volksvermögen.
Denn was waren schon die biederen AK-Nehmer Rechberger und Zacharias gegen die Feschisten Grasser und Meischberger? Wäre der Mathematikunterricht in Österreich besser, müßten sich Grasser & CO längst schamhaft verstecken. Denn der Unterschied zwischen den Rechbergers und Grassers
“Buberln” liegt bei Zehnerpotenzen dessen, was diese an
öffentlichen Mittel rechtswidrig in eigene Taschen umgeleitet haben. Schon folgenden Satz wagte kein Drehbuchautor zu erfinden: ,Karl- Heinz, ich habe eine Idee. Wir könnten die gemeinnützigen Wohnungen verkaufen.‘, zitiert Profil einen Spitzenbeamten und damaligen Grasserintimus.

Dann folgte ein abgekartetes Spiel, dessen Ausgang von Anfang an feststand, und bei dem sich, zu Lasten der Republik vor allem damalige FPÖ Funktionäre bedienten. 9,6 Mio Euro bekam Grasser Freund Maischberger, zu dem der damaligem Immofinanz-Chef schlicht anmerkt:„Ich bin immer davon ausgegangen, dass er erfolgreich für uns lobbyiert hat.“ Er hat.
Glücklich darf sich dieser Tage nur der ORF schätzen. Denn um ein Haar wäre Walter Maischberger vor ein paar Jahren Online-Direktor geworden. Alles war auspaktiert, nur mußte im letzten Moment der
Feschist einen Strafregisterauszug vorlegen, aus dem jedoch hervorging, dass er schon damals wegen Steuerhinterziehung rechtskräftig verurteilt war.
Mein grosser Montagswunsch: Tauschen wir zukünftig in der Auseinandersetzung mit der FPÖ bloß einen Buchstaben aus.
Bezeichnen wir sie als Feschisten, die korrupt in ihre eigene Tasche scheffeln. Der Unterschied wird gewaltig sein.

edit:
Wer`s noch nicht gelesen hat. Dieser Profilbericht ist wirklich beachtlich.

Die Grünen und die Technik

“Edelfeder” Helmut Ganster hat im letzten trend einen Kommentar zum Verhältnis der Grünen zur Technik geschrieben.
(weil nicht online) hier:
gansterer (pdf)

Das konnte ich nicht so stehen lassen.
Hier meine Erwiderung:
chorherr_trend (pdf)

und auch im Volltext:

Die Grünen und die Technik
Geschichte einer späten Liebe-Eine Erwiderung auf Helmut Gansterer

Klischees ersparen das Nachdenken.Oder auch nur das genaue Hinschauen. Manche Klischees sind wenigstens originell, oder zumindest ein bisschen witzig.
Helmut Gansterers Kommentar im letzten Trend hatte denselben Titel wie dieser und das als Untertitel: “Über ein reizvolles und ärgerliches Kapitel der Menschheitsgeschichte.”
Daraufhin suhlt sich “die Edelfeder” im ältesten und dümmsten aller Klischee über die Grünen, kurz beschrieben in Gansterers Zitat, “Grün im Gesicht bei Wort Technik”, dass Grüne per se technikfeindlich seien.
Meist geht dieses Klischee einher mit “Sandalen und Latzhosen”, obwohl mir in meinem breiten grünen Bekanntenkreis kaum mehr jemand bekannt ist, der sich dergestalt kleidet.
Gansterer scheint in seiner Beschreibung angeblicher grüner Technophobie noch in den 80er-jahren zu stecken.
Tatsächlich gab es da heftigen Widerstand gegen bestimmte Technologien: Atom-und Kohlekraftwerke, aber auch andere Großtechnologien, die Mensch und Natur heftig schädigen.
Aber schon vom ersten Antiatomsticker lachte die Sonne herunter.
Schon längst haben wir Grüne eine vielleicht spät erwachte, dafür ganz besonders tiefe Liebesbeziehung zu einer Vielzahl technischer Innovationen entwickelt.
Alles was die unermesslich grosse Energiequelle, die alles Leben auf unserem Planeten erst ermöglicht, die Sonne direkt oder indirekt anzapft, ob direkte Sonnenenergie, mittelbar Windkraft oder Biomasse, hier kämpfen wir Grünen in Österreich oft recht einsam.
Jüngstes Beispiel: Rot und Schwarz verhinderten im Parlament einmal mehr, dass unglaublich intelligente deutsche Ökostromgesetz, das in unserem Nachbarland nicht nur zu einem Boom an erneuerbarer Stromerzeugung geführt hat, damit den Ausstoß klimaschädigender Gase reduziert sondern eine grosse Industriesparte hat entstehen lassen, die heute u.a. Solarmodule in die ganze Welt exportiert.
Oder:
Wenn heute Wien jene Großstadt ist, in der die meisten Wohnungen und Häuser der Welt in Passivhausqualität errichtet sind, so erlaube ich mir höchtpersönlich ein kleines Federl auf meine Hut (besser meinen Fahrradhelm) zu heften.
Passivhäuser: Kluge, optimal abgestimmte Technik führt dazu, dass Häuser im Winter warm, im Sommer kühl sind, ohne Heizung, ohne fossile Fremdenergie.
So nebenbei sind diese auch äusserst “sozial”, da die Energiekosten auf ein Minimum gesenkt sind.
Eine weitere Technologiesparte, wo zwischen Grünen und Industrie heftig geflirtet wird: Die Holzwirtschaft. Ein Rohstoff, weder gesät noch gedüngt, er wächst in grossen Mengen einfach “von selbst” nach, er emittiert bei seiner Produktion Sauerstoff, bindet CO2 und ist eine Produktionsfläche, die schlicht schön ist.

Bionik heisst jener Teil von Wissenschaft und Technik, der die Erfindungen der Natur, die in hunderten Millionen Jahren erprobt und bewährt sind, genau beobachtet und davon lernt. Diese Technik lieben wir mehr, als Gansterer je Autos lieben könnte.
Heftig muß ich Gansterer bei seinem zweiten Argument widersprechen.Er kritisiert uns als “blinde Autofeinde”, und preist moderne Autos, die “immer grüner werden”.
Seien wir an diesem Punkt nachsichtig; Helmut Gansterer Beziehung zu Autos ist abgöttisch und von tiefer Erotik durchdrungen; ihn und mich verbindet eine Bewunderung für schöne Oldtimer. Erst jüngst verbrachte ich einen wunderbaren Tag mit einer Fahrt in einem Triumph TR3 durch das Burgenland.
Aber Liebe soll nicht blind machen.
In Österreich kommen auf 1000 Einwohner rund 500 Autos. Tendenz übrigens immer noch steigend. In DEM Wachstumsland der Welt, China, kommen auf 1000 Einwohner derzeit rund 25 Autos.
Geschätzter Herr Gansterer, dieses Konzept von Automobilität kann sich als Weltmodell nicht ausgehen.
“Dieses Konzept” heisst: um eine Person von A nach B zu transportieren, welche mit Aktentasche und Laptop rund 100 kg wiegt, wird ein Gesamtgewicht von weit mehr als einer Tonne bewegt, durch einen Motor, welcher, allem technischen Fortschritt zum Trotz, kaum 30% Wirkungsgrad hat.
Weder haben wir dafür genug Öl, noch genügend andere Rohstoffe, denn die physische Erde ist nun einmal begrenzt.
Gerade dieser Tage schreit die deutsche Industriekammer zurecht Alarm, weil China immer stärker knappe Rohstoffe hortet,und in vielen Bereichen Engpässe und Preisexplosionen drohen.
Aber auch hier vertraue ich auf die Technik.
Natürlich hat auch der motorisierter Individualverkehr seine Zukunft, wiewohl der uralten wunderbaren Technologie des Fahrrads in Städten viel mehr Platz eingeräumt werden wird, schon allein deswegen, damit wir nicht alle immer fetter werden.
Das “Auto der Zukunft” wird statt zwei Tonnen irgendetwas zwischen 100 und 200 kg haben, eher mit einem überdachten drei-oder vierrädrigen Fahrrad gemeinsam haben, einen wegen seines geringen Gewichtes winzigen Elektro- oder auch Verbrennungsmotor haben, und zwei bis drei Personen mit einer Höchstgeschwindigkeit von maximal 80km/h transportieren.
Dazu muss die Autoindustrie erst völlig umdenken.Oder es werden innovative “Aussenseiter” das Ruder übernehmen, wie etwa Stefan Pierers KTM. Diesem österreichischen Unternehmen traue ich die Entwicklung von revolutionären Ansätzen im Autobau im Übrigen sofort zu.