U-Bahn in der Nacht

Bitte draussen bleiben heissts hier auch am Wochenende ab 0.30
das muß sich ändern

Heute Gemeinderat
Thema aktuelle Stunde: “Am Wochenende U-Bahn rund um die Uhr”

Die SPÖ wehrt sich (noch) dagegen, und argumentiert mit den Kosten.
Gerade darauf bin ich in meiner Rede eingegangen.
Weil bei grossen Summen den meisten die Vorstellung fehlt.

Nach Aussagen eines Direktors der Wr Linien würde es 2,5Mio Euro kosten, am Wochenende due U-Bahn auch in der Nacht fahren zu lassen.

Was sind diese 2,5 Mio?
Nur zum Vergleich:
Letzte Woche wurde im Planungsausschuß beschlossen (mit Stimmen aller Parteien ausser unserer), den Gürtel bei der Abfahrt von der Süsosttangente zu verbreitern.
Kosten: 110 Mio Euro
d.h. allein um diesen Betrag könnten die Wr.U-Bahnen (ohne die Einrechnung von Zinsen) 44 Jahre lang am Wochenende auch in der Nacht fahren.
Politik ist immer eine Frage der Prioritäten.
Vor langer Zeit haben wir durchsetzt (ich kann mich erinnern, weil ich es verhandelt habe) dass die Nachtbusse eingeführt werden.
Vorher hat sich die SP heftig dagegen gewehrt.
Ähnlich wird es hoffentlich dieser Forderung ergehen.
Den veränderten Lebensgewohnheiten müssen wir Rechnung tragen.
Dafür sind 2,5 Mio gut investiert.
Wir bleiben dran.

Vorarlberg, und was wir daraus lernen sollten

Danke an Georg Günsberg für diese wichtige Perspektive:

Die FPÖ steht heute in Vorarlberg (fast) wieder dort, wo sie vor zehn Jahren war.
Dazwischen Knittelfeld, FP-Spaltung.
Die Grünen sind heute in Vorarlberg stärker als vor zehn Jahren.
Klar haben sich viele von uns mehr erwartet.
Aber die Interpretetionen sind schon merkwürdig:
Es verliert die VP 4 Prozentpunkte und läßt sich als Sieger feiern, wir gewinnen (ja, nur ein bisschen) und manche- nicht alle – lassen die Köpfe hängen.
Die Vorarlberger Grünen haben, so meine Ferndiagnose in den letzten Jahren eine richtige Politik gemacht.
Eine, von denen sich andere Bundesländer und auch der Bund manches abschneiden könnte.
Scharfe, aber meist sachlich gehaltene inhaltliche Kritik als Oppositionspartei.
Vor allem aber: Konkrete Vorschläge machen, und auch versuchen sie durchzusetzen.
Zeigen, was anders ist, was konkret anders ist, wenn Grün stark ist.
Dass, nur ein kleines Beispiel, in Vrlbg alle Wohnbaugenossenschaften nach Passivhausstandard bauen MÜSSEN, geregelt über die Wohnbauförderung, war so ein konkretes Projekt der Grünen.

Ich höre es schon, und der Einwurf ist verständlich: “Ja, aber der grosse Wahlsieger heisst doch FPÖ”.
Stimmt, und jetzt zum Kern meiner Analyse.
Langjährige Leser/innen dieses Blogs wird eines viellecht aufgefallen sein:
Hier war fast nie von der FPÖ die Rede.
Hier wurde nicht jeder rechte Rülpser, jede gezielte Provokation empört kommentiert.
Weil genau DAS das Hauptproblem ist.
Je mehr man seine Energie der FPÖ widmet, desto mehr Energie (heisst Aufmerksamkeit, mediale Präsenz, letzlich auch Kraft) führt man ihnen zu.
Statt diese Kraft zu verwenden, die eigenen Visionen zu formulieren und auch durchzusetzen.
Sollen doch die anderen sich daran abarbeiten!
Insofern hat sich die Strategie der FP-Gegner/innen in Politik&Medien seit bald Jahrzehnten nicht geändert.
FP Politiker lassen gezielt Provokationen los, und fast alle stürzen sich fast begierig drauf.
Als klar war, dass der jenseitige “Exiljude-sager” zu DEM Wahlkampfthema wird, war mir klar: Die F wird deutlich zulegen.
Soll man also alles ignorieren?
Nein! Aber nicht immer Empörung mit Politik verwechseln.
Entgegnen, entschlossen, manchmal auch mit Emotion, öfters bitte auch mit Witz.
Aber sich nicht vom Kurs abbringen lassen, die eigenen Ziele mit (ein wenig zumindest) Leidenschaft zu thematisieren.
Wenn “der Kampf gegen rechts” die ganze Emotion bereits absorbiert, stärkt man nicht nur ebendiese, sondern die Emotion, das Feuer fehlt für das Eigene.
Dann wirken “Grüne Konzepte” machmal bissl blutleer. Obwohl sie richtig sind.
Deswegen ist auch die grüne Strategie in Oberösterreich richtig:
Herausstreichen, was man will, und mit Stolz auf das verweisen, was man erreicht hat (weil das Ergebnis auch wirklich beachtlich ist).
Mit Ausnahme dieses Postings werde ich auch in Zukunft die FP hier mehr oder weniger ignorieren.
Was nicht heisst, die Themen zu ignorieren, die von ihr angesprochen werden.
Auch hier rate ich zu mehr Selbstbewußtsein.
Auch als Grüner (ich füge hinzu gerade als Grüner) darf und soll man Mißstände anführen, die es z.B. im Zusammenleben zwischen In-und Ausländern auftreten.
Eben nicht, um Ressentiments zu schüren, sondern um Lösungen aufzuzeigen.
Und um auch, zumindest ein wenig Empathie zu bekunden mit Menschen, die verunsichert sind.
Hoffnung geben, statt Angst machen.
Das ist der schwierigere Weg, aber ich glaube der richtige.

Ein zweiter Schluss (nicht nur aus) Vorarlberg:
Wenn es uns nicht gelingt, unsere Demokratie ziemlich grundlegend zu erneuern, vielen Menschen wieder tatsächlich das Gefühl zu geben, Politik werde auch von ihnen und für sie gemacht, dann werden immer mehr sich abwenden, und dort ein Kreuzerl machen, wo sie “dem System”, bzw. “denen da oben” eine reinhauen können.
Die Enttäuschung über die politische Wirklichkeit ist groß und weiter wachsend.
Ich sehe kaum Bestrebungen, sich diesem Problem grundsätzlich nähern zu wollen.
Auch bei uns Grünen viel zuwenig.
(dazu werde ich in nächster Zeit einige Gedanken äussern und Vorschläge machen: Dies möchte ich aber noch durchdenken und abschleifen, derzeit wären sie eine allzu heftige Provokation).

ich kandidiere…

Nach längerem Nachdenken und zugegeben auch manchen Zweifeln habe ich am Wochenende meine Kandidatur als Gemeinderat der Wiener Grünen für die Wahl 2010 abgegeben.
Hier meine Begründung.

rot-schwarze Verhinderer

meine Überlegungen zur Vorarlbergwahl kommen morgen.
hier meine aktuelle Pressekolumne:

Wieder einmal zeigt sich, dass alle Bekenntnisse von Rot und Schwarz, sich für Klimaschutz stark zu machen, Orwell’scher Neusprech sind. Diese Woche wird im Parlament das Ökostromgesetz neu beschlossen. Anstatt wie in vielen Ländern erfolgreich vorgezeigt alternativen Energieträgern in ihrer vielfältigen Form von Wind bis Biomasse endlich faire Rahmenbedingungen zu geben, zementiert die Regierung einen Ausbaudeckel.

Nicht mehr als lächerliche 21 Millionen Euro dürfen demnach neu errichtet werden. Und damit will man eines der größten Vorhaben Europas und des Landes, den Umstieg von fossiler auf erneuerbare Stromversorgung, erreichen? Nur ein kurzer Vergleich: 21 Millionen für die gesamte solare Stromerzeugung auf der einen Seite; im Planungsausschuss des Wiener Gemeinderates wurde diese Woche beschlossen, für die Verbreiterung eines kleinen Stücks des Gürtels bei der Abfahrt von der Südosttangente 110 Millionen Euro an Steuergeldern zu investieren. Damit noch mehr Autos in die Stadt gepumpt werden.

Völlig richtig war dieser Tage in der „New York Times“ ein – aus US Sicht – fast neidvoller Artikel über das deutsche Ökostromgesetz zu lesen: Dieses Erneuerbare-Energien-Gesetz sei hauptverantwortlich, dass heute die Hälfte der weltweiten Solarpanele aus Deutschland kommen und diese Industriebranche bereits die zweitgrößte nach der Autoindustrie darstellt. Pro Kopf haben die Deutschen zehnmal so viel Strom aus Sonnen- und Windkraft wie wir Österreicher.

Bundeskanzler Faymann bewies bei der Debatte im Parlament, dass er das grundlegende Problem überhaupt nicht verstanden hat: Seine Ablehnung der so wirksamen deutschen Regelung begründete er damit, dass neun Cent Mehrkosten auf den Strompreis pro Tag „sozial nicht verträglich“ wären.

Wenn demnächst importiertes Gas und Öl wieder deutlich teurer werden und immer stärker für die Stromerzeugung herangezogen werden müssen, dann steigt der Strompreis weitaus höher, und Kaufkraft wie Steuereinnahmen fließen nach Russland oder Saudi-Arabien. Außerdem schädigen wir das Klima und werden bald Strafzahlungen an die EU leisten müssen, da wir die Klimaziele nicht erreichen.

Die Verhältnisse haben sich umgekehrt. Früher beschimpfte man uns Grüne als Verhinderer. Heute sind Rot/Schwarz die Verhinderungsphalanx. Sie blockieren saubere, heimische Stromproduktion und schaden nicht nur dem Klima, sondern behindern auch tatkräftig den Aufbau einer sauberen Industriesparte.

Es wäre so einfach…

Dieser Tage wird das Ökostromgesetz neu verhandelt.
Für einen Beschluss braucht es eine 2/3 Mehrheit, d.h. die Stimmen zumindest einer Oppositionspartei.

Wie es ginge, zeigt seit Jahren Deutschland und viele anderer Länder vor, die ein faires Einspeisgesetz haben.
Wir versuchen das österr. Gesetz diesem erfolgsmodell möglichst nahe zu bringen.

Wenn SP/VP schon uns nicht glaubt, vielleicht können sie Thomas Friedmann folgen, der heute in der New York Times völlig richtig schreibt.


The reason that all these countries (er meint z.B. Deutschland, und andere Länder mit Produktionen von Solarzellen, anm:cc))are building solar-panel industries today is because most of their governments have put in place the three perquisites for growing a renewable energy industry: 1) any business or homeowner can generate solar energy; 2) if they decide to do so, the power utility has to connect them to the grid; and 3) the utility has to buy the power for a predictable period at a price that is a no-brainer good deal for the family or business putting the solar panels on their rooftop.

Regulatory, price and connectivity certainty, that is what Germany put in place, and that explains why Germany now generates almost half the solar power in the world today and, as a byproduct, is making itself the world-center for solar research, engineering, manufacturing and installation. With more than 50,000 new jobs, the renewable energy industry in Germany is now second only to its auto industry.

An unsere “traditionellen Medien gerichtet:
Warum wird über dieses so wichtige Gesetz, das dieser Tage novelliert wird, kaum berichtet?

Radbrücke über den Gürtel kommt

hier fehlt dringend ein Lückenschluss,der jetzt kommen soll:

Fährt man das Wiental stadtauswärts, stellt der Gürtel eine gewaltige Barriere dar.
Geradezu abenteuerlich, und für Fussgänger, die aus der U-Bahnstation kommen, wirklich gefährlich ist´s hier:

dann geht´s nochmal über Schienen, bevor der Weg weitgehend unbehindert weitergeht:

im letzten Planungsausschuss des Wiener Gemeinderates haben wir beschlossen, quer über den Gürtel, und südlich vorbei an der Otto Wagner Station Margaretengürtel eine Rad-Fussgängerbrücke zu errichten.
Als erster Schritt wird dazu ein internationaler Architektenwettbewerb ausgeschrieben.
Das wird in einem schon stark befahrenen Bereich eine deutliche Verbesserung des Radverkehrs bringen.
Und hoffentlich kann dabei auch noch eine “schöne Brücke” ausgelobt werden.
Bin schon sehr gespannt und werde weiter darüber beeichten, wenn´s Neuigkeiten dazu gibt.

Es wird knapp!

oder:
Was den sogenannten Aufschwung bald wieder bremsen wird
oder:
warum das gut ist.

Die Ölminister der Opec tagen wieder in Wien.
Eine kluge Öffentlchkeit würde da genauer hinschauen.

Denn die Ölnachfrage, die seit Ausbruch der Wirtschaftskrise deutlich zurückgegangen ist, scheint wieder deutlich anzusteigen.
Bleibts dabei führt nichts an einem wiederum deutlich steigenden Ölpreis vorbei, v.a. da das Ölangebot kaum beliebig hinaufgeschraubt werden kann (peak oil in sehr vielen Ländern)

Hier ein paar Grafiken dazu:

an obiger Grafik schaue man sich das letzte “Schwanzerl” an. Der Weltölverbrauch steigt nach längerem wieder stark an.
warum?

diese, noch mehr Ölgrafiken hier

Dies sind zwei ganz wichtige Grafiken.
Sie zeigen, dass der Rückgang nahezu ausschliesslich die reichen “Verschwenderländer” betroffen hat, allen voran die USA.
Aber auch dort ists mit dem Rückgang vorbei.
Die Ölpreise sind gesunken, bzw die Leute haben sich daran gewöhnt, dass es teurer geworden ist.
Noch viel wichtiger:
Die Motorisierung dort, was früher 3. Welt geheißen hat, nicht nur in Indien und China, nimmt deutlich zu, weil sie (und das ist der zentrale Punkt) dort so gering ist.
China ist bald der größte CO2 Emittent, obwohl nur 25 Autos auf 1000 Einwohner kommen.
Bei uns sind es 500!
Es wird knapp, nicht nur beim Öl.

Dass es reichlichst Alternativen gibt, die heute bereits verfügbar sind, versuch ich von alles Seiten auf diesem blog zu beleuchten.
Heute bloss das:
Warum es in Österreich noch immer fast 800 000 Ölheizungen gibt, zeigt die Trägheit und Fahrlässigkeit unser Politik und unserer geschätzten Einwohner.
Denn von Pellets über Fernwärme bis hin zum Passivhaus sind längst wirtschaftliche Alternativen erprobt.
Nur nicht müde werden!

ruinierte “Freiräume” in Wien (6)

Zeit, der unrühmlichen Serie (ruinierte “Freiräume 1, 2, 3, 4, 5) eine sechste Folge hinzuzufügen.
Wenn ich diesen schönen Satz nochmals zitieren darf: das AUSSEN des Hauses ist das INNEN der Stadt.
Was dieses “AUSSEN” Kindern bietet, sagt besonders viel aus.

Voila:
Das ist ein Kinderspielplatz im Vorzeige-Stadtteil Kabelwerk in Meidling.

Ich erspare mir weitere Worte dazu.

PS: Wer dieser wichtigen Serie (ruinierte “Freiräume”) weitere Folgen hinzufügen möchte, ist herzlichst dazu eingeladen.

Das Gefährt des Übermenschen

und schon wieder eine Adoration:
meine Mobilitätskolumne im aktuellen falter


Wendelin und Florian Fortner und das Objekt der Begierde

Gewisse Empfindungen kann man kaum beschreiben, man muß sie erfahren. Buchstäblich.
Wenn Du einmal auf so einem Fahrrad gesessen bist, weisst Du, diese Technologie hat eine ganz große Zukunft.
Besonders bergauf wird man zum “Übermenschen”.
Du trittst ganz zart in die Pedale, und wie durch Zauberkraft vervielfältigt sich Deine Kraft.Eine noch nie erlebte Beschleunigung bringt Dich innerhalb weniger Sekunden auf empfundene 30km/h, und das bergan.
Als Marshall McLuhan, der grosse Medientheoretiker einmal gefragt wurde, warum er nicht Auto fährt und keinen Führerschein besitzt, war das seine Antwort:
“Weil das Auto den Fahrer zu einem Servomechanismus degradiert, der die Verbindung zwischen Servobremse und Servolenkung billig herstellt.”
Das Rad hingegen ist eine, wie McLuhan sagt, “Extension”, Verlängerung/Verstärkung der Beine, es wird zu einem Körperteil. Der Unterschied könnte drastischer nichts sein: Das eine – das Rad – macht eine Art Supermenschen, das andere – das Auto – treibt den Menschen aus und degradiert ihn zu einer Teilmenge der Maschine.
Dabei kannte McLuhan diese Pedelecs nicht. Pedelecs (Pedal Electric Cycle) sind geniale Elektrofahrräder, welche die menschliche Kraft am Pedal messen und dann über einen kleinen Elektromotor vervielfältigen.
In den Niederlanden werden sie schon in großen Mengen verkauft, bei uns steht der Boom noch bevor.
Pedelecs erweitern die Einsatzmöglichkeiten des Fahrrades beträchtlich.
Für den täglichen Gebrauch des Rads sind steile Hügel für viele zu abschreckend. Mit dem Pedelec fliegt man mit empfundener Rückenwind geradezu bergauf.
Auch älteren Menschen, denen längere Strecken bereits zu schaffen machen, ermöglicht der kleine Motor des Pedelecs die weitere Fahrradnutzung.
Pedelec, das ist kein bestimmtes Fahrrad. Es ist ein Prinzip. Man muß es einfach ausprobieren. Zum Beispiel bei Wendelin und Florian Fortner in der Kaiserstrasse in Wien Neubau.Die beiden Twens kommen aus der Steiermark, haben Industriewirtschaft bzw industrielle Elektronik studiert und betreiben das Geschäft “Elektrobiker”.
Dort kann man sowohl aus den verschiedensten Pedelecs auswählen, als auch sein eigenes Rad auf Pedelec umrüsten lassen.
Im Regelfall hat der Elektromotor 250 Watt. Nur zum Vergleich, ein Kleinwagen braucht ca die 200fache Antriebsstärke, kein Wunder bei einer Tonne oder mehr. Man sieht den Motor nicht, er ist in der Radnabe verborgen. Die Batterie wiegt 1,5 kg, steckt versperrt am Rahmen und ist in zwei Sekunden heruntergenommen, um sie zu Hause oder im Büro aufzuladen. Die realistische Reichweite, die natürlich je nach eingestellter Unterstützungskraft variiert liegt bei jedenfalls 40km, die jedoch bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt deutlich, bis zur Hälfte sinkt.
Eine EU Norm legt fest, dass ein Pedelec solange rechtlich ein Fahrrad bleibt, als es elektronisch bei 25km/h abriegelt. Man muss jedoch kein Prophet sein um sich vorzustellen, wie Verkehrspolizisten überfordert sind, um zu überprüfen ob der Pedelecnutzer die maximale Höchstgeschwindigkeit auf 32km/h umprogrammiert hat.
Wer so ein Fahrad legal schneller fahren möchte, was technisch kein Problem ist, muss es als Moped anmelden.
Die Gesamtgewicht des elektrischen Antriebs (Motor, Batterie, etc.) liegt bei ca 9 Kilogramm, und kostet als Umrüstsatz, je nach Qualitätsanforderung ab 1150 Euro.
Fertige ausgestattete “vernünftige” Pedelecs, beginnen bei Preisen von 1500 Euros.
Jedenfalls ist es empfehlenswert, zur sorgfältigen Auswahl Zeit zu investieren, sich sowohl gut beraten und v.a. verschiedene Modelle auszuprobieren.
“Drehmomentsensor” oder “Drehzahlsensor” klingt entsetzlich technisich, macht aber einen riesigen Unterschied. Beim ersterem greift der Elektromotor sofort, bei zweiterem erst, nachdem die Pedale ein bis zwei Umdrehungen gemacht haben. Hier hilft eine händisch gesteuerte Anfahrtshilfe.
Man sieht, Erklärungen wirken hilflos. Surfen versteht man nur wirklich, wenn man einmal am Brett steht, und die Kraft des Windes in den Armen spürt.
Das Pedelec muss man ebenso “spüren”, und wird sich seiner Faszination nicht entziehen können.

Pedelecs testen:
Elektobiker
1070 Kaiserstrasse 77
0664 2104122

Von “peak oil” zu “peak everything”

meine aktuelle Pressekolumne:

Die nächsten 20 Jahre werden grössere Veränderungen bringen, als die letzen 100, so Dennis Meadows bei den Alpbacher Baukulturgesprächen.Der grösste Wandlungsdruck werde vom Klimawandel ausgehen und von der zunehmenden Knappheit verfügbarer Rohstoffe. Medows meinte gar, dass die Welt “peak oil” bereits erreicht habe. Gemäss dieser These wird sich die Weltölproduktion genauso verhalten, wie die Nordseeölproduktion derzeit: Sie wird langsam aber stetig sinken; ihr geologischer Gipfel, “peak” ist überschritten. Länder mit steigender Ölprodultion werden jene mit sinkender Ölproduktion (in den USA sinkt diese trotz enormer Anstrengungen seit 1972) nicht mehr kompensieren können.
Peak oil ist aber nur ein kleiner Teil eines viel grösseren, noch nie dagewesenen Wandels. Alles Physische wird knapp. So berichtet die New York Times (dank twitter und orf.at auch bei uns) über Chinas Bestrebungen, den Export “seltener Erden”, die für die Produktion von Elektroautos ebenso wie für Windturbinen unabdingbar sind massiv zu beschränken. China ist das Saudiarabien dieser seltenen Erden, die so exotische Namen wie Dysporium, Terbium oder Neodymium haben, es besitzt 93% davon.
Meadows hat recht, und diese Erkenntnis wird die Welt mehr verändern als die aktuelle Wirtschaftskrise: Rohstoffe, ob Erdöl oder spezielle Metalle sind endlich. Will die ganze Welt, d.h. bald 9 Mrd Menschen nur annähernd so leben, so konsumieren, so autofahren, wie wir in den reichen Industrieländern geht sich das stofflich ganz einfach nicht aus. Nur ein Beispiel: In einem Toyota Prius stecken ca 2 kg Neodymium, folgerichtig hat Toyota dieser Tage heftig gegen die chinesischen Exportbeschränkungen protestiert.
Auch die deutsche Handelskammer macht bereits mobil, und urgiert eine neue Rohstoffpolitik.
Dabei ist das Problem viel grösser: Unser ganzer Konsumstil steht zur Disposition. In naher Zukunft wird es schlicht undenkbar sein, zum Transport einer Person mit knapp 80 kg ein bis zwei Tonnen Rohstoffe, soviel wiegen heute Autos, zu beanspruchen, sowie mit Fremdenergie zu bewegen.
Konflikte um knappe Ressourcen gab es in der Menschheitsgeschichte immer wieder, Meist wurden sie durch Kriege “gelöst”. Die nächsten 20 Jahre werden in der Tat gewaltige Veränderungen bringen.