David und Bill

meine aktuelle Pressekolumne:

Bill tut es, und David demnächst auch. Wenn ihr Verhalten viele Nachahmer findet, wird die Welt bald besser aussehen.
Bill heißt Gates mit Nachnamen. Er ist einer der reichsten Männer der Welt und findet, es sei schädlich, seinen Kindern zu viel zu vererben. Deswegen hat er die größte gemeinnützige Stiftung der Welt gegründet, sie mit über 35 Mrd Dollar dotiert, und hat sich zum Ziel gesetzt, die Malaria auszurotten, an der jährlich Zehntausende in armen Ländern elend zugrunde gehen.
David, sein Nachname tut nichts zu Sache lebt in Wien. Er ist ist nicht vermögend, möchte aber seinen großen Traum verwirklichen: Sein eigens Lokal, eine Mischung aus modernem Kaffeehaus und Bar. Partner und ein Standort sind gefunden, mühsam wurde ein Kredit für den Umbau von einer Bank erkämpft, täglich werken sie bis tief in die Nacht, demnächst geht`s los.
Mit Bill hat er folgendes gemeinsam: Er möchte nicht bloß für sich und seine Gäste etwas erreichen, sondern darüber hinaus etwas Sinnvolles für andere tun.
Vor kurzem war er in Afrika und hat dort eine Schule in einem sehr armen township kennengelernt.Dieses Projekt möchte er jetzt, im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützen. 10 oder 20 cent je Rechnung, so wird es auf seiner Speisekarte stehen, möchte er zur Entwicklung dieser Schule beitragen. Es sollen so, rechnet er, jedenfalls ein paar Tausend Euro werden.Und er möchte den einen oder anderen seiner Gäste dazu motivieren, ebenfalls diese Schule zu besuchen, um zu sehen, wie sie sich entwickelt.
Das sind seine Möglichkeiten. Damit wird David für für ein paar hundert Jugendliche in einem afrikanischen Land Bildungschancen verbessern.
Irgendwo zwischen Bill und David gibt es in unserem reichen Land Hunderttausende, die mit ihrem Vermögen, ihrem Einkommen oder auch ihrer Zeit etwas Sinnvolles anstellen könnten.Verantwortung übernehmen, Interesse entwickeln, positive Projekte unterstützen. Das kann in Afrika sein, ebenso aber auch um die Ecke, für Flüchtlinge, alte einsame Menschen, oder benachteiligte Kinder. Damit würden sie auch etwas für sich selbst machen, jedenfalls interessante Menschen kennenlernen, und Freude am Geben, am Entwickeln von etwas, das Sinn macht, haben.
Wenn Bill und Davids Vorbild Schule macht, schaut die Welt wirklich bald besser aus.

Must read!

Dieses Buch wird mich noch lange beschäftigen.
Und ich wünsche ihm viele, viele Leser/innen.
Setzt es doch sehr grundsätzlich dort an, wo es derzeit immer stärker brodelt:
Immer mehr Menschen denken darüber nach, wie unser Wirtschaftssystem grundsätzlich verändert werden kann.
Fast egal wo ich hinkomme werden Diskussionen sehr rasch sehr grundsätzlich.
“So”, das vereint fast alle, kann und wird es nicht weitergehn.
Wie soll ein auf Expansion gerichtet Wirtschaftssystem mit den endlichen Ressourcen auf unserer Erde zusammenpassen?
Gibt es eine Alternative zu unserem westlichen Konsummodell, des “will immer mehr haben”?
Ist es unausweichlich, dass Einkommen und Vermögen immer weiter auseinander klaffen?
Was geschieht mit unserer Demokratie, wenn demnächst die Arbeitslosenrate unvermeidlich nach oben schnellen wird?
Gibt es neben dem zentralen “Monopolgeld” auch andere Geld-Alternativen?
Zusammengefasst: Können und müssten wir nicht ganz anders wirtschaften?

Wen solche Diskussionen interessieren, sei Rushkoffs Buch wärmstens ans Herz gelegt.
Bevor ich es mit meinen Worten beschreibe, lasse ich ihn selbst in einem Interview zu Wort kommen (und frage mich so nebenbei, warum derartige Interviews, für die man sich zugegeben ein wenig Zeit nehmen muss, kaum in Österreichs klassischen Medien zu lesen sind).
Bin an feedback sehr interessiert.

Auf nach Kärnten!

hier gehts zur Initiative

Urlaub als politische Unterstützung für ein Menschenrecht?

Die Geschichte ist kurz erzählt.
Der Süden Österreichs braucht dringend, um für das (ohnehin bedenklich erodierte) Menschenrecht auf Asyl Raum zu bieten, ein sogenanntes Erstaufnahmezentrum Süd.
Ein Haus für Menschen in Not, die in Österreich Zuflucht vor Verfolgung suchen.

Einige Kärntner Gemeinden überlegen nun, dieses in ihrem Ortsgebiet errichten zu lassen.
Denn es bringt auch wirtschaftliche Vorteile: Absicherung der durch Abwanderung bedrohten Schulen und v.a. zusätzliche Arbeitsplätze.

In manchen dieser Gemeinden wird jedoch die Sorge geäußert, ein Asylzentrum könnte den Fremdenverkehr gefährden.

Vertragen sich Asylwerber und Urlauber?

Hier setzt nun unsere Initiative an.

Warum nicht – als Unterstützung – Urlaub in einer Gemeinde, die den Mut aufbringt, sich für ein derartiges Haus zu entscheiden.

Drum suchen wir Gleichgesinnte, die sagen:
Ja, dort wollen wir Urlaub machen!
Und dies auch schriftlich unterstützen.

Wir hoffen auf viele.

Und noch eine Idee wollen wir ventilieren:
Es gibt in Österreich hervorragende Architektinnen und Architekten.
Ein derartiges Haus könnte doch auch von außergewöhnlicher architektonischer Qualität sein.
Das für die, die darin (befristet) leben attraktiv ist, aber ebenso für jene, die sich für diese Menschen interessieren, ihre Geschichten hören wollen, sie vielleicht kennenlernen wollen.

Deswegen unser Vorschlag:
Her mit einem ordentlichen Architekturwettbewerb, dass dieses so wichtige Haus auch die Baukultur dieser Gemeinde bereichert.

Der Weg zu diesem Projekt ist noch weit, besonders angesichts der unglaublichen Reaktion der offiziellen Landespolitik.

Wir wollen aber nicht nur zuschauen, sondern jene ein wenig unterstützen, die offensichtlich ein besseres, ein humanes Kärnten wollen. In Kärnten.

PS:
Warum der Slogan “urlaubmitfreunden”?
da haben wir uns von der offiziellen Kärntenwerbung inspirieren lassen.
Die heisst: “urlaubbeifreunden”

peak-summit

heute mal ein Gastbeitrag.
Michael Cerveny ist einer der klügsten “Energie-denker”, die wir in Österreich haben.Er arbeitet bei der ÖGUT, und Blogleser kennen ihn von diesem Video.
Vor ein paar Tagen war er auf einer Konferenz, an der ich auch gerne teilgenommen hätte.
Ich hab ihn gebeten, einen kurzen Bericht zu schreiben.
Hier ist er:

Ende Juni 2009 fand in einem Seminarzentrum in den Bergen Umbriens nahe Perugia (= Reisetipp!) der „Peak Summit“ statt. Die Veranstaltung wurde organisiert von Mitgliedern der ASPO (Association for the Study of Peak Oil) und den Editors DER Website schlechthin: theoildrum Rund fünfzig „Doomer“ aus 15 Ländern bzw. drei Kontinenten nahmen teil um sich zwei Tage lang über „Peak Everything“ zu informieren und zu unterhalten. Viele der Anwesenden kannten sich seit Jahren, in erster Linie übers Internet aber auch über die alle paar Jahre stattfindenden ASPO-Konferenzen.
Ich war aus verschiedenen Gründen gekommen. Um mehr über die Perspektiven auf den fossilen Energiemärkten zu erfahren, um die Leute kennen und einschätzen zu lernen deren Beiträge ich seit Jahren u. a. auf TheOilDrum lese und um ein paar Tage lang in einer wunderschönen (Kultur-)Landschaft den eigenen Blickwinkel in Frage stellen zu können.
Selten zuvor hab ich an so etwas Verstörendem teilgenommen. Es wird noch länger dauern all das Neue, Interessante, Abschreckende und Anziehende zu verarbeiten und wenigstens für mich selbst verdaubar zu machen. Trotzdem im Folgenden ein erster Bericht .
Erste Überraschung: Der Höhepunkt der Ölproduktion – „Peak Oil“ – wurde gar nicht mehr diskutiert. Seit Jahren haben die Größen der internationalen Peak Oil Szene dieses Thema bis ins letzte Detail analysiert. Für praktisch alle Anwesenden ist die Frage ob weiteres Wachstum am Ölmarkt möglich ist bereits Schnee von gestern. Das Produktionsmaximum war für fast alle im vorigen Jahr! Übereinstimmung weiters, dass auch Erdgas und Kohle alles andere als ewig sind: Bereits um 2025 bis 2030 droht nach Meinung vieler „Peak Fossil Fuels“, also der Beginn des unaufhaltsamen Rückgangs der einer wachsenden Menschheit und wachsen wollenden Wirtschaft zur Verfügung stehenden Netto-Energiemenge. (Brutto könnte es noch ein bisschen länger bergauf gehen, aber der Energieaufwand um Energie zu produzieren steigt überproportional.)
Das Thema Ernährung wurde durch ein eigenes (leider mich fachlich und aufgrund des Walisischen ziemlich überforderndes) Referat beleuchtet. Man erfuhr, dass rund fünf Prozent des globalen Erdgasverbrauchs für die Düngemittelproduktion aufgewendet wird. Um die jährlich hinzukommenden 75 Millionen Münder zu ernähren, muss bis 2025 die Düngemittelproduktion verdoppelt werden. Man hörte, dass global fast soviel Energie für die Nahrungsmittelproduktion (vom Acker bis zum Teller) wie für Autos eingesetzt wird und zumindest in den USA für jede gegessene Kalorie zuvor rund zehn fossile Kalorien verbraucht werden.
Wirklich düster wurde es aber durch die Referate von Andre Diederen (NL) und Rolf Widmer (CH), beide übrigens seriöse Wissenschafter und alles andere als offenkundige „Doomer“ (ein „Doomer“ oder „Doomsdayer“ ist ein Weltuntergangsfanatiker). Da kamen Metalle zur Sprache, deren Existenz mir bisher verborgen blieb. Und doch stecken alleine in meinem Handy oder meinem Notebook zig verschiedene dieser Elemente. Insbesondere die IT-Branche aber auch High-Tech-Produkte im Bereich Energieeffizienz (Elektroauto) und Erneuerbarer Energie (Photovoltaik) sind auf exotische Metalle angewiesen, die zum Teil nur in Spuren in der Natur vorkommen. Vielfach ist zu beobachten, wie die in neu entdeckten Lagerstätten die Konzentrationen geringer sind als in den alten und es werden – ähnlich wie beim Öl – viel zu wenig neue Vorkommen gefunden. Niedrigere Erzgehalte erfordern exponentiell mehr Energie für die Ausbeutung: „Metallknappheit ist eine Funktion von Energieknappheit! … Und teilweise auch umgekehrt“: Beispielsweise ist A. Diederen aufgrund der zu geringen Mengen an förderbaren Metallvorkommen (nicht nur Lithium!) der Meinung: „Forget large scale conversion towards renewable energies!“ und „Forget large scale electrification of transport!“
Resumee: Setzt sich das rapide Verbrauchswachstum weiterhin fort, so droht bei mehreren Metallen bereits in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren der Peak, also der Moment in dem die steigende Nachfrage auf einer sinkenden Produktion aufläuft. Die Konsequenz davon: Die für die Energieeffizienzrevolution („Faktor 4“ oder „Faktor 10“) notwendigen Technologien stoßen ihrerseits an Produktionsgrenzen: Peak Everything?
Nach dieser niederschmetternden Analyse war es nur verständlich, dass sich der Optimismus der Teilnehmer in Grenzen hielt. Mit Hilfe der zehn-stufigen „Doomer-Skala“ wurde blitzlichtartig die Einschätzung der Anwesenden zum Ausmaß der kommenden Krise ermittelt. Niemand glaubt, dass die Energie- und andere zum Teil daraus resultierenden Versorgungskrisen leicht überwunden werden können (Stufen 1 bis 3). Die größten Optimisten sehen die Wirtschaft und damit uns im Peak-Zeitalter durch weitere Kontraktionen (4-5) stolpern, die zumindest mit der aktuellen Krise vergleichbar sind. Die Mehrheit sieht allerdings wesentlich heftigere Folgen (6-7) und eine kleine Pessimistenfraktion sieht sogar fast das Ende der Menschheit (8-9) gekommen.
Also näherten sich die Diskussionen des Pudels Kern: Warum sieht das was wir sehen, sonst niemand? Warum wird die Titanic nicht abgebremst? Warum ändern die Politiker und die Wirtschaftskapitäne nicht den Kurs?
Die folgenden, teilweise schon bei hervorragendem Essen und Vino rosso geführten Diskussionen pendelten zwischen Kapitalismuskritik (Zins- und Wachstumskritik) und spannenden Menschenbildanalysen: Lässt uns unser evolutionär bedingter Hormonhaushalt eigentlich eine Wahl? Ermöglicht er vor allem jenen „Dopamin“-Männern (Hurra, die viel zu wenig anwesenden Frauen hatten ihr Thema!), die Wirtschaft, Gesellschaft, Sport, Twitter etc. dominieren, ein anderes Handeln als es in unserer Konkurrenz- und Wachstumsgesellschaft notwendig ist? Ist ein ‚den-Anderen-nicht-übertreffen-wollen‘ eigentlich eine dem Menschen mögliche Grundlage für eine Gesellschaft? Können wir Grenzen akzeptieren oder müssen wir sie sprengen, um daraus Bestätigung zu gewinnen und uns einen kräftigen Dopamin-Glücksschub zu gönnen? Ist vor diesem biologisch-sozialen Hintergrund ein freiwilliges und nicht durch äußere Umstände (Peaks!) aufgezwungenes Nicht-Wachstum oder gar Minus-Wachstum möglich?
Resümee: Es scheint sehr wahrscheinlich, dass in den nächsten Jahren und Jahrzehnten immer mehr physische Ressourcen – beginnend mit Öl – nicht mehr in dem von (fast) allen erwarteten steigenden Maß aus unserer Erde herausgepresst werden können. Die „Limits to Growth“ sind näher gerückt. Nichts bedroht unser Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell mehr! (Leider, denn die meisten von „uns“ haben davon profitiert und ich persönlich hab mich mittlerweile daran gewöhnt.) Aber nun scheint es, als müssten wir uns bald an eine neue Ära gewöhnen, so wie sich Perugia in seiner 2.500-jährigen Geschichte nach jedem politischen oder wirtschaftlichen Untergang an eine neue Zeit anpassen musste. Perugia ist der Beweis: Es gibt ein (tolles!) Leben, selbst nach dem x-ten Niedergang!

Rote Ampeln und die Radfahrer

Über das unterschiedliche “Wesen” von Auto- und Radfahrern.
Darüber denk ich schon sehr lange nach; jetzt wollte ich diese sehr grundsätzlichen Überlegungen publizieren und zur Diskussion stellen.
Diese Woche im falter.
Und natürlich hier.

In letzter Zeit werden sie immer heftiger. Die Debatten und gelegentlich geradezu wüternden Vorwürfe rund um das Thema “Radler missachten Verkehrsregeln”. Wenn eine Radiostation von Anrufern gestürmt werden möchte, wählt sie “Radfahrrowdy”, läd jemanden wie mich ins Studio, und die Telefone beginnen von Hysterie zu kreischen.
Meist versuche ich es dann mit rationalen Argumenten Vergleiche die verschwindend geringe Zahl jener Menschen, die “unters Fahrrad” kamen, mit den Abertausenden, die von Autos gerammt wurden. Verweise auf den Wiener Kardinalfehler, Radwege auf schmalen Gehwegen angelegt zu haben statt auf Fahrbahnen – mit der Konsequenz, die schwächsten Verkehrsteilnehmer auf einander zu hetzten, damit die Autos ungestört bleiben. Jedes Mal aufs Neue merke ich: ich kann mich brausen mit solchen Argumenten.

Das zugrundeliegende Problem ist ernst und in seiner Konsequenz radikal.

Man möge mit einer kritischen Selbstbetrachtung beginnen.
Sitzt man hinter dem Steuer eines Autos und leuchtet die Ampel rot, so wird der Stop-Befehl unhinterfragt und ohne Anstrengung befolgt. Man bleibt stehen und wartet.

Der selbe Mensch als Fussgänger: Wenn klar ersichtlich ist, dass kein Auto kommt, keinerlei Gefährdung vorliegt, übernimmt eine andere Kraft das Kommando. Man geht einfach los. Und jene, die neben einem stehen, gehen ebenso los.

Stehenbleiben, ohne dass dafür, ausser der roten Fußgängerampel ein triftiger Grund vorliegt, weil die Strasse leer ist, erfordert eine grosse Kraftanstrengung.

Zwei Spezies in einer Person reagieren völlig unterschiedlich. Gebückt, im Auto eingeschlossen, die Kommunikation auf insektenhaftes Blinken heruntergefahren, quasi als spezies “Homo autofahriensis” fügt man sich in technisch gesteuerte Lenksignale.

Wieder auferstanden zum homo sapiens sapiens kann man schwer anders, als Jahrtausende alte Verhaltensmuster weiterzuführen. Man benutzt Augen, Ohren und ein wenig Verstand, um sich sicher bewegen zu können. Es ist in der Tat erstaunlich, wie es auch grossen Menschenmassen, in Fussgängerzonen, auf Flug- oder Bahnhöfen, geradezu spielerisch gelingt sich individuell zu bewegen, auszuweichen, sich einzuordnen, ohne dass dafür technische Hilfsmittel notwendig wären.

Auch wenn in Venedig in den Sommermonaten sich Abertausende bewegen, zurecht ist noch niemand auf die Idee gekommen, Einbahnen einzuführen oder Ampeln zu errichten.
Erst die Übereignung der Strasse an das Auto hat dies mit sich gebracht. Solange man als Homo sapiens sapiens auf seinen eigenen Füßen unterwegs ist, würde der als ziemlich grenzwertig betrachtet werden, der einen Umweg zu gehen auf sich nimmt, da ja “hier eine Einbahn ist”.
Man traut “dem Menschen” zu sich frei und selbstbestimmt zu bewegen.
Setzt sich der Mensch, und das ist jetzt der springende Punkt, auf ein Fahrrad, bleibt er ein Mensch, wird weiterhin als Mensch angesehen und auch so angesprochen: “Die Radler” seien Rowdies heisst es, nicht “die Räder”. Ganz im Unterschied zum Auto. “Die Autos” seien gefährlich, der Mensch bückt sich und verschwindet in der Maschine. Folgerichtig fragt am auch, “Wo stehst DU?”, wenn man meint, “wo parkt dein Auto?”

Wer diese auf den ersten Blick merkwüdige aber sehr ernst gemeinte These, dass der Mensch hinter dem Lenkrad im Auto zu einer anderen spezies wird, bezweifelt, möge an sich selbst das Aggressionsverhalten beobachten. Nirgendwo sonst kommen so schnell geradezu eruptionsartig Schimpftiraden über die Lippen, nur weil ein anderes automobiles Insektoid überholt, schneidet, oder sonst wie das eigene Revier bedroht. Man schimpft und droht, obwohl man weiss, dass man nicht gehört wird, weil ja alle Fenster geschlossen sind.
Man nimmt ungeheure Risken auf sich, gefährdet sich und andere, wenn man wütend und hupend kanpp vor der Kurve diesen verfluchten Anfänger, diesen gesch… Radler, der Teufel möcht ihn holen überholt und dabei die Faust erhebt.
Radler entäussern sich nicht ihrer Spezies als sapiens sapiens, wenn sie auf den Sattel steigen. Und empfinden Ampeln, Stopschilder, als, sagen wir es zurückhaltend, schlichte Empfehlungen.
Es ist unausweichlich: Trifft eine rote Ampel auf einen Fußgänger oder einen Radfahrer, liegt es schlicht im Wesen letzterer, ihre Selbstbestimmung und ihr humanes Orientierungsverhalten nicht aufzugeben.
Das potenziert natürlich die Aggression jener Wesen hinter dem Lenkrad, die ihrer Spezies gemäss ein Rot als unerbittlichen Befehl hinnehmen. Aus ihrer Sicht wird das Überfahren einer roten Ampel zum besonderenFrevel. Kommt noch die Demütigung dazu, trotz 150 PS und einer Spitzengeschwindigkeit von weit über 200 kmh im Stau von eben jenen frechen Radlern überholt zu werden, ist jenes emotional Gebräu gemischt, das die Aggression gegen Radfahrer heute ausmacht.
Eine “kleine” Lösung gibt es hier nicht, letztlich nur eine radikale. Wo der homo sapiens sapiens lebt, haben Ampeln, Einbahnen und Stopschilder nichts verloren. Menschen in grosser Zahl auf der Strasse, sei es auf zwei Füßen oder muskelbetrieben auf zwei Rädern statt an den Rand gedrängt das wird, wiederum, die Stadt der Zukunft sein.

Endlich: Wiental-Highway kommt

Ab 2010 wird der Wiental-Highway befahrbar sein.

Heute siehts im Wienflußbecken so aus:

Ab nächstem Jahr so:

Seit vielen Jahren arbeiten meine Kollegin Sabine Gretner und ich daran (und hier am blog wurde öfters berichtet)
Jetzt kommt er.
Stolz auf einer Pressekonferenz bekanntgegeben (die Stadträte Schicker und Sima, Sabine Gretner, SP-Gemeinderat Jürgen Wutzlhofer und ich)

Wientalhighway heisst:
Im Wienflussbecken wird für Fußgänger, Radler und Skater grosszügig (4 Meter breit) Platz geschaffen.
Ab Hütteldorf (wo es ihn stadtauswärts bereichts gibt) kommt jetzt als erste Etappe eine knapp 3,5 Kilometer lange Verbindung stadteinwärts, unter der Kennedybrücke durch;
Rampen verbinden den Rad-Highway mit Radverkehrsanlagen im 13. und 14. Bezirk.

Aus dem Wienfluß führt dann der Weg (kreuzungsfrei!) zum Radweg auf der Schönbrunnerstrasse, entlang dem Schlosspark.
Ich halte das für eine beachtliches Angebot für uns Radler. Von Hadersdorf bis zum Schloss Schönbrunn ohne Kreuzung!

Hier paar Details:

Der bereits bestehende Wiental-Radweg von Auhof bis zum Hackinger Steg soll bis zur Kennedybrücke verlängert und durch den Bau neuer Rampen an das Radwegehauptnetz angeschlossen werden.

Die Magistratsabteilung 45 – Wiener Gewässer errichtete im Jahr 2005/06 im Bereich der Wehranlage Auhof bis Hackinger Steg den ersten Abschnitt des „Wiental Highway“. Bis Ende 2010 soll nun der “Bedienweg” (so der rechtlich korrekte Titel, anders wäre es sehr schwierig und teuer gewesen) im Wienflussbett bis zur Kennedybrücke verlängert werden
. Geplant ist auf der knapp 3,5 km langen Distanz ein gemischter Geh- und Radweg, wobei damit vor allem für RadfahrerInnen eine attraktive west-, ostorientierte Route von Auhof in Richtung Stadtzentrum geschaffen wird. Der 4 Meter breite Weg führt künftig auf der linken Seite des Wienflussbettes entlang. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf ca. 4,8 Millionen Euro.

Der „Wiental Highway“ wird mit den wichtigen Brücken bzw. Radrouten verknüpft, wobei diese Anbindungen auch als Teil eines Fluchtwegekonzepts im Falle von Hochwasser behindertengerecht ausgeführt werden. Für einen möglichst direkten Zugang zum „Wiental Highway“ ist die Errichtung folgender Rampen- bzw. Stiegenanlagen vorgesehen:
Rampe St. Veiterbrücke
bestehender Stiegenaufgang bei U4 – Ober St. Veit
Rampe Astgasse – hier soll durch den geplante Steg Astgasse, der in einem eigenen Projekt ausgeführt wird, auch die Erreichbarkeit der Linie U4 ermöglicht werden.
Dies Anschlussrampen werden so gebaut, dass sie auch bei einem 10-jährigen Hochwasser noch immer einen entsprechenden Schutz gewährleisten.

Die Anbindung an die Kennedybrücke erweist sich als technische Herausforderung: der Rad- und Fußweg wird nach Unterquerung der Brückenkonstruktion, des der bis dahin im Flussbett befindlichen Betriebsweges, auf ein Niveau knapp unterhalb der Brücke geführt. Technisch wird dies ermöglicht, durch eine an der linken Wienflussmauer montierte Rampe, die schließlich in den Hadikpark einmünden wird.

Schliesslich noch ein Wort zu den Kosten (da sich sicher einige darüber aufregen werden)
An der Finanzierung “hing” es auch sehr lange.
Ein einziger kleiner Vergleich, um die 4,8 Mio Euro einzuordnen.
Ich spare mir jetzt Beispiele für Strassenumbauten anzuführen, über die niemand berichtet, obwohl sie deutlich teurer sind.
Ich vergleiche diesen Wientalhighway nur mit der neuen Metallpergola am Praterstern.
Schon davon gehört?
Wahrscheinlich nicht.
Sie hat über 7 Mio Euro gekostet!
Ich halte es für gut und überfällig, endlich einmal eine grosszügige Einrichtung für Radler zu bauen.
Eine, die nicht aus dem Radbudget kommt.
Eine, über die Wien spricht.
Damit wir einen kleinen Schritt Richtung Kopenhagen und damit zu einer ausgeprägten Fahrradkultur machen.