” Wirtschaft” interessiert mich nicht

Im aktuellen falter ist eine berührende Reportage über eine Mindestrentnerin zu finden, die ihr Erbe in Meinl-European-Land Zertifikate steckte und verlor.
Wie ihr ging es sehr vielen, egal ob Meinl oder Immofinanz.
Im Artikel ist zu lesen:

Ihre Geschichte steht für das Versagen dieses Systems.Sie erzählt viel über den Vertrauensgrundsatz in einer Gesellschaft, aus dem man Banken, Finanzberater und Aktiengesellschaften längst streichen muss.
Letztlich ist es eine Geschichte, mit der sich die hohe Politik auseinandersetzen muss.

Ja, ich glaube, es ich auch eine politische Geschichte.
Auch.
Ja, Konsumentenschutz gehört verbessert, und angeblich “unabhängigen” Finanzberatern, die nur gegen hohe Provisionen jene Produkte vertreiben, für die sie bezahlt werden, gehören an den publizistischen Pranger und auch juristisch belangt.

Es bleibt für mich trotzdem eine grosse Frage:

Was ist das für eine Gesellschaft, in der Frau Kosch(laut falter-Artikel) heute sagt: ” Ich wußte damals gar nicht, dass ich in Aktien investieren würde.”
Und sie legt ihr gesamtes erspartes Erbe in einer einzigen (besonders windigen) Aktie an und verlor

Ich versuche eine Antwort:
Es ist eine Gesellschaft in der es bis weit hinauf in “gebildete Kreise” schick ist zu sagen, “geh lass mich, Wirtschaft interessiert mich nicht”

Ein paar wenige, ganz wenige Dinge soll man zum eigenen Schutz lernen.
Z.B.: einen zweiten Arzt aufsuchen, wenn man vom ersten eine umfangreiche Therapie verordnet bekommt.
Oder eben Wirtschaft:
Wer mehr Zinsen möchte als sie “am Sparbuch” oder bei Staatsanleihen gezahlt werden, der trägt ein Risiko, das MUSS man wissen
Langfristig (zehn und mehr Jahre) ist es durchaus ratsam eine gewissen Teil seines Vermögens in Aktien anzulegen.
Aber eben nur einen gewissen Teil.
Und dann das Risiko zu streuen.

Zu sagen, “ich interessier mich nicht für Wirtschaft” kann man schon sagen, aber es hat seinen (hohen) Preis.

Das System hat versagt?

Oder gibt es zumindest bei der Geldanlage soetwas wie “das System” Eigenverantworung?

It`s about individuals

Seine wichtigste Botschaft über “das Politische”:
Er weckt Emotionen, die sich aber nicht “gegen” jemanden richten;
Er weckt Emotionen , die Mut machen, sich für eine bessere, gerechtere Welt zu engagieren.
Millionen haben sich dieser Bewegung angeschlossen, um diese grosse Vision zu verwirklichen.
Er hat Menschen auf der ganzen Welt berührt und aktiviert.
Sein Wahlkampf war nahezu perfekt.

Er hat das Internet, diese neue Infrastruktur genau dazu benutzt, wofür sie da ist: Beteiligung, nicht blosse Propaganda.(Obwohl seine “Propaganda “auch nicht schlecht war)

Bill Clinton`s Wahlkampf hatte den Slogan:”It`s the economy stupid”.
Hinter Obamas gelebten, unglaublich demokratischen slogan “yes we can” steckte die Botschaft:”It´s the culture, stupid”

Es hat, mitten aus dem Politischen heraus, eine unglaubliche Kulturbewegung losgetreten.

Und das ist für mich die grosse Frage:
Die Amerikaner haben mit Innovationen unser Leben beeinflusst: I-pod und I phone, facebook und amazon, und immer wieder : Musik.
Obama wird auch unsere Politik verändern, da bin ich mir völlig sicher.
Wie?
Das wäre doch eine Debatte wert.
Eure Meinung darüber würd mich sehr interessieren

We need to fix capitalism, not install socialism

Das unvermeidliche Pendel.
Erst schlägt es absurd in die eine Richtung aus.
Markt ursuper, Staat böseböse
lass uns Kapitalisten nur arbeiten
unsere Genialität erkennst Du daran, dass Du unsere (Finanz-)Produkte nicht verstehen kannst.

Jetzt wissen wir: Ihre Finanzprodukte haben sie selber nicht kapiert, alle zahlen die Zeche.

Jetzt rast das Pendel in die andere Richtung.
Verstaatlichung als Heilsprodukt.

Thomas L Friedmann hat einen sehr schlauen Kommentar geschrieben.
Stell Dir vor wir haben die Banken verstaatlicht.
Und dann kommen zwei boys…

Let’s imagine this scene: You are the president of one of these banks in which the government has taken a position. One day two young Stanford grads walk in your door. One is named Larry, and the other is named Sergey. They each are wearing jeans and a T-shirt. They tell you that they have this thing called a “search engine,” and they are naming it — get this — “Google.” They tell you to type in any word in this box on a computer screen and — get this — hit a button labeled “I’m Feeling Lucky.” Up comes a bunch of Web sites related to that word. Their start-up, which they are operating out of their dorm room, has exhausted its venture capital. They need a loan.

What are you going to say to Larry and Sergey as the president of the bank? “Boys, this is very interesting. But I have the U.S. Treasury as my biggest shareholder today, and if you think I’m going to put money into something called ‘Google,’ with a key called ‘I’m Feeling Lucky,’ you’re fresh outta luck. Can you imagine me explaining that to a Congressional committee if you guys go bust?”

völlig richtig schreibt Friedmann:

The winners: the strong, the big, the established, the domestic and the safe — the folks who, relatively speaking, don’t need the money. The losers: the new, the small, the foreign and the risky — emerging markets, entrepreneurs and small businesses not politically connected.

Bottom line: We must not overshoot in regulating the markets just because they overshot in their risk-taking. That’s what markets do. We need to fix capitalism, not install socialism. Because, ultimately, we can’t bail our way out of this crisis. We can only grow our way out — with more innovation and entrepreneurship, which create new businesses and better jobs.

So ist es.
Aber das Pendel bleibt ein Hund.