von einem anderen Stern


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Zwei kleine europäische Länder.

Das eine heisst Finnland.
Es hat (das ist bekannt) eines der besten Schulsysteme der Welt.

Und es ist auch führend bei breitbandigen Internetverbindungen, was ohne Zweifel eine ausserordentlich wichtige Infrastruktur der Zukunft sein wird.

Finnland ruht sich aber nicht aus.
Vor kurzem gab es einen Regierungsbeschluss: bis 2016 jwird eder Haushalt in Finnland (und dieses Land ist sehr sehr gross) mit 100 mbit ausgestattet.
Eine intelligente Regulierungbehörde schafft dazu die Voraussetzungen, der Staat finanziert mit, ein staatliches Telekomunternehmen setzt es in führender Rolle um.
(Kurzzusammenfassung samt interessanter links hier)

Das andere Land heisst Österreich.
Nicht nur liegen wir unter dem EU Schnitt, was den Ausbau von Breitband betrifft.
Was tun wir?
Geld in die Hand nehmen, um aufzuholen?
Nein!
Statt die Mitarbeiter/innen der Telekom genau dafür einzusetzen, wird ihnen jetzt viel Geld geboten, damit sie gehen und nichts tun.

Wofür es in Österreich überhaupt keine Kultur gibt:
Eine intelligente Regulierung, welche Unternehmen einen Rahmen gibt, damit auch übergeordnete Ziele umgesetzt werden.

Wieder das absurde Pendel: Früher war Österreich von staatliche Betrieben dominiert. Deren Schwäche war augenscheinlich.
Dann flog das Pendel in die andere Richtung: Markt suuuper, Staat böse.
Wo es keine kluge Regulierung gibt, folgt das Desaster.
Nicht nur Finnland, auch im Mutterland des freien Marktes, den USA gibt es in vielen Bereichen strenge Regulierungen; z.B. im Energiebereich oder im Mediensektor, um nur zwei zu nennen.
Kurzsichtiges betriebswirtschaftliches Denken, Absenz von Regulierung schadet allgemeiner Lebensqualität (Post: keine Versorgung mehr im ländliche Raum) oder zulasten zukünftiger Infrastruktur (Telekom: kaum Breitband) und führt zur sinnlosen Vernichtung von Arbeitsplätzen.

Das nächste Desaster kündigt sich schon an:
Was heute AUA, POST oder telekom heisst, ist morgen der ORF (denn schon heute schreibt er beträchtliche Verluste).
Auch ein Beleg inexisteter Regulierung.
Um heute nur ein Beispiel zu nennen (denn dem ORF möchte ich mich in nächster Zeit ausführlicher widmen):
Warum schadet der Staat dem Wirstchafts-und Fiulmstandort Österreich, dass er ohne jegliche Auflage mehr als 170 Mio Euro in die Werbefenster deutscher Privatsender abfliessen lässt.
Meine Conclusio: Nicht “Markt oder Staat” ist die Alternative.Ein vitaler Markt braucht einen klugen starken regulierenden Staat.
Von dem sind wir derzeit leider meilenweit entfernt.

23 Replies to “von einem anderen Stern”

    1. @sohalt wenn man Deutscher Privatsender in Österreich Werbegelder lukrieren möchte, sollte z.B. festgelegt werden, dass er einen best. Anteil des Geldes in heimische Filmproduktion (Wertschöpfung) investieren muss.
      Oder/und er sollte engehalten sein, ein best. Ausmass an Informationssendungen zu produzieren.
      Solche Regulierungen sind z.B.in Deutschland selbstverständlich.

    2. @cc Gibt es dazu eine Ausnahmeregelung auf EU-Ebene? Sonst kann ich mir nämlich nicht vorstellen, dass das rechtens ist.

  1. Von den Grünen hört man wenig solch guten Argumente.
    Von Herrn Chorherr schon.
    Tja, schade, dass Sie nicht in der Bundespolitik tätig sind. Da würden die Grünen wieder aufblühen.

  2. Zusatz zum Text
    Der Post fehlen auch gesetzliche Regelungen, die sie von privaten Anbietern gleichstellt. z.B. beim Lohn.
    Ein Kollektivvertrag würde da sehr viel helfen, dass private Anbieter kein Lohndumping mehr betreiben können.
    Aber auch strukturelle Maßnahmen wie: private Anbieter müssen auch Infrastrukturmaßnahmen mitfinanzieren.

  3. Netze dürfen nicht privat sein Die Versorgungsleistung der Bürger/innen durch “Netze” darf nicht rein privat sein. Telefon, Internet, Mobiltelefon, (öffentlicher) Verkehr, Post, Strom, Gas, Dienstleister des täglichen Bedarfs müssen in jedem Fall zumindest auch vom Staat zur Verfügung gestellt werden. Dies heißt mE nicht, dass es auch private Anbieter/innen geben darf. In Krisenzeiten sollte jedoch eine Garantie bestehen, dass Netze funktionieren.

  4. 1. Zum Pendel: Sollte ein den klugen Staat vertretender kluger Politiker nicht auch hier gewissermassen antizyklisch argumentieren und den Menschen dann von den Vorzügen des Markts erzählen, wenn die staatliche Regulierung überhand nimmt und von den Vorzügen kluger Regulierung, wenn die “unsichtbare Hand” gerade wieder etwas überhöht wird? Vor welchem Hintergrund führen wir diese Debatte hier? Doch vor dem Hintergrund des überregulierten Österreich, in dem Kleinstunternehmer mit 60%iger Abgabenlast jede Luft zur Entwicklung von vornherein abgeschnürt wird, in dem diese Gelder, die der modernen Arbeiterklasse also fehlen, zu Milliardenhöhe aufgetürmt in Verwaltungsstrukturen der Gesundheits- und Sozialbürokratie versickern, in dem wir uns neun Bundesländer und eine Verwaltungsstruktur leisten, von der jeder Experte auf dem Rücken eines Bierdeckels ausrechnen kann, dass hier zig Milliarden an Einsparungspotential pro Jahr (!) schlummern. Und wir führen diese Debatte vor dem Hintergrund eines Österreich, in dem das “Tafelsilber” entgegen jeder wirtschaftlichen Vernunft immer genau dann verkauft (bzw verschenkt) wird, wenn es genau gar nichts mehr wert ist oder wir noch was drauf zahlen müssen.

    2. Und dennoch träumen wir weiterhin vom “klugen Staat”. Die entscheidende – wenn man so will “philosophische” – Frage ist nicht, ob wir *derzeit* und also mehr oder weniger “zufällig” von einem “klugen starken regulierenden Staat” meilenweit entfernt sind. Sondern die entscheidende Frage ist, ob es wenn wir ehrlich zu uns selbst und realistisch sind, einen solchen “klugen starken regulierenden Staat” langfristig, nachhaltig, dauerhaft so geben kann, dass er im Durchschnitt zu besseren Lebensumständen für mehr Menschen führt als wenn wir ihn nicht so stark regulierend hätten. Oder sprechen da vielleicht doch eine Reihe an systematischen Gründen und historische Erfahrung eher dagegen? Hinter jedem klugen Regulierer kommen zwei dumme mit denselben Hebeln in der Hand. Wir müssen uns die Frage stellen, wo wir wären, wenn wir uns alle drei gespart hätten.

    3. Wenn wir so allgemein von “Regulierung” sprechen, dann geht dabei unter, welche Art von Regulierung hier gewünscht wird. Und wenn ich dann lese, dass “kurzfristiges betriebswirtschaftliches Denken” zur “sinnlosen Vernichtung von Arbeitsplätzen” führe dann frage ich mich schon, ob vor dem Hintergrund solcher Wirtschaftsphilosophie nicht wiederum genau die Art von Regulierung gefordert wird, die die eigenen Ideen ganz konkret und anlassbezogen mit den Mitteln der Politik durchsetzen will. Anstatt durch einen allgemeinen und verlässlichen Rahmen das schaffende, kreative, ausprobierende, auch scheiternde Individuum zu fördern und sich mit den eigenen Ideen geradezu bewusst zurückzunehmen.

    4. Und dann werden AUA, Post, Telekom, ORF als Belege für “inexistente” Regulierung angeführt. Mitnichten. Sie sind das Ergebnis eben nicht “inexistenter” sondern dummer Regulierung und einer Politik, die jede Gelegenheit nutzt, dem Management eines Unternehmens, das den Kunden von der Qualität seiner Leistungen überzeugen muss ins Ruder zu greifen. Aktuelles Beispiel: Faymann verhindert die Schliessung von Postämtern per Verordnung. Kluge Regulierung? Die ZIB2 brachte vorgestern Strasseninterviews mit Leuten aus einem Ort, in dem das Postamt geschlossen wurde. Tenor: jetzt gehts viel einfacher und schneller, weil der Nahversorger es nebenher besser erledigt als vorher das ganze Postamt. Auch eine Wahrheit.

    5. Gerade beim Thema der “Versorgung des ländlichen Raums” müsste man aus grüner Sicht aufpassen wie ein Haftelmacher. Da müssten alle Alarmglocken läuten. So ähnlich wie beim Thema Pendlerpauschale, bei dem die Grünen hin- und hergerissen zwischen ökologischer und sozialer “Verantwortung” ebenfalls keine klare Position einnehmen. Das Leben im Wald, das Leben am flachen Land hat seine Vorzüge, aber eben auch seinen Preis. Wenn wir diesen Preis alle gemeinsam zahlen, wollen mehr aufs Land als wir uns eigentlich leisten können. Also: was (ausser dem gesamten Aufbau unseres Staates) spräche grundsätzlich dagegen, dass sich die Gemeinden ihre Art der Nahversorgung mit Infrastruktur wie zB Briefpost selbst organisieren, selbst bezahlen und ihren Bürgern in Form einer Kommunalabgabe auch selbst aufbürden. Das wäre ein Schritt in Richtung Kostenwahrheit und ein Schritt weg von der Subventionierung des Landbewohners durch den Stadtbewohner.

    1. Maschi hat ein Problem Die Welt/der Mensch läßt sich nicht komplett verdinglichen, der Mensch ist ebenso trieb-, emotions-, traditionsgesteuert wie er vernunftbegabt ist, deshalb greift die purifizierte Rationalität des reinen Liberalismus, die maschi hier so beredt und verdienstvoll vertritt, leider sehr oft viel zu kurz.
      Klar, es ist abstrus, dass sich ein Land, das weniger als halb so groß ist wie Nordreinwestfalen, sich 9 Länder samt Ministerpräsidenten, Regierungen und Beamtenstäben leistet. Diese völlig überflüssige Struktur zwischen EU-Bundesregierung-Gemeinden kostete das Gemeinwohl 120 Milliarden Schilling als das zum letzten Mal seriös berechnet wurde (vor ca 10 Jahren).

      Ich wäre sehr froh, wenn die Grünen ein Volksbegehren starten würden zur Abschaffung der völlig überflüssigen Bundesländer. Die öffentliche Debatte darüber würde den einen oder anderen zum Nachdenken bringen. Aber wir brauchen uns nichts vorzumachen: Gäbe es eine Volksabstimmung, die Befürworter der jetzigen Struktur würden haushoch gewinnen.

      Die Tag für Tag meisteingeschaltete ORF-TV-Sendung ist “Bundesland heute”, die ja keine Sendung ist, sondern neun Sendungen und daher einer der teuersten Routine-Sendeplätze der Welt – würde man die aufgeben für ein “Österreich heute”, wäre der ORF morgen saniert. Doch das ist real nicht durchsetzbar. Sowenig wie die Abschaffung des gesamten Föderalismus-Spuks.

      Und so könnte ich jetzt jeden einzelnen Punkt maschis dekonstruieren: Alles vernünftig, alles sehr durchdacht, alles total lebensfern. Seit die Neocons mit Bush baden gegangen sind und die Marktliberalen vor dem Trümmerhaufen “ihres” Finanzmarkt-Paradises stehen, schaue ich ganz wehmütig meine wunderbaren Hayek-Büchersammlung an und denk mir: Der womöglich gescheiteste Österreicher des 20. Jahrhunderts hat diesen Welt-Unsinn angerichtet/ausgelöst/inspiriert. Irgendwie mag uns der liebe Gott nicht.

    2. Stimme bei Punkt 5 zu.
      Allerdings ergibt das zu deiner sonstigen Argumentation einen Widerspruch. Denn die Gemeinden sind auch der Staat. Aber zumindestens gibt es Kostenwahrheit, wenn die Gemeinden ein Postamt als Angebot an die Bevölkerung finanzieren wollen.

      Beispiele für klug steuernde Staaten gibt es jedenfalls. Die Südostasiaten und Skandinavier z.B. Und Beispiele für dumme Pirvate gibt es auch. Siehe Finanzmarktkrise, die letzlich darauf beruht, dass die Privaten kollektiv entschieden haben, dass der Bau von überdimensionierten Häusern in den amerikanischen Suburbs für Menschen mit geringem Einkommen eine gewinnbringende Investition wäre.
      Letztlich ist es g’hupt wie g’hatscht, denn in jedem Fall entscheiden Menschen und die machen halt häufig einen Blödsinn. Nichts in dieser Welt ist perfekt.

      Gegen die Abschaffung der Bundesländer bin ich auch. Ich habe keine Lust darauf, dass der Schuldenkaiser und Öffi-Feind Pröll nach Wien hinein regiert.

      Zum Thema: In Wien verlegt die Stadt über ihre Betriebe Glasfaser. Das ist schon mal ein Beispiel für einen klugen Staat.

    3. mir kommts auf die art und weise der regulierung an. ich bin kein regulierungsgegner per se, warne aber auch davor, überzogene erwartungen an “kluge regulierung” zu haben. wenn wir den staat wieder zu stark machen, wird er von dummen regulierern missbraucht werden und wir haben am ende weniger gewonnen als verloren.

      ad “ghupft wie ghatscht”. einspruch. der wesentliche unterschied liegt in der fehlertoleranz. wir müssen tendentiell strukturen bevorzugen, in denen unsere eigene dummheit und unzuverlässigkeit keine unmittelbar letalen folgen hat. das betrifft sowohl die die folgen ihres handelns nicht überschauenden staatenlenker, als auch einen regelungsrahmen für die privatwirtschaft, der es dem kleinräumigen agieren erleichtert und nicht nur private bürokratien fördert. übrigens was grosstechnologie anbelangt, eigentlich auch ein grünes thema… und das gewichtigste argument gegen den “weltstaat”, aber das nur zum drüberstreuen, weils grad spass macht…

    4. Zurück in die Zukunft Danke für den Hinweis wieder einmal bei Popper nachzuschlagen, sehr lehrreich in unserer derzeitigen Situation (obwohl Hayek für mich der größere Geist bleibt). Die von Hayek und Popper geteilte und aus ihrer Zeitgenossenschaft nur allzu verständliche Furcht vor totalitären Systemen, die der nächste Schritt sind, der auf die Vorstellung von Planbarkeit wirtschaftlicher und sozialer Konstellationen folgt, bleibt eine “ewig gültige” Warnung. Aber soweit sind wir nicht, der real existierende Sozialismus ist uns immer noch zu nah als Erinnerung.

      Aber so wie der Kommunismus vor 20 Jahren eine von niemandem bezweifelte
      fundamentale Niederlage erlitten hat, so hat der Kapitalismus jetzt eben auch eine erlebt. Das muss man sich mal als Liberaler eingestehen. Vernünftigerweise kann niemand behaupten, dass dies eine Niederlage vis à vis des Kommunismus ist, sondern es ist eine im (vermutlich idealisierten) Vergleich mit der klassischen Sozialen Marktwirtschaft, wie sie im kollektiven Gedächtnis Deutschlands, Österreichs und großer anderer Teile Europas besteht und in anderer Form in den USA als Roosevelt/New-Deal-Nostalgie ihre Urstände feiert (und auf Obama projiziert wird).

      Wir sollten meiner Ansicht nach unseren Diskurs in diese Richtung lenken: In welcher Form wollen wir die Soziale Marktwirtschaft modifizieren, welche Fehler sollten wir auf keinen Fall wiederholen, wie adaptiert man sie auf das 21. Jahrhundert? Dass sie wieder kommt, steht für mich außer Frage: Wenn Merkel jetzt so redet wie Lafontaine vor zwei Jahren, wenn Faymann so klingt wie Pittermann und beide zu wissen glauben, dass man anders Wahlen nicht mehr gewinnen kann auf absehbare Zeit, dann lohnt sich eine andere Diskussion nicht. Das ist der real existierende Post-Kapitalismus, mit dem wir die nächsten Jahre zubringen werden.

    5. Da kann ich recht gut mit – freut mich dass es nun konstruktiv wird – ebenso wie ich bei Chorherrs Erinnerung daran, dass eine Marktwirtschaft einen Regelungsrahmen braucht im Grunde sehr gut mit kann. Nona, würd ich ja fast sagen. (Auch wenn ich überhaupt nicht mitkann, die Niederlage des Kommunismus vor 20 Jahren mit der heutigen “Niederlage des Kapitalismus”, was auch immer der im Gegensatz zur Marktwirtschaft eigentlich genau sein soll, zu vergleichen, das ist nicht vergleichbar, ist jetzt aber nicht so wichtig.)

      Die wichtige konkrete politische Frage bleibt: vor welchem Hintergrund diskutieren wir? Vor dem Hintergrund der globalen Wirtschaft, die insbesondere im Finanzbereich bisher zu wenig (bis gar keinen) Ordnungsrahmen vorfand? Oder vor dem Hintergrund eines Österreich, eines Deutschland, weiter Teile Westeuropas, in dem es selbstverständlich nach wie vor eine “soziale Marktwirtschaft” gibt. Bittschön, ich misstraue dem “kollektiven Gedächtnis”: was war denn vor 20 Jahren wesentlich anders als heute? Nun ja ok, zwei Dinge schon:

      erstens Europa ist mit seiner schon fortgeschritten sozialen Marktwirtschaft (aus meiner Sicht temporär) unter Druck gekommen, weil nun andere auch Marktwirtschaft betreiben. Und zwar aufgrund des Entwicklungsstands vorderhand mal zu Kosten und Bedingungen, die bei uns gottseidank 150 Jahre zurückliegen (auch wenn selbst diese bedingungen für viele menschen dort einen “Fortschritt” darstellen). Vorläufiges Zwischenergebnis dieser für sehr viele Menschen global betrachtet wesentlichen Entwicklung in Europa ist, dass weitere soziale Errungenschaften zum Stillstand gekommen sind oder auch etwas erodieren. Man kann den Frust darüber hier sehr gut verstehen, man kann aber vielleicht gleichzeitig auch das big picture noch wahrnehmen.

      zweitens innerhalb europas wurde und wird – hauptsächlich aber nicht nur vorangetrieben von der europäischen union – privatisiert und liberalisiert. telekom, energie, verkehr etc etc. der grund dafür ist nicht so sehr die “globalisierung”, oder dass wir uns “dem rauhen wettbewerb” stellen müssen, sondern das begann schon spätestens in den 1980er Jahren, vor dem Fall des “eisernen vorhangs”. der hauptgrund war, dass man gesehen hat, dass es mit den alten staatsbetrieben so nicht mehr weitergeht. man kann wirtschaft nicht betreiben, indem man unproduktive arbeitsplätze zementiert. man kann nicht (über)leben, wenn man sich nicht ändert.

      beide entwicklungen erzeugen frust bei vielen von änderungen unmittelbar betroffenen – das verstehe ich – beide entwicklungen kann man aber auch aus meiner sicht nicht einfach “schlecht” finden und “dagegen” sein. weder fundamentale globalisierungsgegnerschaft ist schlau (weil zum allgemeinen besten) noch fundamentale gegnerschaft zur europäischen privatisierungs- und liberalisierungswelle ist schlau (weil zum allgemeinen besten).

      bleibt daher die “grosse” frage: was bedeutet “soziale marktwirtschaft” heute, wenn man nicht zurück in die vergangenheit will, sondern allenfalls “zurück in die zukunft”? wie das paradoxon von flexibilisierung unseres lebens unter aufrechterhaltung sozialer sicherheit lösen? und: ist es überhaupt ein paradoxon oder brauchen wir nicht vielmehr ein gerüttelt mass an sozialer sicherheit, um unsere wirtschaftlichen kräfte erst so richtig zur entfaltung zu bringen?

      von sozialliberaler seite gäbe es eine mögliche antwort darauf, die von mehr werdenden denkenden menschen aus beinahe allen weltanschaulichen lagern (von kommunisten bis katholiken) unterstützt wird: das grundeinkommen für alle. es wurde ua von milton friedman unter dem titel der “negativen einkommensteuer” wesentlich mitkonzipiert. was steht uns am weg dorthin vor allem im weg? der kopf. das was die nazis als zynischen spruch über ihre arbeits- und vernichtungslager geschrieben haben, dominiert nach wie vor unser denken (und ich nehme mich da nicht etwa aus): arbeit macht frei.

  5. was bringts? Als Informatiker kann ich den gesellschaftlichen Wert eines Internetzugangs zwar sehr gut nachvollziehen, allerdings wird das Informations & Bildungsbedürfnis auch mit einer ISDN-Flatrate erfüllt. Die Telekom hat damals mit ihrem verhassten Kind “Aon Complete” mehr für den ländlichen Raum getan, als die ganzen Breitbandanbieter, die wir heute so kennen.
    Ich bin natürlich froh, dass ich im Burgenland 16MBit bekommen könnte (übrigens von einem burgenländischen Anbieter), aber die Sachen, für die sich die Politik interessiert (und zu interessieren hat) brauchen ja nichtmal ein Zehntel der Bandbreite.
    Ist natürlich ein Prestigeprojekt für die Finnen, 100 MBit Anschlüsse zu verteilen – aber (gute) Computerkurse für Leute, die noch keinen Anschluss haben, energischeres Vorgehen gegen Betrüger (z.B. auf eBay), und mehr Zugangsmöglichkeiten sind sicher sinnvoller.

    1. Wolfgang! Ist das dein Ernst? Einem Informatiker muss man wohl diesen sonderbaren Menschenschlag erklären, der die Welt nicht durch Code und einen 17-Zoll-Schirm betrachtet.

      Diese sogenannten normalen Menschen wollen fernsehen, mehr oder minder täglich, im statistischen Schnitt über 2 Stunden täglich. Oder sie wollen eine Spielekonsole spielen. All das geht – theoretisch – sehr viel besser auf 40- oder 50-Zoll-Flatscreens. Auf diesen Faltscreens sieht Standard-Defintion-Fernsehen ziemlich scheisse aus. Das zieht einen Bedarf an HD-Bilder nach sich. Ein Fernsehprogramm in HD benötigt mindestens 12 Mbit pro Sekunde, wenn man es – was vernünftig ist – als IP-TV anliefert. Handelt es sich um Sport oder andere schnell bewegte Inhalte, würden 15 oder sogar 19 Mbit/sec nicht schaden. Die diesbezüglichen Kodex scheinen weitgehend ausgereizt zu sein, “Bandbreitensparen” wird hier künftig nicht mehr viel bringen.

      Wenn also einer im 16 Mbit-Haushalt im Burgendland künftig ein Qualitäts-TV-Programm sehen will und ein anderer in dem Haushalt gleichzeitig surfen will und dabei ein größerer Programm downloaden möchte und ein dritter telefonieren – nicht gerade lebensferne Szenarien – dann wird es schon ganz schön knirschen auf der 16 Mbit-Leitung.

      Wenn ich dann eines nicht allzu fernen Tages einen Blue-Ray-Spielfilm nicht aus der Videothek holen möchte, die im Burgenland weit sein kann, sondern runterladen will, dann wären 30 Mbit schon günstig. Wenn dann einer in diesem Haushalt von zuhause Arbeiten möchte, weil das seine Firma vernünftigerweise anbietet und er dabei in einem fetten CAD/CAM-Programm arbeitet, weil er Maschinenbauer oder Architekt ist; und seine Frau von zuhause ihrer Tätigkeit als Steuerberaterin in einer SAP-Coporate-Anwendung nachgehen will, dann wird es mit 50 Mbit knapp.

      Ich könnte das weiter ausmalen, dazu braucht man nur ein klein wenig Phantasie, die das Leben besser macht: Bürogebäude sind die größten CO2-Produzenten von allen, von zu Hause arbeiten reduziert also nicht nur den Berufsverkehr, sondern wäre der größte Brocken auf dem Weg nach Kyoto und weiter.

      Der Preis dafür? Ein Glasfaserkabel statt einem Koaxialkabel einzuziehen – das Kabellegen selbst ist teuer, nicht der Materialunterschied der Kabel.

      Sorry: Die Finnen spinnen nicht. Die Schmalbandfanatiker “spinnen”.

    2. Hier gehts um Grundversorgung Grundversorgung muss für alle leistbar sein, und HDTV-Fernsehn fällt für mich nicht darunter. Die Leute, die in hohen Auflösungen fernsehn, tun das meistens eh nur mit Blu Rays, selbst in der Stadt.

      Für HDTV gibts außerdem sowieso Sat, was auch die wesentlich effizientere Übertragungstechnik ist. Und “richtiges” IPTV, wo nicht einfach nur gebroadcastet wird, sondern on-demand gesendet, verursacht in Summe so viel Bandbreite, dass du echt Unmengen an Kabeln durchs Land legen musst.

      Ist halt die Frage, ob man ein ländliches Unterhaltungsnetzwerk subventionieren will, denn die meisten Teleworker haben eh nur zuwenig Upload. Da rücken die meisten ADSL-Anbieter auch nicht viel raus, und die TA trennt alle 8h lustig die Verbindung. Und nur weil eine CAD/CAM-Anwendung “fett” ist (was immer du auch damit meinst), verheizt die nicht unbedingt saumäßig Bandbreite.

      Ich sag nicht, dass richtig breites Breitband unnötig ist. Ich bezweifel nur, dass das wirklich etwas ist, worum sich die Politik Sorgen machen muss. Wer das will, kanns ja selber zahlen.

    3. Was aber ist Grundversorgung? Für den einen die berühmt-berüchtigte Krankenkassen-Brillenfassung, der staatlich bezahlte
      Pflichtschulabschluss, oder ein Altersheim mit Mordsschwestern (zur Kostensenkung). Andere
      erwarten sich von der öffentlichen Hand etwas mehr Lenkungsmaßnahmen, zB freien Uni-Zugang., einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, Schnellzugverbindungen etc…
      So hat eben jedes System, jede Ideologie die eigenen Prioritäten: was nicht oben auf der Liste steht, was eh keiner braucht, das sollen sich die Menschen eben selber leisten.
      Könnten wir in die Zukunft blicken, wüssten wir, welchen Zzusammenhang Breitbandverfügbarkeit mit der Ausprägung von IT-Literacy hat, wie sie eine Wissensgesellschaft eben von zukünftigen Arbeitnehmern/Unternehmern abverlangt.

      Vielleicht versteh ich die Kritik an zu viel Bandbreite auf Staatskosten aber als Anregung, dass sich Österreich bitteschön auf seine Kernkompetenzen konzentriert: Skifahren und Mozart-Folklore. Dafür reicht IDSN allemal.

    4. Unglaublich, was einem hier unterstellt wird. Dass es für viele Leute wesentlich wichtiger wäre, beim Wikipedia-Lesen nicht mehr auf die Uhr schauen zu müssen, als dass sie neben dem leechen von Full-HD Kinofilmen noch teleworken können, ist hier wohl noch niemandem gekommen.

      Hier gehts nicht um ISDN vs. Breitband – das Aon-Complete-Beispiel war ein Beispiel, wie man dem ländlichen Raum was gutes anbieten kann. Wenns die Telekom schafft, jedem (!) Haushalt in Österreich 50 MBit anzubieten, solls mir recht sein, aber sie schaffens ja nichtmal, jedem einen ADSL-Zugang anzubieten. Um die ganzen Haushalte, die gar keinen vernünftige Möglichkeit haben, ins Netz zu kommen, muss man sich kümmern. Und nicht, indem man sie damit vertröstet, dass sie in 10 Jahren bei der 50-MBit-Aktion dabei sein werden.

      Klar, dass mir da wieder unterstellt wird, ich würd den Burgenländern nix gönnen, dabei bin ich doch selbst einer. Kommt halt gut, zukunftsweisende Pläne aufzuwerfen, durchsetzen müsst ihrs ja nicht. Das Gigabit-Kabel nach Tschanigraben müsst ihr ja auch nicht zahlen, genausowenig den Strom fürs Rechenzentrum Güssing.

    5. Wolfgang, wir können das klären Ich glaube, die Schlußaussage “Wer das will, kanns ja selber zahlen” bringt es auf den Punkt: hier plädiertst du klar für eine entsolidarisierte Infrastrukturpolitik. Das wundert mich gar nicht in diesem Land, wo eine breite Mehrheit problemlos die massiven Subventionen bei Gesundheitssystem, Bildung und Strassen/Bahnnetzen gutheißt, beim Thema Telekommunikation aber überraschend deutlich auf Eigenverantwortung pocht.

      Aus meiner Sicht sind das die falsch verstandenen Schlüsse aus der Liberalisierung des Telekom-Marktes seit 1996. Weil dieser Markt davor aus Kundensicht überteuert und kundenunfreundlich war, und sich nur wenige Jahre später zum reinsten Konsumparadies incl. Gratishandy für jedermann verwandeln konnte, haben viele Manschen instinktiv ein schlechtes Gefühl beim Thema staatliche Telekominfrastrukturen. Vielleicht weil sie nicht zurück zum Vierteltelefon wollen.

      Nur wird hier verwechselt, daß eine Dritte-Welt Technologie wie Mobilfunk tatsächlich problemlos mit Privatinvestitionen errichtbar/betreibbar ist, wie man am Erfolgsmodell GSM in Afrika nachvollziehen kann. Leitungsgebundene Telekommunikations(breitband)netze, also die Grundlage für die von der EU propagierten Wissensgesellschaft, lassen sich unmöglich in 3 Jahren am Markt refinanzieren und sind daher ohne staatliche Unterstützung nicht herstellbar. Das trifft übrigens in gleichem Maße für die Daten-Rumpelpiste IDSN zu, die selbst im langfristigen Rückblick sowohl bei der deutschen/österreichischen Telekom als klare Fehlinvestition bewertet werden muss.

      Zum Thema Teleworking fällt „dem Informatiker“ nicht besonders viel ein. Vielleicht kann er sich nur schwer vorstellen, daß es eine IT Welt jenseits des Command-Line-Interfaces gibt. Das kommende Cloud-Computing mit ISDN Leitungen wird sicher kein Welterfolg. Auch kein Burgenland-Erfolg.

    6. Nein. Hängt euch nicht am ISDN auf – das war ein Beispiel aus den 90ern, und für die damaligen Kunden wars sehr schön, nix mehr pro Minute zahlen zu müssen.

      Dass ich da als Informatiker wieder als CLI-Autist hingestellt werd, ist eh schon Ö-Norm. Hätt ich vielleicht nicht erwähnen sollen, dass ich einer bin.

      Ich klink mich hier jetzt aus. So ein oberlehrerhaftes Nicht-Akzeptieren einer Meinung haben nichtmal meine Oberlehrer hinbekommen. Gratulation.

    7. Na wenn cc das sagt… …bleib ich noch. Nochmal zum Thema. Ich will da niemandem seine Bandbreite wegnehmen. Ich seh halt nur diese “mehr, mehr, mehr” Argumentation, ohne echte Gründe, wofürs benötigt wird. Mit mehr PS könnt ich dauernd mit Wohnwagen rumfahrn – ist das jetzt zu unterstützen?

      Ich denk halt auch immer an die Infrastruktur dahinter. Solang alle mit dem Nachbarn filesharen sind wir alle glücklich, aber wenn mal 40% des Verkehrs nach Wien geht, und nochmal 40% ins Ausland, kommen da Mengen zusammen, die man erstmal durch die Gegend routen muss. Bei elektronischen Gerätschaften sollte man eh auch bedenken, dass viele Sachen in der Produktion mehr Energie verbrauchen, als während der kompletten Lebensdauer. Ist zwar nicht unsere Energie, sondern die in China, aber so global sollten wir hier schon denken.

      Wie auch immer, ich will (und kann) hier niemandem seine Zukunftsvisionen nehmen. Aber jetzt mal die Situation für die verbessern, dies brauchen, wär ein weit wichtiger Schritt. Ganz Österreich entbündeln, und die letzten Lücken in der Abdeckung schließen – den Rest kann man dann ja in Ruhe planen, wenn man wirklich will.

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