Verblöden wir durch das Internet?

kurze Pause vom Wahlkampf.
Und nachdrückliche Empfehlung, diesen Artikel “is google making us stupid,” sorgfältig zu lesen.

Zielgruppe sind wahrscheinlich (fast) alle, die hier auf diesem blog vorbeischaun.
Mich beschäftigt er intensiv, seit ich ihn vor ein paar Tagen gelesen hab.
Denn die Verhaltensänderungen, die darin beschrieben werden, kann ich teilweise auch bei mir beobachten.

Dabei gehts um die Frage, wie sehr intensivere Internetnutzung, neben all den unbestreitbaren Vorteilen, auch Nachteile bringt, konkret: wie verändert es unser Denken.

Der Autor Nicholas Carr glaubt, dass zum einen die Ablenkungskräfte durch das Internet immens zugenommen hätten. Vor allem aber meint er, dass sein Gehirn sich langsam aber sicher adaptiere und zu einer Art nervösem Flipperautomaten werde: “Mehr und mehr beschleicht mich das unangenehme Gefühl, dass irgendjemand oder irgendetwas an meinem Gehirn herumgebastelt hat. Als ob der Neuronenschaltkreis neu gepolt und die Erinnerung neu programmiert würde. Ich spüre das am stärksten beim Lesen. Früher fiel es mir leicht, mich in einem Buch zu verlieren. Heute kommt das kaum noch vor. Meine Geist schweift nach zwei Seiten ab. Ich werde zappelig, verliere den Faden, schaue mich nach einer anderen Beschäftigung um. Es ist, als müsste ich mein launisches Gehirn immer wieder zu dem Text zurückschleifen. Das konzentrierte Lesen, das mir früher leicht fiel, wurde zu einem anstrengen Akt.‘‘

Schuld daran ist in seinen Augen das Internet, das einen permanent mit kleinen, snackartig aufbereiteten Happen füttere. Die Folge: “Früher war ich ein Taucher im Ozean der Worte. Heute rausche ich auf der Oberfläche entlang wie ein Wasserskifahrer.” Kurzum: Wer surft, verflacht.

Auf diversen blogs ist eine sehr hochstehnde Debatte darüber entbrannt.
Das nur ein Beispiel.
hier ein weiteres

.

Zum Gähnen

Selbst die ambitionierten energiepolitischen Ziele der Grünen haben zuletzt nur mehr für Gähnen gesorgt.Es ist eine ziemlich graue Szene geworden.

schreibt der standard im Hauptkommentar seiner Wochenendausgabe.

Blog heisst für mich auch Regeln brechen dürfen.
Eine Regel lautet: niemals dürfen wir Politiker “Medienschelte” betreiben.

These: Das verheerende Image heimischer Politik hat auch mit dem Zustand des innenpolitschen Journalismus zu tun.

Energiepolitik ist in der Tat fad, zu Gähnen, eignet sich nicht wirklich zur flotten Unterhaltung.
Energiepolitik heisst zum Beispiel (bei der notwendigen Sanierung von schlecht isolierten Wohnhäusern, was uns öden Grünen wichtig ist) mühsam Gesetze reformieren zum Beispiel das “Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz” (gähn, schon das Wort turnt ab).
Wie öd ist erst eine Gesundheitsreform, schon die Verflechtung der Kompetenzen zu erklären, ist nur langweilig.
Aber heissa, DAS ist gar nicht fad, unterhält, empört, sorgt für Schlagzeilen:
zwei Beispiel der letzten Tage:
Ein Landeshauptmann braucht Schlagzeilen. Deswegen packt er, rechtwidrig natürlich, sonst wärs nicht so aufregend, Asylwerber in einen Bus, und “verfrachtet” sie raus aus seinem Bundesland und garniert die Aktion mit markigen Sprüchen.
Die Innenministerin ist auch nicht faul, und, “schenkelklopf” schickt sie dieselben Asylwerber wieder zurück.
Das ist gar nicht fad, zwar ziemlich entwürdigend, und untergräbt weiter das Image der Politik, aber Schlagzeilen bringt es allemal.
In allen Medien.
Und genau deswegen wird es gemacht.

Zweites Beispiel:
In der ZIB2, einer angeblich führenden Politiksendung des “öffentlich-rechtlichen”(Gähnbegriff) ORF , interviewt der Leiter der Wirtschaftredaktion einen gewissen Karl-Heinz Grasser.
Für gelangweilte Gähner: Das ist jener Herr, der hauptverantwortlich dafür ist, dass Tausende Anleger ziemlich aufs Kreuz gelegt wurden, und sehr viel Geld verloren haben, er selbst jedoch dabei paar Millionen Euro verdient hat.
Da gäbe es doch einiges Inhaltliches zu fragen.
Aber das wäre wahrscheinlich zum Gähnen, hat mit Aktienrecht, Haftungen und anderen wenig unterhaltsamen Sachen zu tun, was also fragt statt dessen allen Ernstes der Herr Leiter der Wirtschaftsredaktion:
Wieso trage er, Herr Grasser, seine Haare jetzt so lange.
Lächelnd und charmant erläutert darauf Herr Grasser ausführlich, warum er diese neue Frisur jetzt habe.
Das ist unterhält prächtig.
Kein Wunder, dass Herr Grasser bis heute als möglicher “politischer Überraschungskandidat” gehandelt wird.

Politik in einer Demokratie, das hat einmal ein besonders langweiliger Gähner namens Max Weber gesagt, sei ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß.

Eine besonders wenig unterhaltsame Tätigkeit.

Es gibt statt einer entwickelten Demokratie Politikformen, die sind gar nicht fad.
Aber ziemlich schrecklich zu leben.

Was das alles mit dem Bild oben zu tun hat?
Gar nichts, aber vielleicht ists wenigstens nicht zum Gähnen.

alle Eure Plakate-und weiter!

nicht nur dieses (Idee & Slogan: Michael Schuster, Grafik:Jutta Reichenpfader)

sondern alle sind hier zu finden.

Und so gehts weiter:
Wir haben uns mit dem Wahlkampfteam und unserer Agentur zusammengesetzt, und wollen dieses riesige Potential an politischem Engagement & Phantasie weiter, breiter öffentlich machen.

Konkret:
Schritt 1: Bis zum 10.8. können noch weitere Plakate entwickelt, und bitte hier hochgeladen werden

Schritt 2: dann sollen alle user/innen über ein internet-voting die besten Entwürfe auswählen (11.8-17-8)

Schritt 3: Diese werden dann konkret im Wahlkampf eingesetzt. Als Plakat, (an Dutzenden ausgewählten Flächen in verschiedenen Bundesländern) als Banner, sowie in weiterer geeigneter Form(ideen dafür?).

Schritt 4: Weitere noch umfangreichere Formen, den Wahlkampf via Internet als “offenen Dialog” zu führen sind in Vorbereitung. Wir wollen ein Angebot an die vielen formulieren, die mit dem politischen System in Österreich unzufrieden sind, und gehört werden wollen, konkrete Vorschläge und/oder Kritik (auch an uns Grüne) haben.
Danke für die Vorschläge in postings oder mails, wir wollen wirklich im Rahmen des Möglichen auch einen Wahlkampf 2.0 führen.

PS: Hier auf diesem blog gehts unverdrossen weiter, ich freu mich auf die weitere Debatte.Denn das wird eine ganz entscheidende Wahl.
PPS: Ein bisschen erlaube ich mir stolz zu sein, dass über diesen blog ein wesentlicher Input in den Grünen Wahlkampf erfolgt ist.
Es wird nicht der letzte sein.
Drum: ein grosses Dankeschön an alles Leser/innen und heftige Mitdiskutant/innen.

von 9/11 zu 4/11

“addicted” sind nicht nur “ie Amis”, sondern auch all jene bei uns, die eine Senkung der Energiepreise herbeibeten.

kluge Worte von Thomas L. Friedman in der New York Times:

We don’t have a “gasoline price problem.” We have an addiction problem. We are addicted to dirty fossil fuels, and this addiction is driving a whole set of toxic trends that are harming our nation and world in many different ways. It is intensifying global warming, creating runaway global demand for oil and gas, weakening our currency by shifting huge amounts of dollars abroad to pay for oil imports, widening “energy poverty” across Africa, destroying plants and animals at record rates and fostering ever-stronger petro-dictatorships in Iran, Russia and Venezuela.

When a person is addicted to crack cocaine, his problem is not that the price of crack is going up. His problem is what that crack addiction is doing to his whole body. The cure is not cheaper crack, which would only perpetuate the addiction and all the problems it is creating. The cure is to break the addiction.

Our cure is not cheaper gasoline, but a clean energy system. And the key to building that is to keep the price of gasoline and coal — our crack — higher, not lower, so consumers are moved to break their addiction to these dirty fuels and inventors are moved to create clean alternatives.

hier der ganze Artikel:

I am reliably told by a Bush administration official that there is an old saying in Texas that goes like this: “If all you ever do is all you’ve ever done, then all you’ll ever get is all you ever got.”

Could anyone possibly come up with a better description of President Bush’s energy policy? America is in the midst of its worst energy crisis in years and what is the big decision our Decider has decided? Drum roll, please: Our Decider decided to lift the executive orders banning drilling for oil and natural gas off the country’s shoreline — even though he knew this was a meaningless gesture because a Congressional moratorium on drilling passed in 1981 remains in force.

The economist Paul Romer once said to me that “a crisis is a terrible thing to waste.” President Bush is well on his way to being remembered as the leader who wasted not one but two crises: 9/11 and 4/11. The average price of gasoline in the U.S. last week, according to the Energy Information Administration, was $4.11.

After 9/11, Mr. Bush had the chance to summon the country to a great nation-building project focused on breaking our addiction to oil. Instead, he told us to go shopping. After gasoline prices hit $4.11 last week, he had the chance to summon the country to a great nation-building project focused on clean energy. Instead, he told us to go drilling.

Neither shopping nor drilling is the solution to our problems.

What doesn’t the Bush crowd get? It’s this: We don’t have a “gasoline price problem.” We have an addiction problem. We are addicted to dirty fossil fuels, and this addiction is driving a whole set of toxic trends that are harming our nation and world in many different ways. It is intensifying global warming, creating runaway global demand for oil and gas, weakening our currency by shifting huge amounts of dollars abroad to pay for oil imports, widening “energy poverty” across Africa, destroying plants and animals at record rates and fostering ever-stronger petro-dictatorships in Iran, Russia and Venezuela.

When a person is addicted to crack cocaine, his problem is not that the price of crack is going up. His problem is what that crack addiction is doing to his whole body. The cure is not cheaper crack, which would only perpetuate the addiction and all the problems it is creating. The cure is to break the addiction.

Ditto for us. Our cure is not cheaper gasoline, but a clean energy system. And the key to building that is to keep the price of gasoline and coal — our crack — higher, not lower, so consumers are moved to break their addiction to these dirty fuels and inventors are moved to create clean alternatives.

I understand why consumers think we have a gasoline price problem — because they are immediately hurt by higher gas prices and the pump is where most people touch our energy system. They tend not to see the bigger picture. But that is why you have a president: to explain that and lay out a response.

Alas, we have a president and a vice president who deny that climate change is hurting our environmental body, who refuse to see the connection between the dollars we are shifting abroad and the rise of petro-dictators, who do not care about biodiversity loss and who are apparently untroubled by the sharp decline in the dollar, partly because of all the money we are paying for oil imports. So, they have chosen to define this as a “gasoline price crisis” — not an-addiction-to-a-fuel-that-is-badly-hurting-us-as-a-nation crisis.

If you want to know what an alternative strategy might look like, read the speech that Al Gore delivered on Thursday to the bipartisan Alliance for Climate Protection. Gore, the alliance’s chairman, called for a 10-year plan — the same amount of time John F. Kennedy set for getting us to the moon — to shift the entire country to “renewable energy and truly clean, carbon-free sources” to power our homes, factories and even transportation.

Mr. Gore proposed dramatically improving our national electricity grid and energy efficiency, while investing massively in clean solar, wind, geothermal and carbon-sequestered coal technologies that we know can work but just need to scale. To make the shift, he called for taxing carbon and offsetting that by reducing payroll taxes: Let’s “tax what we burn, not what we earn,” he said.

Whether you agree or not with Gore’s plan, at least he has a plan for dealing with the real problem we face — a multifaceted, multigenerational energy/environment/geopolitical problem.

This moment — $4.11 — represents Bush’s last chance for a legacy. It amazes me how inadequate his response has been. By hectoring the nation to simply drill for more oil, he has profoundly underestimated the challenges we face, misread the scale of the solutions required, underappreciated the American people’s willingness to sacrifice if presented with a real plan, and ignored the greatness that would accrue to our country if we led the world in clean power.

Mineralölsteuer erhöhen!

kluger Ansatz!
ich fürchte aber ,das werden die wenigsten nachvollziehen können.

das ganze Interview mit dem Ökonomen Franz Wirl hier

Frage:Zahlreiche Staaten fordern bereits eine Reduktion der Mineralölsteuern. Ist das die richtige Antwort auf hohe Ölpreise?

Wirl: Für mich ist das völlig absurd. Das ist eine Strategie, mit der Teile der Mineralölsteuer freiwillig an die Ölproduzenten transferiert werden.

Frage: Nach dem Motto: Die beste Waffe gegen hohe Ölpreise sind hohe Ölpreise?

Wirl: Theoretisch zumindest teilweise, nur glaube ich nicht, dass sich Politiker das trauen. Außerdem gibt es ein strategisches Problem. Wer kann sich glaubwürdiger an eine Strategie binden? Wenn alle Abnehmer-Länder gemeinsam die Mineralölsteuer um 50 Prozent erhöhen würden, müsste die Opec die Preise senken, sonst würde die Nachfrage einbrechen. Das Problem ist, dass unsere Politiker höchstwahrscheinlich vor der Opec umfallen werden (weil kaum ein Volksvertreter wagen würde, bei hohen Treibstoffpreisen für höhere Steuern einzutreten, Anm.). Und die Opec weiß das.

das Dachterrassenhaus-Modell gegen die Zersiedelung (2)

Zwischendurch ein bisschen Kommunales.
Nicht zuletzt angeregt von poster/innen, die zurecht meinen, dass wir Grüne viel lauter sagen sollen, WOFÜR wir sind, statt immer nur DAGEGEN zu sein.
Also: DAFÜR bin ich nicht nur, DAS hab ich massgeblich voarangetrieben.
Vor knapp drei Jahren berichtete ich, nicht ohne Stolz, über dieses Projekt. (Kurzbeschreibung des Architekten Rüdiger Lainer darin nachlesen!)
Erst Idee, dann viel Lobbying, Grundstück suchen, Bauträger überzeugen, Wettbewerb mitorgansieren, in der Jury das hoffentlich beste Projekt aussuchen.
Und dann ist es fertig.
Im August ziehen die ersten Mieter ein.
Für mich ist es paradigmatsich, weil hier extrem viel von dem verwirklicht ist, was für mich zukunftsweisenden “grünen” Städtebau ausmacht.
Jede Wohnung hat eine großzügige Terrasse.
Davor der stolze Architekt.

Diese Terrassen haben üppige Tröge (keine kleinen Kisterl), und in wenigen Jahren wird die Fassade mit verschiedensten Pflanzen überwuchert sein.

Jede Wohnung hat Ausblick, auf direkte Besonnung wurde grosser Wert gelegt.

Wichtig die Dächer.
Hier kann man feiern, grillen, Musik machen, Parties organisieren. selbstgewählte Nachbarschaft kann entstehen.

zusätzlich können auf den Dächern, vergleichbar urbanen “Schrebergärten” Beete engemietet werden.

Das ganze ist mitten in Favoriten, zwei Strassenbahnen bleiben unmittelbar davor stehen, in wenig mehr als 10 Minuten ist man im Zentrum.

Kurz zusammengefasst: Urbane Dichte kombiniert mit dem grossen bedürfnis nach Freiraum und Grün.
Ein Dachterassenhaus eben.

Ausserdem.
Ein sehr ansprechendes, helles skulpturales Stiegenhaus:

Natürlich gehört eine ansprechende Fassade auch zu “guter Architektur”, wichtiger aber ist: Wird das ein guter Ort zum besseren Leben?
Ich glaube, hier kann es gelingen.

wozu das Ganze?


design: Jutta Reichenpfader nach Ideen aus diversen postings

Diese Plakataktion soll auch Spass machen.
Dahinter steckt aber viel mehr.
Drum räume ich ihr hier so grossen Platz ein.

Was das Ganze soll?
dazu zwei sehr lesenswerte Kommentare.
Das ist der erste.
V.a. werden dabei die wichtigen Fragen zu einer politischen Kampagne gestellt:


Was wollen wir von der Politik?

Wie soll das Zusammenspiel/die Kommunikation der PolitikerInnen und der Bevölkerung funktionieren?

Wie definiert sich Politik in einer globalisierten, informierten Welt?

Warum ist Politik für uns alle wichtig?

Welche Kanäle werden dafür benötigt, welche nicht?

Diese Fragen , und das steckt hinter der Plakataktion, dürfen nicht nur hinter verschlossenen Parteitüren entschieden werden, sondern sollen auch öffentlich diskutiert werden.
DAS ist der Sinn dieser Plakataktion.

Der zweite Kommentar ist stammt aus dem aktuellen falter und stammt aus der Feder von Armin Thurnher.
Er beantwortet die auch hier häufig gestellte Frage, ob diese Wahl von den Grünen v.a. inhaltlich geführt werden soll. Dies haben etliche poster verneint.

Grüne im Erdölschock?

Es ist wie vor jeder Wahl: Die Grünen wollen nicht
erklären können, warum man sie wählen soll

Kreditkrise: Die US-Regierung stützt kollabierende Banken, um Schlimmeres zu verhindern. Ich bin schon sehr gespannt, wie uns die diversen Neoneos diesmal erklären, dass privat fraglos immer besser ist als der allzeit versagende Staat. Wahrscheinlich betrachten unsere ironischerweise im Staatsblatt Wiener Zeitung publizierenden Speerspitzen des neokonservativen Neoliberalismus auch eine Weltwirtschaftskrise samt zugehörigen Folgen als natürliche Selbstreinigungskraft der Wirtschaft. Wir reden aber heute von etwas anderem.
Wir reden von den Grünen.

Vor jeder Wahl geben die das gleiche Drama. Während bei den Schwarzen die Spindoktoren die Produktion ihrer Giftdrüsen verdoppeln, bei den Roten die kleinen Funktionäre die Sohlen ihrer Laufschuhe aufdoppeln und bei den Rechten diverse Raufbolde ihre populistischen Untergriffe nachdoppeln, was tun da die Grünen? Sie hoppeln ihrer üblichen Vorwahldebatte hinterher und debattieren darüber, welche Slogans in dieser Wahlkampagne wohl angebracht wären.

Ein schöner demokratischer Usus, der regelmäßig den gleichen Unfug produziert:
eine Kampagne, die den Funktionären recht ist, von einer Agentur, die so
erfrischend neu ist, dass sie noch nie was Einschlägiges gemacht hat. Bitte,
diesmal nicht! Die Grünen haben einen dritten Platz zu verteidigen, auch wenn er in den Umfragen längst wieder zu Heinz-Christian Strache gewandert ist, der sich mangels Nächstenliebe in Heinz-Unchristian umbenennen sollte. H-U Strache ließe sich besser skandieren als Hazeh, aber das nur nebenbei.

Strache verhindern, lautet eine der bekannt gewordenen Königsideen der Grünen.
Wunderbar! Da können sie gleich plakatieren: Wir wollen Vierte werden (falls wir nicht aus lauter Höflichkeit noch Herrn Dinkhauser vorbeiwinken). Kann sein, dass Leute jemanden wählen, um jemand anderen zu verhindern. Jörg Haider wurde trotzdem gewählt. Dennoch: Mit dem Namen eines sogenannten Mitbewerbers zu werben, bewirbt eher diesen als den eigenen Kandidaten.

Diese Wahl ist Alexander Van der Bellens letzte Chance. Wer will, dass der
Mann Vizekanzler wird, muss ihn jetzt wählen. Wenn seine Partei will, dass
er’s wird, muss sie ihn bewerben. Seine ökonomische Kompetenz ist gefragt. Und da bekanntlich Pensionisten Wahlen entscheiden, stellt sein Alter keinen Nachteil dar. Das braucht man auch nicht dadurch zu kompensieren, dass man ihm jüngere, feschere Kräfte an die Seite stellt. Der Übermut der Jugend entsteht auch durch die Feigheit des Alters. Don’t put him in a team! Er ist erfahren, wenn man ihn in der Regierung will, muss man ihn jetzt wählen. Nicht: jemand anderen nicht wählen!

Gerade die Grünen wären in der erfreulichen Lage, keinen Personenwahlkampf führen zu müssen. An der Tankstelle findet gerade die umfassendste Grün-Propaganda aller Zeiten statt. Als Sonja Puntscher-Riekmann in grauer Vorzeit, 1990, einen Benzinpreis von 22 Schilling forderte, der nur einen Hauch höher ist als der jetzige, war die Hölle los, die folgende Nationalratswahl ging verloren und Puntscher-Riekmanns grüne Karriere war schnell zu Ende. Heute ist jedem klar, dass die Grünen den Benzinpreis nicht bestimmen, aber dass sie mit ihren klimapolitischen Forderungen Recht haben.

Verstehe, wer will, warum sie ihnen nur auf verschrobene Weise Ausdruck
verleihen können. Es ist alles sehr kompliziert, gewiss. Wenn sich die Grünen nur zu einfacheren Slogans aufraffen könnten! Kaum je haben die Preise für Benzin und Heizöl den Leuten solche Sorgen gemacht wie heute. Die vollkommen aufs Auto und den automobilen Individualverkehr zugeschnittene Verkehrspolitik und eine Industrie, die allzu lange mit der Entwicklung benzinsparender Modelle zugewartet hat, sind dafür verantwortlich.

Man kann Menschen nicht mit der Angst vor Dingen gewinnen, die zukünftige Generationen betreffen. Jetzt aber verstehen sie: Fossile Brennstoffe können sie sich bald nicht mehr leisten. Es ist in ihrem ganz privaten Interesse, aus der Abhängigkeit von Öl und Gas herauszukommen. Der Wiener grüne Abgeordnete Christoph Chorherr hat in seinem Blog einen Ideenwettbewerb ausgerufen. Dort steht ein Plakatvorschlag, der Putin und einen Scheich zeigt und die Frage stellt: “Finanzieren wir Despoten oder die Energiewende?” Das geht in die richtige Richtung, subtrahiert man den grün-korrekten, aber schwachen Begriff der Energiewende. Werbung ist nichts für saubere Finger.

Wir leben im dritten Erdölschock. In Deutschland versuchen CDU und CSU, die Fristen für den Ausstieg aus der Atomkraft zu verlängern, was ihnen vermutlich gelingen wird: Die SPD hält bis zur Wahl 2009 still. Das Ganze läuft unter “sauberer Energie” und als Kampf gegen die Klimaerwärmung, zu dem den G8-Staaten beim jüngsten Gipfel in Hokkaido nicht viel mehr einfiel als heiße Luft. George Bush setzt auf Atomkraft und zündelt weiter am nächsten Krieg, diesmal mit dem Iran, Arnold Schwarzenegger will in Kalifornien per Verordnung die Ökomoderne einführen, während Russland mit Gas Machtspiele treibt. Der indische Premierminister Manmohan Singh wiederum hat seine Regierung mithilfe der Sozialdemokraten gerettet, die einem riesigen Geschäft mit den USA zwecks ziviler Nutzung von Atomenergie zustimmten. Derweil passieren in französischen
Atommeilern Unfälle, die trotz des dortigen Kommunikationsregimes nicht mehr verheimlicht werden können. Und demnächst werden wir bei den Olympischen Spielen in Peking die Athleten unter einem giftigen Smogschleier husten sehen.

Wenn die Grünen mit verblasenen Slogans und auf die eigene In-Gruppe
gerichteten Verklausulierungen diese thematische Energie zum Fenster
hinausblasen, wenn sie diese für sie einmalige Themenkonjunktur nicht nützen können, nützt ihnen gar nichts mehr. Im Übrigen bin ich der Meinung, der Mediamil-Komplex muss zerschlagen werden.

Internet-Wahlkampf

Jutta Reichenpfader hat Michael Schusters Entwürfe “weiterentwickelt”:

Nicht nur Werbegenturen und Parteizentralen, sondern, dank Internet, viele, viele, denen das Politische trotz allem (oder grad weil es gerade so ist wie es ist) ein grossses Anliegen ist, beteiligen sich am Wahlkampf.
Die Plakataktion (nochmals danke an diese ganz vielen!!) hat etwas ins Rollen bebracht.
Montag griff sie sogar “old-media-ZIB2” auf.
Auch die online Jugendsite http://www.chilli.cc/?id=83-1-46 berichtet ausführlich.

Einfügung: Interessant, wie maschi die letzten Tage sieht.
und das ist helges Version.

Zweite Einfügung:
Toms Stellungnahme

Oft wurde ich gefragt, was denn jetzt mit diesen Plakaten passiert.
Dazu zwei Antworten:
Helge schätzt, dass diese, weil so oft verlinkt und kommentiert, bisher schon von mehr als 20 000 Personen gelesen/gesehen wurden.
Und v.a.: Ich habe sowohl mit unserem Kampagnenteam, als auch mit Niko Alm, dem Chef unserer Agentur gesprochen.
Wir machen was draus.
Was genau, überlegen wir diese Woche.

Und abschliessend:
Es kommen laufend weitere Entwürfe.
Diese sind hier so sehen, auch wenn dieses posting dadurch ziemlich lang wird.