feige Grüne?

Von der Opposition, die zuletzt kaum noch vorkam, ist da leider auch nicht viel zu erwarten. Und wenn neben Blauen und Orangen, die jeden Partner nähmen, der mit ihnen regierte, auch der Grünen-Chef Van der Bellen sich lachend wehrt, potenziellen Wählern zu sagen, mit wem und unter welchen Voraussetzungen seine Partei mitregieren würde, darf er sich nicht wundern, dass die Begeisterung enden wollend ist.

Dieser Kommentar im Standard ist nur ein Beispiel von vielen.
Ähnliches war in den letzen Tagen allerorts zu lesen:
Das sei doch feig und prinzipenlos, sich nicht klar vor der Wahl festzulegen, mit wem man nachher koalieren wolle.
Also raus mit der Sprache, Ihr Grüne: Wollt ihr nach den Wahlen mit den Roten oder mit den Schwarzen koalieren.
Wähler/innen hätten ein Anrecht darauf.
In dieser Frage kann ich diese Kritik in keinster Weise teilen.
Denn:
Wie immer wir uns jetzt festlegen würden. Und stellen wir uns vor, auch alle anderen Parteien “schaffen Klarheit” und legen sich fest, d.h. sie schliessen Koalitionen mit bestimmten Parteien nach der Wahl aus.
Dann steigt die Wahrscheinlichkeit extrem, dass nach der Wahl (weil so viel ausgeschlossen wurde)überhaupt keine Regierung möglich ist.
Konkret: Wir würden uns auf “nur mit den Roten, nicht mit den Schwarzen” festlegen. Was, wenn es dafür keine Mehrheit, sehr wohl aber eine schwarz-grüne Mehrheit gäbe.
Hiesse es dann, nicht einmal mit ihnen verhandeln?
Oder man bricht dann das Wahlversprechen (schau nach Hessen), denn irgendwer muss ja regieren.Ist das schlauer?

Sorry, ich halte das “legt Euch gefällig fest” für einen ausgemachten politischen Schwachsinn.
Wir sind keine Lagerpartei, sind also weder kleiner Bruder (Schwester) der Sozialdemokraten oder der Konservativen.
Wir treten mit unseren Inhalten an.
Und wenn sich die Möglichkeit (Mehrheit) ergibt, werden wir versuchen, möglichst viele dieser Inhalte in einer Koalition umzusetzen.
Ob z.B. eine wirkliiche Energiewende mit einer grossen ökosozialen Steuerreform leichter mit der SPÖ oder mit der ÖVP ginge, kann ich, gerade bei Kenntnis der jeweiligen Führungspersonen, beim besten Willen nicht beantworten.
Van der Bellen hat also in dieser Frage völlig recht, auch wenn wir in Kauf nehmen müssen, dafür kritisiert zu werden.

Ölpreis 250 Dollar-na und?

Der Ölpreis steigt weiter.
Und in nicht allzuferner Zukunft wird er die 200 Dollar Marke erreichen.
Was dann?
Bricht dann die grosse Krise aus?
Da ich grad an einem Manuskript zu dieser Frage arbeite, ein Gedanke dazu:
Ich halte die kurzfristigen Möglichkeiten, in Krisensituationen Öl zu reduzieren für weitaus grösser, als viele annehmen.
Denn menschliches (Verkehrs-) Verhalten ist sehr anpassungsfähig.
Zwei Beispiele aus Österreich:
Wenn im Winter heftiger Schneefall angekündigt – und vor der privaten Autonutzung abgeraten wird, sinkt plötzlich der Autoverkehr signifikant. Und gar nichts bricht zusammen.
Oder.
Als vor ein paar Jahren der grosse Streik bei den ÖBB durchgeführt wurde, und alle vor einem totalen Verkehrschaos gewarnt haben, passierte kaum etwas.
Ausser, dass in Wien an diesem Tag die Fahrradnutzung so hoch war wie vorher und nachher nie wieder.

Man betrachte nun folgende Grafik:

(gefunden in diesem sehr interessanten Artikel)

Ein sehr grosser Teil der mit Auto gefahrenen Wege ist “Nahverkehr”.
In Wien ist besonders stark:
Die Hälfte aller mit dem Auto zurückgelegten Wege sind kürzer als 5km.
Eine ideale Fahrraddistanz!

Hier bietet sich entweder das Fahrrad an, oder ein elektrisch betriebenes Moped/Motorrad (vielleicht eine Weiterentwicklung dieses überdachten Modells)
Diese nutzen Energie extrem effizient.
Steigt der Benzin-und Dieselpreis wirklich weiter sehr stark an, bzw.kommt es zu Versorgungsengpässen,wird sich schlicht und rasch weltweit das Verkehrsverhalten v.a. im Nahverkehr drastisch ändern.
Selbst in den USA, obwohl es in Europa mit seinen kompakten Städten sicherlich leichter gehen wird.

Masterplan für das Solarzeitalter

Prominent am Cover des Spektrum der Wissenschaft.
Think big.
Das können die Amis.
Und rechnen uns vor, dass bis 2050 70% des benötigten Stroms solar erzeugt werden kann.
Und die Erdölimporte auf 0 sinken können.
Hier gibts den gesamten Artikel.
Auch die kosten werden beziffert: 420 Mrd Dollar.
Das klingt auf den ersten Blick zwar astronomisch viel, ist aber ein Bruchteil dessen, was der Irakkrieg den USA kostet.
Das hat jüngst Nobelpreisträger Stieglitz errechnet.
Jetzt mag dieser “”Solar Grand Plan” allzu technik-lastig scheinen.
Er zeigt jedoch einmal mehr:
Denkt man “Gross”, ist der totale Umstieg von fossil auf erneuerbar möglich.
Und das zu Kosten, die sich reiche Industrieländer allemal leisten können.
Noch liegt Europa vor den USA, was Energieeffizienz aber auch was die Technologieentwicklung von Solar, Biomasse Wind etc. betrifft.
Noch.
Wann kommt endlich ein einflussreicher EU Politiker und legt diesen europäischen “Solar Grand Plan” vor?
Alles spricht dafür!

wollen sie nicht, oder können sie nicht?

Der Ölpreis steigt weiter.
Bei 100 Dollar vor wenigen Wochen gabs noch grosse Diskussionen, jetzt liegt er schon bei 110 Dollar.
Zur Erinnerung: Ende der 90er Jahre lag er noch bei 10 Dollar.
Die zentrale Frage lautet:
Wird Öl wirklich knapp?

Dazu (peak oil) hab ich schon vor längerem hier einiges geschrieben.
Ist es noch möglich (lassen wir einmal die Klimadiskussion beiseite) den deutlichen Zuwachs des Ölverbrauchs zu decken.
Denn dass immer mehr Öl gebraucht wird, ist unstrittig.
Hier die Entwicklung des Autobestands in China:

Hinzuzufügen ist, dass “wir” in Österreich über 500 Autos je 1000 Einwohner haben.
Und jetzt zur zentralen Frage.
Der Ölpreis steigt und steigt, aber die weltweite Produktion stagniert.
Seit Jahren.

Das hat u.a. damit zu tun, dass in sehr vielen Ländern die Produktion deutlich zurückgeht. Sie sind “post-peak”.
Die USA seit den 70er Jahren.
Und seit ein paar Jahren geht auch die Ölproduktion aus der Nordsee deutlich zurück.

Alles blickt deswegen in den nahen Osten.
Können v.a. die Saudis das auffangen.
Auffangen im doppelten Sinn:
Den weltweiten Nachfragezuwachs befriedigen, und das, obwohl in sehr vielen Földerländern die Produktion zurückgeht.
Noch in jüngster Zeit waren die (USA freundlichen) Saudis “Swing-producers.
D.h. sie haben kurzfristig ihre Produktion ausgeweitet, wenn es notwendig war, bzw zurückgefahren, wenn zuviel Öl am Markt war.
Aber damit scheint Schluss zu sein.
Wollen sie nicht mehr produzieren, oder können sie nicht?
Stimmt zweiteres dann wird die nahe Zukunft enorme Umbrüche bringen.

Wer zu diesem Thema schmökern möchte: hier

DAS kommt, wenn Grün kommt

es lohnt sich, das Koalitionsabkommen (graz (pdf))zwischen ÖVP und Grünen in Graz genau zu lesen.
Es zeigt sehr genau, was kommt, wenn Grün kommt.
Sichtbar sind die konkreten Schwerpunkte im Verkehrsbereich (von Radoffensive,autofreien Stadtteilen bis hin zu neuen Strassenbahnen), eh klar (aber es passiert nirgendwo, wo die Grünen nicht in der Regierung sind) die Grazer Energiewende,
aber auch im eigentlich selbstverständlichen Bereich der Kinderbetreuung bis hin zum Wirtschafts-und Wissenschaftsstandort Graz .
Und noch eins zeigt sich:
Die ÖVP ist weniger eine Inhalts- als eine Machtpartei.
Bei ganz vielen Grünen Forderungen sind sie einfach mitgegangen.
Und die Grazer Grünen haben wirklich gut verhandelt.
Wenn es gelingt, einen grossen Teil dessen, was da vereinbart wurde, auch tatsächlich umzusetzen, wäre das gewaltig.
Grosse Gratulation nach Graz!