8 Replies to “vor dem Klima sind alle gleich!”

  1. Auch mal kleinere Autos Bei der Diskussion um große und kleine Autos stelle ich mir natürlich die Frage, warum ich den kleinen ressourcensparenden Wagen nicht als Unternehmer in Österreich von der Vorsteuer absetzen kann?

    Aber wie immer gilt auch hier: Großes, starkes Auto = Erfolg und Macht. Nur, muss der Staat das indirekt “fördern”?

  2. vom entkoppeln … hab ich hier schon geschrieben:

    http://laurenzennser.twoday.net/stories/4570373/

    es geht hier um die fundamentale frage, ob wachstum in einem ausmaß wie bisher auch bei sinkendem ressourceneinsatz (nicht nur energie, öl, kohle, sondern auch luft, wasser, erze, boden, holz, etc.) möglich ist. nur wenn die absolute entkoppelung gelingt, dann ist wohlstandsgewinn mit nachhaltiger entwicklung vereinbar. bis jetzt ist in der praxis die relative entkoppelung (d. h. die benötigte menge energie pro bip-einheit sinkt über die jahre) das höchste der gefühle. das bedeutet zumindest, dass mit effizienz einiges möglich ist. und da gibt es für die politik viel zu tun (raumwärme, spritverbrauch, stromsparen, …). was aber – und hier wird’s spannend –, wenn uns effizienz im ressourceneinsatz allein nicht zu umweltverträglichen nutzungsniveaus bringt? was, wenn – und diese möglichkeit besteht zumindest theoretisch – unser wohlstandsniveau auf nachhaltige art und weise nicht aufrechtzuerhalten ist?

  3. Nicht alle gleich Wir sind vor dem Klima nicht alle gleich – wir (die reichen Länder) haben das notwendige Geld, die nötigen gesellschaftlichen Strukturen und die erforderlichen Technologien, um mit den Auwirkungen des Klimawandels weitgehend umgehen zu können.
    Für uns wird das Leben einfach nur “teurer” und ja, natürlich im Einzelfall auch etwas gefährlicher. Aber wir sind bei weitem nicht so betroffen von den Auswirkungen des Klimawandels wie Inder oder Bengalen. Auch hier ist die Welt ungerecht, wir haben wieder Glück.

    Für die angesprochene geisteswissenschaftliche Debatte haben Sie, Herr Chorherr, ja mit glaube ich diesem Artikel (http://chorherr.twoday.net/stories/3434276/ – leider nicht mehr abrufbar) ohnehin einen wichtigen Beitrag geliefert – die Frage ist, ob wir es vor uns verantworten können, andere durch den nachweislich von uns gemachten Klimawandel ins Elend zu stürzen.

    1. hier mein Artikel danke für de Hinweis, dass mein Kommentar nicht mehr abrufbar ist. Hab ihn deswegen hier nochmal hergestellt.

      Apokalyptik ist eine schlechte Strategie

      Nein, ich habe nicht die Seiten gewechselt. Im Gegenteil.
      Die Reduktion der Treibhausgase ist eine der wichtigsten globalen Herausforderungen.
      Aber ein zentraler Widerspruch muss zum Nachdenken anregen.
      Ehrliches Nachdenken bedingt, die eigene Strategie grundlegend in Frage zu stellen. Insbesondere dann, wenn seit Jahren (die Konsequenzen des sich beschleunigenden Klimawandels sind ja schon viele Jahre bekannt) die eigene Strategie nichts, im globalen Massstab gemessen, gar nichts bewirkt.
      Um es zynisch zu formulieren: Je mehr wir über die Auswirkungen der Klimaveränderung wissen, desto stärker wächst der Ausstoss der Treibhausgase.
      Derzeit deutet alles darauf hin, dass weltweit die Emissionen von CO2 und Methan nicht sinken, was technisch leicht möglich wäre, sondern weiter steigen. Allen Katastrophenszenarios zum Trotz.
      Vielleicht liegt das aber nicht nur am langsamen Lernen der Menschheit und an der Lobbyismen der Öl- und Autoindustrie, sondern vielleicht war auch die Strategie von uns Umweltschützern und Grünen falsch.
      Denn eine Strategie, die dauernd das Gegenteil dessen bewirkt, was intendiert ist, muss doch einmal hinterfragt werden.
      Der Kern dieser Strategie war und ist, das zeigen Wortwahl und Bilder, das Apokalyptische.
      Wahlweise geht, „wenn wir so weiter machen“, entweder „die Menschheit“ unter, oder gleich „der ganze Planet“. Tief moralisch ist diese Strategie, und seit Jahrzehnten ist es „fünf vor zwölf“.
      Die Natur bekommt nach dieser Stategie eine quasireligiöse Identität, sie muss „beschützt“ und „bewahrt“ werden, sonst „schlägt sie zurück“.
      War es erst die Natur, die wir schützen musste, so ist es jetzt das Klima.
      „Klimaschutz“ wird überall beschworen, das Gegenteil passiert.
      Ich bin inzwischen tief überzeugt, dass diese Strategie der Apokalypse ebenso falsch ist, wie auch diese Analyse des Untergangs, und vielleicht liegt darin der Schlüssel für eine rationale, statt einer apokalyptischen Begründung.
      Machen wir ein Gedankenexperiment:
      Innerhalb der nächsten zehn Jahre, die „uns“ nach Meinung vieler Klimatologen „noch zur Umkehr bleiben,“, geht es schlicht weiter wie bisher: Noch mehr Öl- Gas- und Kohleverbrauch, noch mehr Treibhausemissionen , deutliche Erhöhung des CO2 Gehalts der Atmosphäre.Stellen wir uns schlicht das worst-case Szenario vor.
      Es wird dann weder die Erde untergehen, noch die Menschheit.
      Um in Bildern zu bleiben: Dem Meeresspiegel ist es völlig egal, ob er zwei Meter höher ist oder nicht.
      Klimawandel war in der Erdgeschichte die Regel.
      Der Meeresspiegel war schon Dutzende Meter höher, und ebenso viele Meter tiefer. Es war schon einmal viel wärmer, und ebenso viel kälter
      Die Welt wird auch ohne den Eisbären weiterexistieren.
      99% aller Arten, die im Laufe der Evolution entstanden sind, existieren heute nicht mehr.
      Wo heute fruchtbares Land ist, waren einst Wüsten und umgekehrt.
      Und wenn über das zukünftige Klima eines klar ist: in einigen Tausend Jahren kommt die nächste Eiszeit, die durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe bedingte Klimaerwärmung ist erdgeschichtlich geradezu läppisch.
      Das Problem ist nicht, dass wir „der Natur“, „dem Klima“ irgendetwas Böses antun, es schädigen.
      Das Problem ist ein zutiefst gesellschaftliches.
      Die zentrale Frage ist nicht, ob „die Menschheit“ bedroht ist (sie ist es mit Sicherheit nicht), Menschen können, das zeigt unsere Geschichte und Gegenwart, unter unglaublich schrecklichen Bedingungen existieren.
      Die zentrale Frage ist vielmehr:
      Wie wollen wir leben?
      Und: Was ist uns wertvoll?
      Was der Klimawandel höchst wahrscheinlich bedroht, ist eine bestimmte Art – unsere – menschlicher Zivilisation.
      Wenn der Meeresspiegel deutlich steigt, werden z.B. weite Teile Bangladeshs unbewohnbar werden. Die Zahl der Flüchtlinge wird in die Millionen gehen.
      Aber seien wir ehrlich: Heute fliehen wegen des Bürgerkriegs in Dafur auch Hunderttausende.
      Viele von ihnen versuchen nach Europa zu kommen, und ertrinken elend im Mittelmeer.
      Wohlhabende Reiche haben immer Mittel und Wege gefunden, sich einen Ansturm der Armen vom Hals zu halten.
      „Die Menschheit“ geht deswegen nicht unter, mit Sicherheit jedoch das Asylrecht nach der Genfer Flüchtlingskonvention.
      Und noch mal zurück zum Eisbär.
      Irgendeine „Menschheit“ kann auch ohne Eisbär und ohne die tausenden Tier-und Pflanzenarten leben, die jetzt wegen der Klimaveränderung vom Aussterben bedroht sind.
      Wir könnten aber auch ohne die Werke Leonardo da Vincis leben, wir können auch leben, wenn Venedig in den Fluten begraben wird, wir könnten auch den Central Park in Manhattan verbauen (was übrigens höchst lukrativ wäre, ein Milliardengeschäft).
      Interessanterweise denkt niemand daran letzteres zu tun.
      Weil der Central Park für die Qualität des Leben in New York einfach wichtig ist. “Die Natur“ braucht ihn nicht.
      Wenn Kunstwerke oder historische Gebäude bedroht sind, werden oft grosse Summen aufgebracht, um sie zu renovieren und zu schützen.
      Aus kulturellen Gründen.
      Weil wir lieber mit ihnen, als ohne sie leben wollen.
      „Die Natur“ braucht keinen Regenwald, keine Einbären.
      Aber vielleicht sind das Schätze, die uns wichtig sind.
      Mit denen wir leben wollen.
      Die unser Leben reicherm, schöner und wertvoller machen.
      Oder, wenn wir an den steigenden Meeresspiegel, die zunehmenden Unwetter und die Ausbreitung der Wüsten denken (alles keine Probleme für „die Natur“) ist das eine Frage der Gerechtigkeit. Denn für ziemlich viele Menschen würde dies das Leben schwieriger und gefährlicher machen, viele, sehr viele würden ihrer Existenzgrundlagen beraubt.
      Es geht beim Klimaschutz um die Zukunft einer freien, offenen Zivilisation von bald 9 Mrd Menschen, wo es so etwas wie Menschenrechte für alle, nicht nur für die Reichen gibt.
      Wenn wir nicht anders wirtschaften, und unser Energiesystem grundlegend umbauen, werden sich Kriege (nicht wirklich etwas Neues in der Menschheitsgeschichte), Hungersnöte und grosse Flüchtlingsströme nicht vermeiden lassen.
      Unsere Gesellschaft wird dann eine ganz andere sein, ich fürchte um vieles inhumaner und brutaler.
      „Dem Klima“ und „der Natur“ ist das ziemlich egal.
      Packen wir also die Apokalypse in die Mottenkiste und formen wir die ökologische Frage in eine soziale und kulturelle um.
      Vielleicht funktioniert das besser.

    2. wow Interessanter Artikel.
      Stimme zu was die Natur betrifft. Aber ich denke nicht das die “Reichen” etwas tun, wenn man ihnen den Klimawandel als Gefahr für die Armen verkauft, noch dazu in anderen Teilen der Welt.
      Afrika gehts ja jetzt schon ohne Klimawandel schlecht und es wird relativ wenig geholfen…

      Ich denke effektiver ist es wenn man die lokalen Probleme erwähnt. Beispielsweise dass die Ski-Nation Österreich bald ohne Gletscher, mit immer weniger Skigebieten und weniger Süßwasserreserven dastehen könnte. Das ist keine Apokalyptik sondern wäre ein Verlust von Kultur und österreichischer Identität.

  4. Noch schlafen die Grünen! So meine Variation des letzten Satzes von CCs Presse-Kommentar. Mit dem seit Monaten zur Schau gestellten “Enthusiasmus” der Grünen in Österreich wird sich in der Politik nichts ändern. Nur Schönwetterreden (so wie VdB gestern in der ZiB) und dem Prinzip Hoffnung (auf bessere Wahlergebnisse) wird es nicht getan sein.

    Auch dieser Blog hier wird die Welt nicht verbessern, da nämlich – wie überall im Internet, wo man die große Masse wähnt – in Wahrheit nur immer dieselbe Handvoll Leute ihre Meinung abgibt.

    Ich wünsche mir zum neuen Jahr von den Grünen ENDLICH handfeste Ergebnisse ihrer seit über 20 Jahren vertretenen Politik. Im Kleinen, also konkret zB in der Verkehrspolitik oder bei der Stadt- und Flächenwidmungsplanung. Wo bleibt die Kampagne für eine Citymaut? Wo die permanente Anprangerung des unzureichenden öffentlichen Verkehrs? Wieso wird nicht täglich die ständige (verkehrsbedingte) Verringerung der Lebensqualität in der Stadt thematisiert? Wo ist die Unterstützung für Kleinunternehmen der Nahversorgung?

    Wenn die Grünen nicht bald aufwachen und arbeiten, als ginge es um den Wiedereinzug in den NR, wird sich Ihr Anteil Richtung 10% reduzieren (und der der FPÖ Richtung 20% erhöhen)! Mir ist diese Lethargie völlig schleierhaft!

  5. Immer wieder Kollektivschuld Eigentlich sollte man sich ja bestärkt, motiviert und bestätigt fühlen, wenn man als Radfahrer, Energieverbrauchs-Optimierer, nicht Konsumsüchtiger und Grünwähler einen Artikel eines Grünpolitikers liest oder ein Interview hört.

    Stattdessen wird man häufig per Kollektivschuld in die Ecke gestellt. Da heißt es WIR Europäer, WIR Industrienationen, WIR Österreicher, …
    Wie komme ich eigentlich dazu, in einem Atemzug mit shoppingsüchtigen SUV-FahrerInnen genannt zu werden? Vor den Auswirkungen des Klimas mögen wir alle gleich sein, aber die Verantwortung für die Klimaveränderung ist zu einem großen Teil eine individuelle. Ich persönlich erfülle das Kyoto-Ziel problemlos.

    Nicht nur die Verantwortung, auch die Lösungsansätze werden vom einzelnen hin zu irgendwelchen Institutionen verschoben.

    “Die Technik dazu ist ausgereift, große Teile der Bevölkerung wären gerade in Österreich bereit diesen anspruchsvollen Weg zu gehen. Noch schläft die Politik.”
    Ja, die Technik ist ausgereift und billig. Man nennt sie Fahrrad und die Autofahrer sind ganz offenbar nicht gewillt sie nutzen obwohl ein sehr großer Teil das könnte.
    Und auch beim Autokauf wird selten der kleinste und verbrauchsärmste Benzin- bzw. Dieselmotor gekauft, der noch dazu die billigste Variante wäre. Alle, die das nicht tun, können mir niemals weismachen, dass sie sich Kauf und Verwendung des Autos rational oder im Sinne der Umwelt überlegen. Und genau da liegt der Hund begraben und nicht bei den Autokonzernen oder anderen Institutionen.

    1. möchte das unterschreiben und etwas hinzufügen: die kollektive WIR argumentation entspringt natürlich kollektivem denken – “was die politik vermurkst hat soll auch die politik wieder richten” wäre zwar aus einem gerechtigkeitsaspekt heraus eine verständliche argumentation. auf die art kleben wir aber ein pflaster übers vorherige, solange bis die darunter liegende wunde so aussieht wie die 10 übereinandergeklebten wertmarken meiner wiener linien jahreskarte.

      mehr luft wäre für die dauerhafte heilung zu bevorzugen!

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