nur ned hudeln

mühsam nährt sich das Eichhörchen.
Was ist im Gemeinderat herausgekommen?
Also so schnell geht das nicht, so der Bürgermeister zu unserem Antrag, ab Jänner 2008. alle Wohnbauten in Passivhausqualität zu errichten.
Das wollen die Leut`nicht, da könnt es ja zu einer Verknappung des Baumaterials (von welchem frag ich mich) kommen, haben wir überhaupt genug Experten, und natürlich, in Vorarlberg ist ja alles viel kleiner und anders.
Es folgten Verhandlungen.
Meine Argumente kennen blog Leser/innen.
Herausgekommen ist immerhin:
Passivhäuser erhalten in Zukunft (ab Mitte dieses Jahres)eine deutlich höhere Förderung.
Derzeit läuft ein sehr grossser Bauträgerwettbewerb für ca 1000 Wohnungen (wien 3 eurogate) wo ausschliesslich Passivhäuser errichtet werden.
Im nächsten Jahr soll es zumindest einen weiteren derartigen Wettbewerb geben.
Das positive: Immerhin.
Mir ist keine Stadt (auch international bekannt) wo jährlich mehr als 1000 Wohnungen in Passivhausqualität errichtet werden
Das “Negative”: es geht so langsam, und wieder nur “ein paar”. Angesichts der Dringlichkeit des Klimawandels erschreckt immer wieder die Zögerlichkeit des Vorgehens.
Alles andere scheint wichtiger.
“Sollten wir nicht vorher noch evaluieren?”, beliebte Taktik um zu verzögern.
Aber schliessen wir versöhnlich: Immerhin.
Vielleicht lockt die erhöhten Förderung und alle, auch die Wiener SP kann ja noch dazulernen.

Energiewende im Wiener Gemeinderat

heute (Freitag) gibts am Nachmittag eine grössere Debatte zur Energiewende in Wien. Wir haben eine sog. dringliche Anfrage diesbezüglich an den Bürgermeister eingebracht.
Denn besonders die Städte könnten hier sehr viel tun.
Ein besonderes Anliegen ist mir folgender Antrag:
(Sinngemäss): ab 1.1. 2008 sollen in Wien alle gefördeten Wohnbauten wie in Vorarlberg bereits praktiziert in Passivhausstandard errichtet werden.
Denn:
Wien wächst. Bis 2030 auf 2 Mio Einwohner, das sind 300 000 mehr als derzeit.
Anders ausgedrückt:
Wien baut bis dahin die 2. grösste Stadt Österreich in Wien dazu.
warum nicht auf höchstem energietechnischen Standard.
Es nützt den Bewohnern (niedrige Betriebskosten) und reduziert deutlich CO2 Emissionen.
Bewusst lassen wir über diesen Antrag nicht bereits heute abstimmen, sondern erst im nächsten Wohnausschuss in ein paar Wochen.
Damit es Zeit für Lobbying bei der SPÖ bleibt.
Das zu beschliessen wäre ein echter Durchbruch.
Immerhin baut Wien jedes Jahr ca 5500 geförderte Wohnungen.
Bin auf die Debatte gespannt, und werd nachher berichten.

Finnland und das Buch

Finnland mit seinen 5 Mio Einwohnern ist ein mehr als interessantes Land.
Seine Schulen sind schlicht vorbildlich, seine in den 90er Jahren extrem hohe Arbeitslosiogkeit wurde dradtisch gesenkt, es ist das Land mit der höchsten Akademikerrate in der gesamten EU, die Finnen sind äusserst egalitär (messbar z.B. am mit 26,9 sehr geringen GINI Koeffizienten, der die Einkommensverteilung bewertet), sie geben viel für Forschung aus, und auch für die Entwicklungshilfe.

Ein zentrale Ursache dieser Entwicklung sehe ich darin:
Es ist ein Land in dem extrem viel gelesen wird, eine “Bücherkultur” breit verankert ist.
Weil es so lange dunkel, und in diesem dünn besiedelten Land die Entfernungen so gross sind, wurden und werden Bücher als der Schlüssel zur Welt gesehen.
(Was sicher keine hinreichende Erklärung ist)

Eine Zahl möge das illustrieren.
In Österreich werden jährlich ca 16 Mio Bücher ausgeliehen (bei 8 Mio Einwohnern)
In Finnland sind es 102 Mio (von 5 Mio Einwohnern).
Pro Kopf also das 10 (!)fache.
Finnland ist, im Unterschied zu uns schlicht eine wirklich literale Gesellschaft.
Ceterum censeo:Zu den wichtigsten Aufgaben eines Bildungssystem (Eltern und Schule)gehört es, Kindern das Lesen schmackhaft zu machen.

die österr. Daten sind von hier
die finnischen von hier

moralische Einmischungszone

Über unsere einäugige Armutsdebatte, welche die Zustände in den Slums der Welt völlig ignoriert, hab ich bereits vor ein paar Tagen geschrieben.
Jetzt ist mir dieser Artikel untergekommen.

Mit der Ausweitung der Profitzone geht mehr oder weniger automatisch eine Ausweitung der moralischen Einmischungszone einher.

Globale Nachbarschaft?
Hier kann ein Nachdenken über ein Fundament globaler Mindeststandards, und wer dafür jenseits der Nationalstaaten verantwortlich ist, ansetzen.
Lesenswert und auch wert darüber hinaus zu denken!

Als ob-Politik

Außerdem stellt die SPÖ die Entwicklung eines “Jugendgetränks” in Aussicht, das dem Alkohol Konkurrenz machen soll.
gefunden hier
Das, was Politik eigentlich sein könnte und sollte, grosse gesellschaftspolitische Fragen abzuwägen, und daraus Strategien zu entwickeln, scheint sie immer mehr zu negieren.
Teils will sie nicht, teils kann sie nicht.
(Zugegeben es ist mühsam, und setzt eine gewisse “Zumutung” an die Bevölkerung voraus.)
Stattdessen greift “Als ob Politik” immer mehr um sich.
Sie dient der Unterhaltung, schafft kurzfristig mediale Präsenz, und versucht zu verschleiern, dass ihr Einfluss immer geringer wird.
Tja und so entwickelt eine Partei eben ein neues Getränk.
Falsch!
Sie wird nie eins entwickeln, sie “stellt dies in Aussicht”.
Als ob, eben.

Da war ich kurz schmäh-stad

Die LKW Maut wird jetzt erhöht.
Gut.
Richtung stimmt.
Ziel: Ausweiten aufs ganze Strassennetz.
Einnahmen nicht nur für den Strassenverkehr.
Und weiter erhöhen.
In der Schweiz kostet es das Doppelte.
Aber.
Aber!
Mir bleibt selten die Spucke weg;
vor ein paar Tagen wars jedoch soweit.
Diskussion über die Zukunft der Frächter.
Teilnehmer u.a. Gustav Poschalko, Vorstandsdirektor der Rail Cargo Austria AG, der Gütervekehrstochter der ÖBB.
“Massive Verlagerungen von der Strasse auf die Schiene könnten wir nie bewältigen”, meinte Poschalko,
denn:
“wir haben viel zu wenige Waggons”
“und nicht nur wir, die ÖBB, allen Bahnunternehmen in Europa gehts ähnlich.”
“Und ausserdem ist unser Wagenmaterial am technischen Stand der Kaiser Franz Josef Zeit, wir führen viel zu viel schweren Stahl herum;
Und weil in den letzen Jahrzehnten kaum in Waggons investiert wurde, gibts auch kaum Kapazitäten bei den Waggonbauern und auch kaum technische Innovationen, die dringend notwendig wären.”.
Na bumm.
“Aber ihr wisst doch seit Jahren…, und seid hochbezahlte Bahnmanager…”, versuchte ich zaghaft und ziemlich verblüfft einzuwenden.
“Ja, aber unser Aufsichtsrat ist mit Genehmigungen sehr zurückhaltend, und im Unterschied zu LKWs, die sich in drei Jahren abschreiben, müssen wir bei Waggons Rentabilitätsberechnungen für 20 Jahre nachweisen, und wer kann das schon”.
Es ist schon mehr als absurd.
Da wird der Öffentlichkeit suggeriert, wir brauchen dringend Mega Investitionen in die Bahn (gemeint sind Tunnel) um Güter auf die Schiene zu bringen und es fehlt v.a am Wagenmaterial.
Da gibts offensichtlich keine Lobby wie die Bauindustrie.

einäugige Armutsdebatte

Gut, dass es jetzt bei uns eine Debatte über Armut gibt und über Strategien, diese deutlich zu reduzieren.
Schlecht jedoch, dass sie sich einzig im nationalen Rahmen bewegt.
Vielleicht bin ich derzeit allzusehr von Mike Davis exzellenten Buch “Planet der Slums” gepackt.
Denn dort wird schreiende, tödliche Armut beschrieben.
Das Elend, das in ähnlichen Ausprägungen all fast allen Grossstädten des Südens, aber auch in den zerfallenen Städten der ehem. UdSSR wächst:
Millionen ohne sauberes Trinkwasser, ohne Kanalsisation, oft ohne Toiletten, mühsam aus Abfällen zusammengebastelte Häuser, wegen der Grundstücksspekulation genau in diesen Slums oft auf Müllhalden oder Überschwemmungsgebieten errichtet, extreme Zuwanderung (allein in Dehli eine halbe Million jedes Jahr).
Er beschreibt Länder, in denen mehr als 80% der städtischen Bevölkerung in derartigen menschenunwürdigen Behausungen vegetieren müssen.
Millionenfacher Tod durch vermeidbare Krankheiten (verursacht schlicht durch verdrecktes Wasser und inexistente kanalisation)
Er beschreibt Städte, wo Toiletten ein privatisiertes Geschäft ist, womit einige ein Vermögen scheffeln, die Absenz jeglicher Schulbildung, die staatlichen Räumungen, etc.
Diese geballte Ladung an Information über einen Regelzustand für Hunderte Millionen an Meschen, denen jegliches Menschenrecht genommen wird macht wütend.
In einer Zeit enormen Reichtums (bei uns!).
Und deswegen meine Kritik an unserer Armutsdebatte.
Ja natürlich, es gibt Armut auch bei uns, und mann kann und muss etwas dagegen tun.
Aber warum diese nationale Fixierung?
geht uns das nichts an?
gehts wirklich nur um Umverteilung im nationalen Rahmen?
Welche Konsequenz haben die “allgemeinen Menschenrechte?
Ists bloss Schicksal, wenn Du in Dhaka, Lagos oder Kalkutta geboren bist?
Hast du keinerlei Recht, auf soetwas wie “internationale Solidarität”?
Gewiss, Antworten sind nicht einfach.
Schlicht die Entwicklungshilfegelder zu erhöhen, wird nicht das Klügste sein.
Aber gerade weil es dabei auch und besonders um öffentliche Armut geht (keine Wasserversorgung, keine Toiletten, keine Gesundheistversorgung, keine Schulen) könnte ein neuer Begriff von “Sozialstaat” uns weiterhelfen.
Wie wärs mit einer Debatte über eine “internationale Grundsicherung”.
Und wenns nur heisst: Jede/r hat ein Recht, nicht vor seine Tür scheissen zu müssen.