bei uns für umöglich gehalten

Der LKW-Verkehr geht zurück.
Deutlich sogar.
Der Schienenverkehr wächt absolut, aber auch relativ.

Dieses Wunderland ist die Schweiz.
Dort hatten sie den Mut 2001 die LSVA einzuführen.
Eine “leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe”.
Der Unterschied zur österr. Maut:
1.) Sie ist deutlich höher
2.) Sie gilt im gesamten Strassaennetz und nicht nur auf der Autobahn
3.) Die Einnahmen sind nicht wie bei uns für den Strassenbau (ASFINAG) zweckgebunden, sondern zwei Drittel davon geht in die Schiene.

So einfach ists.
Politik kann viel, wenn “sie will”

Bei uns? Hier glaubt man noch immer, dass steigender LKW-Verkehr quasi- naturgesetzlich ist.

DIe Schweizer Studie über schweizschiene (pdf) enthält weitere interessante Daten.

deformierte Wahrnehmung

In heutigen (Do) Kronenzeitung starrt uns ein entsetzten Frauengesicht entgegen, das einen Zapfhahn in der Hand hält.
Illustriert wird damit die ewigen Geschichte über den armen geschröpften Autofahrer.
Deutlich kleiner ist eine andere Geschichte beschrieben, jene über die Erhöhung der Öffi-Tarife in Wien.
Hab kurz nachgerechnet.

Öffi Einzelfahrschein 1991 14ÖS (1,02 Euro)
neuer Tarif: 1,7 Euro
eine satte Erhöhung um 67 %

Jahreskarte Wiener Linien Erhöhung (seit 91)um 51%

das allgemeine Preisnivieau (Inflation ) hat sich in diesem Zeitraum (91 bis heute) um 38% erhöht.
Öffi-Tarife stiegen also signifikant stärker.

Zum Vergleich: Preisentwicklung Normalbenzin 1991-2007: plus 57%

Diese Tabelle ist immer sehr hilfreich, um Klarheit in die Energiepreisdebatte zu bringen.

Infrastruktur für gestern

Das Glück vieler Regierungen liegt darin, dass sich die meisten Menschen ab einer bestimmten Grössenordnung Zahlen nicht mehr vorstellen können.
Das, was die Regierung bis 2020 in Strasse und Schiene verbauen will (41 Mrd Euro) ist gewaltig.
Nur ein Vergleich:In der Wiener Donaustadt fehlen höhere Schulen, eine AHS zu errichten kostet je nach Grösse 20 Mio aufwärts.
Das Programm hiesse zweitausend derartige Schulen (die nicht notwendig wären, aber ein paar sind dringend benötigt)
Oder: der Klimaschutzfonds wird mit 500 Mio einmal dotiert.
Strassen und Schiene ausbauen scheint 80 mal so wichtig.
Ich spare mir nachzuweisen, was dieses Invest-Programm für die Zersiedelung und damit für vermehrte CO2 Emissionen bedeutet.
Es zeigt sich nur eins:
Österreich ist unglaublich reich.
Und hat eine Regierung, die nicht begriffen hat, dass die Infrastruktur des 21. Jhdts hervorragende Schulen und Universitäten sind, und nicht noch mehr Autobahnen.
Im übrigen in einem Land,das bereitsan der europäischen “Spitze” liegt, was die bereits gebauten Autobahnkilometer je Einwohner betrifft.

Wunsch-Wirklichkeit?Unfähigkeit!

Wie absurd heimische (Klima-)Politik funktioniert, frappiert mich immer wieder.
da legt die Bundesregierung lange angekündigt ihre Klimastrategie vor.
Darin finden sich auch durchaus positive Ansätze.
So findet sich z.B. auf Seite 8 folgender Satz:
50% des Neubaus an Gebäuden (Wohn- und Dienstleistungsgebäude) sollen künftig gemäß Regierungsprogramm 2007 im klima:aktiv-Standard errichtet werden (Niedrigenergie- und Passivhausstandards);
Wie in diesem blog schon oft beschrieben, haben moderne “Dienstleistungsgebäude”, va. neue Bürohäuser, aber auch Spitäler oder Pflegeheime extrem hohe Stromkosten für Klimaanlagen, weil der Kühlbedarf kaum in die Planung einfliesst.
Will man erreichen, dass die Hälfte davon den (begrüssenswerten) klima.aktiv standard erreichen, muss man auch sagen, wie man das erreichen will.
Dafür gibts ein Instrument im Rechtsstaat: Die Bauordnungen.
Also müsste rasch ein Anlauf genommen werden, nicht nur Stiegenbreiten etc. in den Bauordnungen zu normieren, sondern auch technische Zielgrössen für minimalen Kühlbedarf.
Fast gleichzeitig flattert mir eine Novelle der Wiener Bauordnung auf den Schreibtisch, die genau das zum Inhalt haben sollte, aber für Bürogebäude nahezu nichts vorsieht.
Ich hab jetzt schon alle möglichen Gruppen mobilisiert, dass sie negative Stellungnahmen zu diesem Entwurf abgeben, und die Baupolizei auffordern, diese so notwendigen regulative, die es in anderen Staaten längst gibt auch in Wien einzuführen.
Ich denke und hoffe, dass mir hier einiges gelingen kann.
Aber: Wie ist soetwas 2007 möglich?
Wo ist hier Bürgermeister, Umweltstadträtin ober auch der Umweltminister, der doch auch solches wissen müsste, und viel wirksamere Wege kennen müsste.
Wenn die Politik schon bei einem verhältnismässig einfache Bereich (Baunormen für energieeffiziente Bürohäuser) versagt, wie sollen dann wirklich schwierige Bereiche gelingen?
Ist es ihnen, allen Beteuerungen zum Trotz, schlicht egal?

Transdanubien ist anders

in diesem Fall leider

In Transdanubien fahren weitaus mehr Menschen mit dem Auto, und weniger mit der “Öffis” als auf der anderen, der “alten”Seite der Donau.
Eine der Ursachen liegt im viel zu dünnen Strassenbahnnetz (hier ausgedrückt in Strassenbahnkm je km2)”drüben”.
Versprochen sind zusätzliche Linien und Linienverlängerungen seit Jahren, es passiert wenig.
Vielleicht nützt auch hier die Klimadebatte.

ORF Report

Einer der Hauptgründe dieses blogs liegt schlicht daran, dass ich grossen Wert darauf lege, selbst bestimmen zu können, “wofür ich eigentlich bin”.
Hier bin ich selbstAutor, Chefredakteur und Herausgeber.
In der journalistischen Vermittlung (ob Zeitung v.a. aber auch Fernsehn)geht extrem viel Inhaltliches verloren, verändert sich, wird manchmal bewusst verändert, weil – klarerweise – Journalisten auch eine eigene Meinung haben.
Der ORF Report hat jedenfalls meinen Kommentar, und so wurde ich ausführlich zum Klimawandel im allgemeinen, zu meinen Thesen im besonderen gefragt.
Obs mir gelungen ist, das wesentliche zu formulieren?
Habe grosse Zweifel.
Bin aber gespannt.
Di abend, Report ORF2.

ist wirklich alles böse?

gute Frage auf orf.at
Denn sie trifft den Kern.
Eine nachhaltige Wirtschaftsweise bei uns, die jenen Meschen (in Cina, Indien, Vietnam, etc.etc.) , welche auch Wohlstand möchten, ein gewisses Recht auf “Naturverbrauch” zugesteht, heisst:Eine andere Industriegesellschaft.
Die Energieintensität unserer Lebensweise, die bisher unter völliger Bewusslosigkeit einfach war, die scheint vorbei zu sein.
So sollten wir auch “die Transitlawine” betrachten.
Wenn ausschliesslich die komperativen Kosten der Produktion gelten, der Strassentransport überall öffentlich subventioniert wird, dann steigt – ach wie überraschend – auch das LKW Volumen.
Wenn uns anderes wichtiger ist (z.B. weniger Abgase, weniger Lärm, weniger Unfälle) dann sollte das in die Rechnug einfliessen.Wenn Transport entsprechend “bepreist” wird, wie z.B. der “Faktor” Arbeit, dann wird er “rationalisiert”.
Eigentlich stimmt mich die Debatte der letzten Wochen ganz optimistisch.
Langsam dämmert einer grossen Anzahl von Menschen, wie viel sich sehr grundlegend ändern muss.
All das ist kein technisches Problem, sondern eines der gesellschaftlichen Prioritäten.
Warum z.B. die EU eine Höchstgrenze für LKW Maut verordnet hat, keine jedoch für die Lohnsteuer, das muss sie unter der Überschrift “nachhaltigkeit” erst einmal erklären.
Wir stehen zwar erst am Anfang, aber immerhin.

Zeit für Grundsätzliches

Diesen Artikel wollt ich schon sehr lange schreiben.(und weil der link zum standard nicht für alle funktioniert, hier im Volltext nachgebessert.
Blog-Leser/innen wird manches nicht ganz neu sein.

Er ist mir ein grosses Anliegen.

Auch wenn die Gefahr gross ist, dass der Grundgedanke missverstanden und als Argument gegen die Energiewende eingesetzt wird.
Aber man soll die Intelligenz der anderen nie unterschätzen.

Apokalyptik ist eine schlechte Strategie

Nein, ich habe nicht die Seiten gewechselt. Im Gegenteil.
Die Reduktion der Treibhausgase ist eine der wichtigsten globalen Herausforderungen.
Aber ein zentraler Widerspruch muss zum Nachdenken anregen.
Ehrliches Nachdenken bedingt, die eigene Strategie grundlegend in Frage zu stellen. Insbesondere dann, wenn seit Jahren (die Konsequenzen des sich beschleunigenden Klimawandels sind ja schon viele Jahre bekannt) die eigene Strategie nichts, im globalen Massstab gemessen, gar nichts bewirkt.
Um es zynisch zu formulieren: Je mehr wir über die Auswirkungen der Klimaveränderung wissen, desto stärker wächst der Ausstoss der Treibhausgase.
Derzeit deutet alles darauf hin, dass weltweit die Emissionen von CO2 und Methan nicht sinken, was technisch leicht möglich wäre, sondern weiter steigen. Allen Katastrophenszenarios zum Trotz.
Vielleicht liegt das aber nicht nur am langsamen Lernen der Menschheit und an der Lobbyismen der Öl- und Autoindustrie, sondern vielleicht war auch die Strategie von uns Umweltschützern und Grünen falsch.
Denn eine Strategie, die dauernd das Gegenteil dessen bewirkt, was intendiert ist, muss doch einmal hinterfragt werden.
Der Kern dieser Strategie war und ist, das zeigen Wortwahl und Bilder, das Apokalyptische.
Wahlweise geht, „wenn wir so weiter machen“, entweder „die Menschheit“ unter, oder gleich „der ganze Planet“. Tief moralisch ist diese Strategie, und seit Jahrzehnten ist es „fünf vor zwölf“.
Die Natur bekommt nach dieser Stategie eine quasireligiöse Identität, sie muss „beschützt“ und „bewahrt“ werden, sonst „schlägt sie zurück“.
War es erst die Natur, die wir schützen musste, so ist es jetzt das Klima.
„Klimaschutz“ wird überall beschworen, das Gegenteil passiert.
Ich bin inzwischen tief überzeugt, dass diese Strategie der Apokalypse ebenso falsch ist, wie auch diese Analyse des Untergangs, und vielleicht liegt darin der Schlüssel für eine rationale, statt einer apokalyptischen Begründung.
Machen wir ein Gedankenexperiment:
Innerhalb der nächsten zehn Jahre, die „uns“ nach Meinung vieler Klimatologen „noch zur Umkehr bleiben,“, geht es schlicht weiter wie bisher: Noch mehr Öl- Gas- und Kohleverbrauch, noch mehr Treibhausemissionen , deutliche Erhöhung des CO2 Gehalts der Atmosphäre.Stellen wir uns schlicht das worst-case Szenario vor.
Es wird dann weder die Erde untergehen, noch die Menschheit.
Um in Bildern zu bleiben: Dem Meeresspiegel ist es völlig egal, ob er zwei Meter höher ist oder nicht.
Klimawandel war in der Erdgeschichte die Regel.
Der Meeresspiegel war schon Dutzende Meter höher, und ebenso viele Meter tiefer. Es war schon einmal viel wärmer, und ebenso viel kälter
Die Welt wird auch ohne den Eisbären weiterexistieren.
99% aller Arten, die im Laufe der Evolution entstanden sind, existieren heute nicht mehr.
Wo heute fruchtbares Land ist, waren einst Wüsten und umgekehrt.
Und wenn über das zukünftige Klima eines klar ist: in einigen Tausend Jahren kommt die nächste Eiszeit, die durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe bedingte Klimaerwärmung ist erdgeschichtlich geradezu läppisch.
Das Problem ist nicht, dass wir „der Natur“, „dem Klima“ irgendetwas Böses antun, es schädigen.
Das Problem ist ein zutiefst gesellschaftliches.
Die zentrale Frage ist nicht, ob „die Menschheit“ bedroht ist (sie ist es mit Sicherheit nicht), Menschen können, das zeigt unsere Geschichte und Gegenwart, unter unglaublich schrecklichen Bedingungen existieren.
Die zentrale Frage ist vielmehr:
Wie wollen wir leben?
Und: Was ist uns wertvoll?
Was der Klimawandel höchst wahrscheinlich bedroht, ist eine bestimmte Art – unsere – menschlicher Zivilisation.
Wenn der Meeresspiegel deutlich steigt, werden z.B. weite Teile Bangladeshs unbewohnbar werden. Die Zahl der Flüchtlinge wird in die Millionen gehen.
Aber seien wir ehrlich: Heute fliehen wegen des Bürgerkriegs in Dafur auch Hunderttausende.
Viele von ihnen versuchen nach Europa zu kommen, und ertrinken elend im Mittelmeer.
Wohlhabende Reiche haben immer Mittel und Wege gefunden, sich einen Ansturm der Armen vom Hals zu halten.
„Die Menschheit“ geht deswegen nicht unter, mit Sicherheit jedoch das Asylrecht nach der Genfer Flüchtlingskonvention.
Und noch mal zurück zum Eisbär.
Irgendeine „Menschheit“ kann auch ohne Eisbär und ohne die tausenden Tier-und Pflanzenarten leben, die jetzt wegen der Klimaveränderung vom Aussterben bedroht sind.
Wir könnten aber auch ohne die Werke Leonardo da Vincis leben, wir können auch leben, wenn Venedig in den Fluten begraben wird, wir könnten auch den Central Park in Manhattan verbauen (was übrigens höchst lukrativ wäre, ein Milliardengeschäft).
Interessanterweise denkt niemand daran letzteres zu tun.
Weil der Central Park für die Qualität des Leben in New York einfach wichtig ist. “Die Natur“ braucht ihn nicht.
Wenn Kunstwerke oder historische Gebäude bedroht sind, werden oft grosse Summen aufgebracht, um sie zu renovieren und zu schützen.
Aus kulturellen Gründen.
Weil wir lieber mit ihnen, als ohne sie leben wollen.
„Die Natur“ braucht keinen Regenwald, keine Einbären.
Aber vielleicht sind das Schätze, die uns wichtig sind.
Mit denen wir leben wollen.
Die unser Leben reicherm, schöner und wertvoller machen.
Oder, wenn wir an den steigenden Meeresspiegel, die zunehmenden Unwetter und die Ausbreitung der Wüsten denken (alles keine Probleme für „die Natur“) ist das eine Frage der Gerechtigkeit. Denn für ziemlich viele Menschen würde dies das Leben schwieriger und gefährlicher machen, viele, sehr viele würden ihrer Existenzgrundlagen beraubt.
Es geht beim Klimaschutz um die Zukunft einer freien, offenen Zivilisation von bald 9 Mrd Menschen, wo es so etwas wie Menschenrechte für alle, nicht nur für die Reichen gibt.
Wenn wir nicht anders wirtschaften, und unser Energiesystem grundlegend umbauen, werden sich Kriege (nicht wirklich etwas Neues in der Menschheitsgeschichte), Hungersnöte und grosse Flüchtlingsströme nicht vermeiden lassen.
Unsere Gesellschaft wird dann eine ganz andere sein, ich fürchte um vieles inhumaner und brutaler.
„Dem Klima“ und „der Natur“ ist das ziemlich egal.
Packen wir also die Apokalypse in die Mottenkiste und formen wir die ökologische Frage in eine soziale und kulturelle um.
Vielleicht funktioniert das besser.