Exportschlager Bikecity & Biomassekraftwerk

Unverhoffte Überraschung hier in Suedafrika:
Da erreicht mich ein Mail aus Mailand, wo man von unserer Bike-City gehoert hat.
Zur Erinnerung:
Eine Wohnsiedlung am Nordbahnhofgelände erreicht für Menschen, die v.a das Rad benutzen. d.h. Auf 50% der gesetzlich vorgeschriebenen Stellplaetze wird verzichtet, das eingesparte Geld wird in Radinfrastruktur, Sauna, und die Freitraumgestaltung gesteckt.
Für manche unerwartet der Anklang: Für knapp 100 Wohnungen gibt es derzeit 1900 Voranmeldungen. Bin deswegen dabei, weitere Projekte dieser Art durchzusetzen, was leider nicht ganz einfach ist, weil Garage & Auto bei den meisten SP PolitikerInnen eine heilige Kuh darstellen.
Umso mehr freut es mich, dass jetzt bei einem grossen Stadtentwicklungsprojekt in Mailand, wo man von unserer bikecity gehörrt hat, eine Realisierung ernsthaft erwägt.

Schön auch der zweite “Export”
nachdem die Bundesforste (in Kooperation mit Wiener Energie) mit dem Wiener Biomasse/Kraftwerk viel Know How erworben hat, wird jetzt in Uganda, wo – wie überall in der Welt – der Stromverbrauch stark wächst, statt Atom oder Fossil ein Kraftwerk gefeuert mit Holz errichtet. Die Bundesforste wurden beauftragt, das Projekt mitzuentwickeln.
Klar wird man sich anschaun, und ich werd mich nachdrücklich erkundigen, wie da das Holz gewonnen wird, aber Uganda ist ein Waldland. Aufgrund klimatisch günstigerer Bedingungen erreichen die jährlichen Zuwachsraten der indigenen Laubhölzer mit 40 Festmetern pro Hektar Fläche ein Vielfaches der in Österreich erzielbaren Menge.
Es freut mich jedenfalls, dass das Anregen und durchsetzen derartiger Projekte solche Folgewirkungen hat.

Schaut so die Zukunft der Schule aus?

dieses posting ist wieder aus Suedafrika geschrieben, wo ich weitere sarch-Projekte vorbereite.
Sowohl die TU-Muenchen, als auch die Fachhochschule in Dessau (Sachsen Anhalt) sind derzeit in der Planungsphase.
Die einen wieder mit einem Kindergarten, die anderen mit einer Bibliothek.

Wieoft ich in den naechsten zwei Wochen den Weg ins Internt-Cafe finde weiss ich nicht, und oftmals ist dann dort die Verbindung “down”.
mal sehen.
Heute hab ich mir ein grosses Schulbauprojekt angesehen, und obwohl mir viel an kritischer Bewertung dazu einfaellt, will ich hier bloss die fakten schildern.
Denn mich laesst das Gefuehl nicht los, dass so in einem Grossteil der Welt die Zukunft der Schule aussehen wird.
Ort:Southdown zwischen Johannesburg und Pretoria gelegen. Ein riesiges Immobilienprojekt mit taisenden Wohnungen, Einkaufszentrum,etc.
Aber heute gehen solche Projekte weiter: Da die Wohnungen vermarktet werden muessen, und der Staat mit dem Schulbau weder quantitativ noch qualitativ nachkommt, gruendet die Immobilienfirma eine Tochter heuert einen sehr faehigen ehemaligen Direktor an und “developt” einen riesigen Schulkomplex, der wirklich alle Stueckerl spielt (taeten wir in Wien sagen) riesige Sportareale (Fussball Schwimmbad, Tennis, etc), Kindergaerten, wunderschoene Freibereiche,Raum und equipment fuer vielfaeltige Kunstaktivitaeten.
Von der Lehrerauswahl bis zum Management der Schule wird auf hoechste Qualitaet Wert gelegt.
Und das “Konzept”: viele der Eltern, die auf der Suche nach einer neuen Bleibe sind, schauen genau,welche Schulen es fuer ihre Kinder gibt.
Und da die meisten (beide Eltern ) ganztags arbeiten, bevorzugt man Schulen, die alle Freizeitaktivitaeten anbieten.
Das ganze hat seinen Preis, ca 25000 Rand im Jahr, das sind ca 3000 Euro.
Weniger Kilometer suedlich in den townships.
Auch eine high school, “public” gefuehrt.
Kaum ausreichend Lehrer, die Gebaeude heruntergekommen,Unterricht findet statt oder auch nicht, hier wird sichtbar Zukunft vernichtet.
Man koennte sagen, die Erkenntnis ist banal:
Wenn der Staat nicht in der Lage oder willens ist, fuer qualitaetsvolle Schulen zu sorgen, weiss der Kapitalismus genau, dass heir Nachfrage besteht.
Und so verschaerfen sich die gesellschaftlichen Unterschiede weiter.
Insofern kann man nicht genuegend argumentieren, der enormen zivilisatorischen Errungenschaft, einem breiten, qualitaetsvollen oeffentlichen Schulwesen sowohl die ausreichenden ressourcen zu geben, aber auch genuegend Freiraum fuer Vielfalt, Experimente und “Kundenwuensche” (z.b. ganztaegige Betreuung oder flexiblere Ferienregelungen)
Gerade weil mich das heute gesehene Beispiel wegen seiner offensichtlichen hohen Bildungsqualitaet beeindruckt hat, und fuer Schulen in freier Traegeschaft sehr viel Sympathie verbinde, darf sich der Staat m.E. in diese Bereich nicht zurueckziehen.
Jedoch:
In den meisten der “emerging economies” duerfte das heute Gesehene nicht die Ausnahme sondern die Regel darstellen.
Dort ist das die Schule der Zukunft-fuer jene, die es sich leisten koennen.

35 Mio sind ein Witz

War das Gusenbauers grosse Bildungsreform? Ja natürlich werd ich Ministerin Schmied eine Chance geben, aber hat sie nicht von den KoalitionsverhandlerInnen Eisenkugel an die Füße bekommen. Unglaubliche 35 Mio Euro Mehrausgaben wurden für heuer im Bildungsbereich genehmigt. Am Ende der Legislaturperiode sollen es läppische 200 Mio. sein. Zum Vergleich: Die “läppische” Vermögenssteuer, die wegen geringem Aufkommen abgeschafft werden soll beträgt in etwa 200 Mio Euro.
Und der Koralmtunnel: 4 Mrd Euro (aber nur wenn´s dabei keine Baukostenüberschreitung gibt) Die Mehreinnahmen aus der Mineralölsteuer aus dem Tanktourismus betragen zwischen 500 Mio und 1 Mrd Euro pro Jahr. Ich spar mir hier aufzuzählen, was an Investitionen (nicht Kosten) im Schulbereich unbestritten notwendig sind (gerade für den Förderunterricht, spezielle Sprachunterstützung, kleinere Klassen, etc. etc.) Es ist unbegreiflich, dass hier nicht aufgeschrien wurde und wird, dass das DER Infrastrukturbereich der Zukunft ist. In die Köpfe zu investieren, statt Löcher in die Erde zu buddeln.
35 Mio!
Ich hab´s erst nicht geglaubt.
Ein Glück für die SPÖ, dass ab einer bestimmten Größenordnung sich kaum wer Zahlen vorstellen kann.
Was mich besonders ärgert: Ich hab Gusenbauer abgenommen, dass er es zumindest ernst meint mit der “grossen Bildungsreform”. Und jetzt dieser läppische peinliche Betrag.
Ich weiß schon, Geld ist nicht alles, aber ohne gehörige zusätzlichen Mittel wir kaum etwas herausschauen.

Kultur – war einmal

Kluges schreibt Joachim Riedl in der neuen (wie immer lesenswerten) zeit über die Kultur-und Bildungspolitik der SPÖ:
Tatenlos nimmt die frühere Kultur- und Bildungsbewegung indes hin, dass der Bereich der bildungsfernen Schichten immer weiter expandiert und sich funktionaler Analphabetismus ausbreitet. Die neue soziale Frage, die aufgeworfen wird, weil ein vergleichsweise kleines Milieu gebildeter Eliten einer wachsenden Gruppe von Bürgern gegenübersteht, die sich, aus welchem Grund auch immer, dem geistigen Leben verweigert, will sich ihr nicht stellen. Geschweige denn, dass sie in ihr eine politische Herausforderung erkennt: Immerhin entsteht dadurch jenes soziale Terrain, auf dem die populistischen Phrasen wuchern können.

Unter anderem hat die SPÖ bei den vergangenen Wahlen wider Erwarten Zuspruch erhalten, weil sie versprach, das verzopfte und betuliche Klima der zurückliegenden Jahre hinter sich zu lassen. Was hätte da die Überraschungsministerin Claudia Schmied bei Amtsantritt sagen können, um dieses Versprechen aufrechtzuerhalten?

Sie hätte etwa Bruno Kreisky paraphrasieren können und zusichern, sie werde versuchen, alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens mit Bildung und Kultur zu durchfluten.

Hat sie aber nicht. Sie erklärte vielmehr, für sie, die viele Jahre in der Wirtschaft verbracht habe, bedeute Kultur »das Erschließen anderer, emotionaler Ebenen«. Eben nicht.

Diese Kritik, ist hier zwar zurecht auf die SP gemünzt, koennten aber m.E auch wir Gruene beherzigen..

hier der ganze Artikel.