so muss die Zukunft aussehen

vorher:
ein typischer 60er Jahre Bau in Linz (gibt unzählige davon)

hoher Energieverbrauch (gemessene 179,9kwh/m2/a)
schlechte Luft in den Wohnungen (Verkehrsader), Balkone nicht nutzbar

nachher:

92% Energieeinsparung (14,4kwh/m2/a)
Passivhausstandard
Hinterlüftete Solarfassade
deutlich bessere Luftqualität in den Wohnungen durch kontrollierte Be/Entlüftung
Balkone als Loggien jetzt nutzbar
deutlich reduzierte Heizkosten (statt eines Heizkostenzuschusses)

mehr infos über dieses Projekt hier

Das ist nur ein Beispiel des vorbildlichen Staatspreises für Architektur und Nachhaltigkeit.
Nicht bloss Wohnhäuser, sondern auch Produktionshallen, Schulen, Gemeindezentren und Schutzhütten wurden ausgezeichnet.
(Ein Lob der Jury unter Prof. Roland Gnaiger)

Die zentrale Frage bleibt:
Warum ist solches immer bloss lobenswerte Ausnahme?
Warum lernen Politiker und Bauträger so elend langsam?

16 Replies to “so muss die Zukunft aussehen”

  1. nicht nur Politiker und Bauträger, auch die Bewohner lernen langsam. Je nach Finanzierungsart der Wohnung muss der entscheidende Impuls von verschiedenen Seiten/Akteuren gesetzt werden.
    Ökonomisch gesehen sind die Energiepreise offenbar noch nicht hoch genug. Aber insofern besteht ja Hoffnung 🙂
    Frage an CC zum konkreten Projekt: wie wurde finanziert? Wie lange würde hier ein Einspar-Contracting-Vertrag laufen? (Geht aus den Projektunterlagen nicht hervor.)

    MfG

    1. Genau das… … würde mich auch interessieren. Ich kann mir mittel- bis längerfristig vorstellen, so etwas in dem Wiener Zinshaus, in dem ich selbst wohne zu “lancieren”, da ich einen privaten und sehr guten Zugang zum Hauseigentümer habe.

      Allerdings stellen sich da zwei sehr praktische Probleme: Erstens, mit diesem Zinshaus wird, wie mit so vielen solchen Häusern in Wien, überhaupt kein Geld verdient. Der grund: es gibt zuviele langfristige Alt-Mietverträge, die keinen relevanten Deckungs-Beitrag zur langfristigen Hauserhaltung abwerfen. Das Haus wird – finanziert von einigen wenigen Neumietern wie mir – gerade mal so irgendwie “durchgebracht”.

      Daher: wie finanzieren? Zweitens muss (zB anhand praktischer Erfahrungsberichte von Bewohnern solcher Häuser) sichergestellt sein, dass das “Lebensgefühl” nach so einer Sanierung wirklich in keiner Hinsicht leidet. Denn wenn man als Eigentümer innovativ ist und unter Aufbietung aller Kunstgriffe und finanzieller Verrenkungen so etwas auf die Beine stellt, dann will man nicht hernach auch noch von den Mietern dafür auf den Mond geschossen werden…

  2. finanzierung ist freilich eine gute frage.

    leider ist das bauwesen keines meiner expertengebiete, ist es denn nicht möglich gelder des ominösen wirtschaftsförderungsfonds in wien für solche projekte zu gewinnen und nicht eine grüne wiese nach der anderen am stadtrand zuzupflastern?

    noch ein detail:

    die angnehmen und zwecks platzausnutzung meist optimaleren schrägparker wurden gegen einen parkstreifen ersetzt. das halte ich persönlich für einen fehler.

    1. Schrägparken = Gehsteigklau Schrägparken nimmt nicht nur FußgeherInnen Platz weg (Autos ragen weit über die
      Gehsteigkante hinaus), es gefährdet auch z.B. RadlerInnen und verhindert den
      Sichtkontakt mit dem Gehsteig.
      Im gegenständlichen Fall wird durch die Vergrößerung der Bauhülle wohl der Gehsteig in Richtung Fahrbahn verschoben worden sein, sodaß einfach kein Platz
      (4m statt 2m bei Längsparken) übrig war.

      In Wien wäre das ein Sakrileg (z.B. unter Svihalek umgepinselte Schrägparkplätze
      wieder rückpinseln) – und wahrscheinlich schon darum so ein Bau unmöglich.

    2. schrägparken und svihalek das problem für radfahrer ist ersichtlich, für fußgänger sehe ich keine große gefahr. zumindest in wien sind gehsteige sowieso immer zu breit oder zu schmal. selten einen passenden gesehen…

      würde nur gerne mehr über sviahleksche umpinselaktionen erfahren – seine amtszeit hat geendet, bevor ich mich damit zu beschäftigen begonnen habe…

    1. Wenn es so einfach wäre… … aber was tun, wenn die Einsparungen direkt den Mietern zugute kommen, die Investition aber vom Vermieter getätigt werden muss? Der Vermieter darf je nach Umständen oft nicht einmal bei Neuvermietung eine der Werterhöhung entsprechende höhere Miete verlangen.

      Das ganze Thema hat eine eminent tiefe Verquickung mit den Tücken des österreichischen Mietrechts. Und dieses hat den Mieterschutz so weit ausgedehnt (und auf eine so realitätsfremde Art und Weise), dass der “Schutz” vor tiefgreifenden Verbesserungen der Bausubstanz auch gleich inbegriffen ist.

      Und ich fürchte, gerade auch die Grünen werden sich aufgrund ideologischer Altlasten extrem schwertun, hier den Finger auf sehr offene, aber seit langem nicht mehr angetastete Wunden zu legen… das ginge zwar auch ganz ohne mieterfeindliches Agieren, aber halt sicher nicht unter Huldigung altlinker Reflexe.

    2. von selbst finanzieren natürlich refinanzieren sich Energieeinsparprojekte über einen gewissen Zeitraum von selbst. Nennt sich Contracting, dh die Einsparmaßnahmen werden fremdfinanziert. (hier http://www.energyagency.at/(de)/themen/thema_index.htm?thema_id=14 gibts Grundlageninfo dazu)
      Die Frage ist aber, wie lange diese Amortisation dauert, und wie hoch die Transaktionskosten sind. Das sind mE die wesentlichen Einflüsse auf den Entscheidungsprozess va. in Mehrparteienhäusern und auf die dahinterliegenden individuellen Entscheidungen.
      Daran knüpft sich auch meine Frage, wie im konkreten Fall finanziert wurde.

      @Maschi: zB bei Contracting kommen Mieter in den Genuss der Energieeinsparung, haben also ebenso wie die Eigentümer (die den Wert der Wohnung steigern) Anreize, E-Sparmaßnahmen durchführen zu lassen. Daran sollte es also nicht scheitern.

      lg

    3. Mmh Also ich denke an den oben dargestellten Fall. Der Vermieter möchte, weil er eben so ein Freak ist, die Fassade mit solchen Paneelen überbauen und hat ein Haus voller Mieter mit unbefristeten Mietverträgen, die keinerlei Überschuss abwerfen.

      Wie soll er die Finanzierung nun also schaffen? Der “Wert der Wohnung” wird natürlich gesteigert, aber von Luft und Liebe allein lässt sich noch kein Kredit zurückzahlen… aber wenn es da doch Modelle gibt, würden mich die eben sehr interessieren!

    4. Contracting ist hier schon eine gangbare Möglichkeit (schau Dir die EA-Seiten (obiger Link) dazu an).
      Der Fassadensanierer finanziert (über einen Dritten) vor, und bemisst sein Entgelt als Anteil der Energieeinsparungen.
      Falls du also einen Draht zum Eigentümer hast, würde ich dir raten, ihn dazu zu bewegen sich ein paar Angebote einzuholen. Ein Anbieterverzeichnis gibts ebenfalls bei der EA.

    5. Hab mich eh schon kurz umgeschaut… … aber ich fürchte, dass das nicht anwendbar ist. Denn in einem typischen Wiener Mietshaus ist die Heizung nicht in den Mietkosten integriert, sondern gibt es eine Gastherme in jeder Wohnung und die Gaskosten berappt der Mieter selbst. Eine allfällige Einsparung kommt also immer voll dem Mieter zugute. Und ich trau mich fast wetten, dass ich an die Grenzen des Mietrechts stosse, wenn ich versuchen würde, die Mieter davon zu überzeugen, ihre Einsparung bis zur Amortisation dem Finanzierer zur Verfügung zu stellen… mal ganz abgesehen von den praktischen Grenzen der Machbarkeit, denn einige sind immer gegen alles.

      Aber ich lasse mich sofort vom Gegenteil überzeugen, denn ich weiss ja nicht, ob es doch irgendwelche schlauen Möglichkeiten gibt…

    6. Weiter weiss ich auch nicht. Jetzt, wo du das Problem schon recht genau ausformuliert hast, wäre es spannend, es mit ctrl-c und ctrl-v an drei oder vier Anbieter aus der EA-Liste zu schicken. Und wenn uns dann die Ergebnisse mitteilen würdest 🙂
      lg

    7. @maschi hm, klingt wirklich nach einem veralteten mietrecht. wären bestimmt gewisse reformen anzudenken.
      um die mieter zu überzeugen, solltest ihnen vor allem die einsparungen vorrechnen. wennst auf passivhausstandard sanierst, können sie jährlich 1000 bis 2000 euro weniger fürs heizen bezahlen. das bedeutet sie erhalten ein zusätzliches 15. monatgehalt oder nen urlaub geschenkt. klingt doch ganz verlockend 😉
      damit sie auch vom wohlfühlfaktor überzeugt sind, empfehle ich mit ihnen bestehende passivhäuser zu besichtigen. viele bewohner sind so sehr begeistert, dass sie ihre erfahrungen gerne weitererzählen. am einfachsten findest du solche leute auf http://www.igpassivhaus.at unter passiv-objekte -> objektsuche -> detailsuche. dort kannst du dann zb mit gebäudebesichtungsmöglichkeit auswählen. und auhc zum thema passend, gibts auch ein paar altbausanierungen, wie zb die markatstraße.

  3. Lange Amortisation In dem Haus, in dem ich lebe, wurde (auf mein Dränge hin, no na) von der Hausverwaltung ein KV für eine Wärmedämmung/sanierung erstellt. Demnach kämen auf alle Parteien Kosten in der Höhe von ca. 6.000€ zu! Grob geschätzt würde sich das durch Heizkostenersparnis erst in 12-15 Jahren rechnen! Ganz abgesehen von den hohen Kosten, die sich nicht alle (Rentner etc) leisten können… (Die letzte – in meinen Augen komplett unsinnige, weil primär den Unternehmen nützende – Verordnung zum Aufzugumbau hat schon aberwitzig hohe Kosten verursacht.)

    1. Ich kenne ein vergleichbares (Energiedämmungs-)Vorzeigeprojekt aus den USA: TVA.
      Ohne auf konkrete rechtliche Hürden eingehen zu können, sollte ein Unternehmer, der solche Energiesparmaßnahmen verkaufen will, die Investitionen finanzieren (lassen). Dann mit den Mietern Verträge abschließen: Sie zahlen die bisherigen Verbrauchskosten weiter, die Ersparnisse fließen als Rückzahlung in die Kassen der Investoren. Komfortvorteile oder Flächenerweiterungen können den Mietern als überzeugende Argumente geboten werden.
      Alle profitieren, ausnahmsweise sogar die Umwelt: win-win-win

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