Nicht die „Ausländer“, sondern Gehrer&Co ruinieren die Unis

Jetzt denkt Gehrer in der Presse über Uni-Ausländerquoten nach und versucht einmal mehr vom Hauptproblem der österreichischen Unis abzulenken.
Folgendes muss man sich immer vor Augen halten:
Diese Regierung hat seit 1999 die Ausgaben für die Hochschulen gekürzt und deswegen ist das Hochschulbudget (in Prozent des BIP) im Zeitraum von 1999 bis 2002 von 1,22% auf 1,02% zurückgegangen. Schlag nach bei Orwell: Wer Krieg führt, nennt sich Friedensministerium. Wer die Wissensgesellschaft fördern will, schwafelt von der „Weltklasseuni“ und kürzt bei den Hochschulen.

Zur Graphik: Österreich ist bei der Akademikerquote im europäischen Vergleich Vorletzter.
Quelle: europe_in_the_creative_age_2004 (pdf)

Weiter mit Zahlen, denn sie rauben den Atem, v.a. den Universitäten, und sie sind das Problem, und nicht die „Ausländerflut“.
Im OECD Schnitt wird 1,6% des BIP für Hochschulen ausgegeben, bei uns deutlich weniger (siehe oben).
Im OECD Schnitt treten 45% eines Jahrgangs ein Studium an, im Land des PISA-Siegers Finnland gar 71%, bei uns bloss 30%.
Im OECD Schnitt liegt die Akademikerquote bei 23%, hierzulande bei 14%, und wir zählen damit klar zu den Schlusslichtern.
Die Lösung kann daher nur lauten:
Investitionen in Bildungseinrichtungen (die Infrastruktur des 21. Jhdts) müssen Vorrang vor der Infrastruktur des 19. und 20 Jhdts (Strassen, Kanäle) haben.
Die Unis brauchen viel, aber v.a. eines: deutlich mehr Geld.
Und Österreich brauch nicht weniger sondern mehr Studierende.
Aus dem In- wie aus dem Ausland.
Dass junge Menschen nicht nur in ihrer „Heimat“ studieren, sondern auch „ins Ausland“ gehen, ist zu fördern, nicht zu begrenzen.
Das Erasmus-Programm ist eines der erfolgreichsten Initiativen der EU, und ist weiter zu auszubauen.
Österreich ist kein armes Land, leistet sich Abfangjäger, eines der dichtesten Autobahnnetze der Welt und in vielen Bereichen neun parallele Verwaltungen.
Wer bei Unis und Schulen spart, ruiniert unsere Zukunft.

4 Replies to “Nicht die „Ausländer“, sondern Gehrer&Co ruinieren die Unis”

  1. Ach, die Statistiken… Alles gegen Gehrer und ihre “Bildungspolitik”, aber bitte nicht mit den abgedroschenen
    Uni-Statistiken. Studienanfänger, Absolventen, Unis, Hochschulen etc. wird in nahezu
    jedem Land anders definiert!

    Nicht umsonst führen die Amis bei dieser Wertung. Im Kleingedruckten sieht man immerhin,
    dass dabei “BA or above” gemeint ist, nur ein Bachelor in den USA ist in den allermeisten
    Unis vom Anforderungniveau und der gebotenen Ausbildung nicht mehr als ein erster
    Studienabschnitt in Ö. oder eine Fachmatura.

    Wenn also mit Akademikerzahlen hantiert wird, dann für Ö. bitte auch sämtliche Absolventen
    von berufsbildenden höh. Schulen und Studierende im 2. Abschnitt dazu zählen – und dann,
    oh Wunder, wird Ö. sicher im Spitzenfeld liegen!

    Was bringt außerdem eine hohe Akademikerquote? Ansehen, Macht, Geld, langes Leben?
    Viel wichtiger wäre es, Menschen im mittleren und unteren Bereich der Bildungsleiter bessere
    Chancen zu bieten, denn “Karriere mit Lehre” – wie ein Slogen einmal war – spielts nicht
    wirklich. Die Einstellung “ausgelernt” zu haben (nach einer Lehre nämlich) darf es nicht mehr
    geben im 21. Jhdt!

    Trotzdem, die einzige sinnvolle und nachhaltige Zukunftsinvestition bleibt natürlich die in
    Bildung und Ausbildung – auf allen Ebenen. Es ist schlicht Wahnsinn, wieder zu hören, dass
    Junglehrer keinen Job bekommen, weil es angeblich weniger Kinder gibt. Tatsächlich wird
    der Förder- und Erziehungsbedarf immer größer, die Aufgaben der Lehrer immer umfang-
    reicher – und die Klassenschülerzahlen steigen wieder auf das Niveau der 70er!

    1. traurig, dass wir uns in diesem Jahrhundert noch immer mit Begrenzungen auseinandersetzen müssen und nicht produktiver und kreativer mit Gegebenheiten umgehen können ohne damit gleich ein Mehr an Fördermittel zu meinen, sehr verwunderlich. Bildung zu fördern, in welchem Bereich nun auch immer (Schule, Lehre bis Uni etc.) ist wohl auch Frage der Förderung von Neugier, Selbstverwirklichung, von kreativem Know-How für die Zukunft – für zufriedenere Menschen nach Möglichkeit. Hier zu sparen bzw. kreative Möglichkeiten zu finden und mit den Ideen der “Betroffenen” zu gehen und sie zu unterstützen wäre sinnvoller, gesundheitsförderlicher und wirtschaftlich für alle einträglicher als noch immer veraltete pädagogische Konzepte a la Gehrer und Co auf Kinder wie Erwachsene anzuwenden. Vielleicht sollte Mrs. Gehrer auch mal wieder universitäre LV belegen und jüngeren, alltagsnäheren Menschen die Koordination des Resorts überlassen?!

  2. ÖH Ich schließe mich voll und ganz der Meinung an, dass mehr Geld in unser Bildungssystem investiert werden muss. Allerdings bin ich auch der Meinung, dass mit den Mitteln, die von Österreich und Österreichern, zur Verfügung gestellt werden, vor allem Österreichische Schulabgänger ausgebildet werden sollen. Denn wie ist es einem österreichischen Steuerrzahler zumutbar, dass z.b..: ein deutscher Medizinstudent in Österreich um teures Geld ausbegildet wird; er nach dem Studium aber wieder nach Deutschland zurück geht.
    Abgesehen davon stellt sich die Frage, ob wir hier in Österreich wirklich eine prestigeträchtige, sündhaft teure Eliteuniversität brauche. Wäre es nicht vernünftiger bestehende Bildungseinrichtungen zu fördern?
    Unser jetziges, akutes Uniproblem und die Schwierigkeitem, die das EuGh-Urteil mit sich bringen, sind doch schon seit Jahren bekoannt. Doch nach guter alter, österreichischer Vogel-Strauß-Politik wurden sie ingnoriert. Absichtlich oder unabsichtilich. Seis drum. Der freie Hochschulzugang ist passé. Was hat die ÖH zu alledem zu sagen? Bis jetzt war höchsten ein kaum wahrnehmbares Flüstern vernehmbar. Sollten nicht sie es sein, die für Studenten, -rechte, Unibudgets,….. auf die Barrikaden steigen und sich lauthals durchsetzen. Oder sind sie durch das UG2002 so sehr geschächt worden, dass sie ohnehin bald von der Bildfläche verschwinden werden?

    1. vogel-strauß nennt sich gats … nun ich denke es ist weniger eine vogel-strauß-politik als die ersten auswirkungen des von österreich mitunterzeichneten gats-vertrages. damit werden auch die bildungssysteme für den freien markt geöffnet. davon sind auch die universitäten nicht ausgenommen. ein erstmaliges einführen der studiengebühren – in “noch” geringem ausmass waren die vorboten dazu. die stratifizierungen und rechtfertigungen für die studiengebühren (die an nordamerikanischen universitäten wie auch in england etc. sehr hoch sind) werden durch qualität begründet – damit wird es über kurz oder lang zu dem denken kommen – die öffentliche hand hat kaum geld für bildung (woher auch) und damit kann es nur ein mindestmaß an bildungsauftrag erfüllen. wer glücklich ist und es sich leisten kann hat ja dann auch die möglichkeit gegen entsprechende gebühren bessere bildungsmöglichkeiten zu wählen.
      “herzlich” willkommen in der freien bildungs-industrie!

      dass dies nicht nur folgen für die ausbildung sondern auch für die forschung und wissenschaft haben wird ist schon jetzt klar. dass die unis nicht nur weniger an ressourcen zur verfügung gestellt bekommen sondern obendrein noch mehr z.T. sinnlosen verwaltungsaufwand – dies ist schon jetzt für jeden studenten, jede studentin spürbar.

      dass das staatliche bildungssystem schlecht war und durch die freie marktwirtschaft besser und günstiger geregelt werden kann bezweifle ich schlichtweg. das hat schon im gesundheitssystem nicht funktioniert. dass strukturelle, zeitgemäße veränderungen notwendig sind, daran zweifelt ohnehin niemand. und dass wir eine abgrenzungs- und abschottungspolitik spätestens mit dem eu-beitritt offiziell beendet haben, hat sein gutes aber auch weitreichende folgen denen nun intelligent und weltoffen begegnet werden sollte.

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